Pink Punk Pantheon

Die Tage unter Tage sind gezählt

Pink Punk Pantheon: Maryam Yazdtschi vor ausverkauftem Haus mit ihrer Version des Ave Maria. FOTO: VOLKER LANNERT

Pink Punk Pantheon: Maryam Yazdtschi vor ausverkauftem Haus mit ihrer Version des Ave Maria.

BONN. Tja, das mit dem Umzug auf die andere Rheinseite ist schon eine feine Sache - eigentlich. Wer könnte glücklicher darüber sein, dass der "1. FKKVB Heimatverein Rhenania n.V. 1983" nicht seines Vereinslokals verlustig geht, als dessen Alterspräsident Fritz Litzmann?

Es gibt da nur ein kleines Problem: Hat er früher doch nicht immer - "also gar nicht", wie ihm der amtierende Vorsitzende Hermann Schwaderlappen flugs in die Parade fährt - besonders nett über Beuel gesprochen.

Das mag Litzmann bei der Premiere der 33. Pink-Punk-Pantheon-Session einige Kopfschmerzen bereitet haben. Doch bevor am Bundeskanzlerplatz die Koffer und Kisten gepackt werden, hat sein Alter Ego Rainer Pause am Sonntag, 3. Januar, weitaus angenehmere "Pflichten" zu erfüllen: So wird der Landschaftsverband Rheinland das Pantheon als "unverzichtbares Markenzeichen der Region" für seine Verdienste um die rheinische Kultur und Lebensart mit dem Rheinlandtaler auszeichnen.

Und dafür finden die Vereinsmeier doch bestimmt Platz in einem der zahllosen Kartons - wenn vom Bonn Center am Ende tatsächlich nur noch ein Häufchen Bauschutt übrig ist, in dem Seite an Seite das Pantheon-Logo und der große Stern vom Dach stecken. So wie es der Naturfilm über die Bonner Kellerassel zeigt, den die Pantheoniken eigens vorbereitet haben. Heinz Sielmann und Bernhard Grzimek in allen Ehren, aber die Tage der possierlichen Tierchen unter Tage sind gezählt.

"Wir müssen raus aus diesem ehrenwerten Haus" heißt der auf Udo Jürgens 1974 komponierte Melodie nun frisch und munter gedichtete Text - Höhepunkt des dreistündigen Programms, in dem sich Freude und Erleichterung nach den Wochen der Ungewissheit nunmehr endlich Bahn brechen dürfen. Das geht nicht nur Litzmann und Schwaderlappen, dem PPP-Ensemble, der Band und Regisseurin Molly Spitta so: Der gesamte Saal feiert lauthals mit - gut für eine gepflegte Gänsehaut. Und man müsste schon einen ziemlichen Holzkopf auf den Schultern tragen, um sich nicht darüber zu freuen, dass Rainer Pause das ursprünglich für die Premiere des Weihnachtsspecials am 20. November geschriebene Beuel-Lied doch noch aus der Schublade ziehen konnte.

In diesem Programm ist es bestens aufgehoben. Fußballkenner sprechen von Spielfreude. Alles muss rein, oder in diesem Fall eben raus. Das lassen sich Beate Bohr, Gabi Busch, Christina Fuchs, Sia Korthaus und Maryam Yazdtschi, Ben Beracz, Gerd Beracz, Tunç Denizer, Sangit W. Plyn, Hagen Range, Massimo Tuveri und Gerhard Vieluf nicht zweimal sagen.

Klimaerwärmung, Festspielhaus und Bonner Seilbahnen? Geschenkt. Nichts kann den Jecken im Keller an diesem Abend die Stimmung verderben. Maryam Yazdtschi singt dazu mit engelsgleicher Stimme das Ave Maria zum Klimakterium. Und feiert - Funkenmariechen hin oder her - politisch korrekt "Veganeval": Lieder von de Höhner? Ersatzlos gestrichen.

PPP lässt William Shakespeare hochleben, wie Monty Python es auch nicht höher hinbekommen hätte. PPP mischt in Erziehungsfragen mit und nimmt sich dabei den Hundeprofi zum Vorbild. Das klappt sogar beim Pegida-Anhänger ganz prima - quod erat demonstrandum. Die seit drei Jahren in Bonn ansässigen Texaner Sarah und Ben geben - großzügig wie sie und ihre Landsleute nun mal von Haus aus sind - bereitwillig Nachhilfestunden im Umgang mit handelsüblichen Handfeuerwaffen. Und solch sarkastisch schwarze Galle verleiht der Karnevalsrevue die nötige Würze, die das Attribut kabarettistisch mehr als rechtfertigt.

Pink Punk Pantheon: Alle Vorstellungen bis 9. Februar sind ausverkauft. Restkarten an der Abendkasse oder unter 0228/212521.