Contra-Kreis-Theater Bonn

Die Rolling Stones des Boulevard

BONN. Das Bonner Contra-Kreis-Theater präsentiert drei Stars der deutschen Film-und Fernsehgeschichte: Horst Janson, Christian Wolff und Hans-Jürgen Bäumler spielen „Kerle im Herbst“. Regie führt Theaterleiter Horst Johanning.

In Nizza klingelt das Telefon. Der Hausherr weiß schon, wer anruft, er ist vorgewarnt und nimmt ganz entspannt den Hörer ab: „Guten Tag, hier ist Hans-Jürgen Bäumler.“ Im Hintergrund quietscht laut und vergnügt ein Baby. „Eines meiner Enkelkinder“, sagt Bäumler im Gespräch mit dem General-Anzeiger. „Mein Sohn ist gerade hier, es geht also rund bei uns.“

Der Schauspieler und frühere Eiskunstläufer Bäumler lebt seit 35 Jahren an der Côte d’Azur. Gleichwohl hält er sich regelmäßig in Deutschland auf. Ende des Jahres war er mit dem Stück „Kerle im Herbst“ auf großer Tournee. 30 Vorstellungen hat er mit seinen Bühnenpartnern Horst Janson und Christian Wolff absolviert. „Und alle Abende waren ausverkauft“, sagt Bäumler.

Am 2. März feiert die Komödie von Katrin Wiegand im Bonner Contra-Kreis-Theater Premiere. Bis Ende April stehen knapp 60 Vorstellungen auf dem Spielplan, danach geht es für zwei Monate nach München. Bonn und München drängen sich als feste Spielorte geradezu auf, denn der Contra-Kreis-Chef Horst Johanning ist in gleich mehreren Funktionen in die Produktion involviert. Der Thomas Sessler Verlag in Wien hatte das Stück dem Bonner Boulevardtheater und auch der Komödie im Bayerischen Hof München angeboten. Beide Häuser realisieren „Kerle im Herbst“ nun in einer Koproduktion. Johanning führt Regie, er hat die Besetzung akquiriert und im Oktober mit den Schauspielern in München geprobt. Danach startete in Langen bei Frankfurt die Tournee.

„Kerle im Herbst“ bedient den Boulevard. Drei ehemalige Schulfreunde verbringen ihre alten Tage auf Mallorca, man teilt sich, hauptsächlich aus finanziellen Gründen, eine Finca und pflegt ansonsten den täglichen Wettstreit um die bessere Lebensphilosophie. Ist Sport nun Mord – oder doch gesund? Dann kündigt eine gemeinsame Jugendfreundin ihren Besuch an. Die junge Haushälterin, gespielt von Horst Jansons Tochter Sarah Jane, bringt immer wieder neue Briefe in die Rentnerrunde.

Ausverkaufte Stadthalle

Horst Johanning sitzt am Montag dieser Woche im Büro seines Kellertheaters am Uni-Hauptgebäude und erzählt genüsslich von einer kleinen Begebenheit im November. Die Tournee lief bereits, der Regisseur wollte eine Vorstellung in Emmelshausen im Hunsrück besuchen. „Ich hatte Mühe, eine Karten zu bekommen“, sagt er. „Die Stadthalle war mit 750 Plätzen restlos ausverkauft“.

Horst Johanning (74) freut sich über den Coup, der ihm mit dieser Besetzung gelungen ist. Hans-Jürgen Bäumler (75) und Horst Janson (81) sind Freunde, alte Weggefährten, beide haben mehrmals im Contra-Kreis gespielt. Christian Wolff (78) betritt zum ersten Mal eine Bonner Bühne. Das große Interesse des Publikums hängt nicht zuletzt mit den Biografien der Protagonisten zusammen. Wolff hat von 1983 bis 2005 mit seiner Hauptrolle in der ZDF-Serie „Forsthaus Falkenau“ ein Stück Fernsehgeschichte geschrieben. Horst Janson erspielte sich 1973 eine nachhaltige Fangemeinde als erster TV-Hippie in der Serie „Der Bastian“. Und Hans-Jürgen Bäumler sammelte als Eiskunstläufer zahlreiche Medaillen, bevor er eine Karriere als Schauspieler und Moderator startete.

In Aschau am Chiemsee klingelt das Telefon. „Ich bin gespannt auf Bonn“, sagt Christian Wolff. Man hat ihm von der besonderen Sitzanordnung im Contra-Kreis berichtet. „Mal sehen, wie es sich spielt, wenn einem das Publikum fast auf dem Schoß sitzt.“ Wolff weiß, für welches Publikum er auf der Bühne steht: „Für einen von uns drei langgedienten Recken haben die Besucher in ihrer Jugend bestimmt mal geschwärmt.“

Ein "Straßenfeger"

Wolff war 1957 erstmals im Kino zu sehen, in „Immer wenn der Tag beginnt“ mit Ruth Leuwerik. „Damals der erfolgreichste Film des Jahres“, sagt er. Im März 1960 zierte er den Titel der Bravo. 1963 hat er Pierre Brice als Winnetou in „Old Shatterhand“ und „Winnetou 1“ synchronisiert. Und Alain Delon in Viscontis Klassiker „Der Leopard“. Darüber mag er nicht reden, nicht weil er sich schämen würde. „Ständig steht das in irgendwelchen Programmheften, doch das ist ein halbes Jahrhundert her, wen interessiert das noch?“

Den Förster im ZDF hat er 220 Mal gespielt. Anfangs sah Wolff darin nicht die große schauspielerische Herausforderung. Dann wirkte er zusehends an den Drehbüchern mit. „Nach ein paar Jahren konnten wir uns den Forstberater sparen, weil ich selbst fit genug war.“ Heute ist er stolz darauf, mit dieser Serie „das Bewusstsein für Wald und Umwelt gefördert zu haben“.

Anruf bei Horst Janson in München. Der 81-Jährige macht ein Interview fast überflüssig, denn er lässt bereits auf seiner Internetseite tief blicken. „Laut einer GFK-Studie liegt Horst Jansons Bekanntheitsgrad bei 84,6 Prozent“, steht dort. Und: „Jeder zweite Bundesbürger findet Horst Janson sympathisch“. Dann zitiert er Ernest Hemingway: „Ein Mann kann vernichtet werden, aber er darf nicht aufgeben.“ Janson befindet sich seit Jahren auf einer Art „Never Ending Tour“ mit dem Stück „Der Alte Mann und das Meer“.

Doch er erinnert sich gern an seinen Urknall als Schauspieler: „Der Bastian war ein guter Anfang, ja, sogar ein Straßenfeger.“ Der langhaarige Lehramtsstudent verfolgt ihn ein Leben lang, auch wenn Janson an Film und Fernsehen von „Buddenbrooks“ (1959) bis „Soko Köln“ (2007) so ziemlich alles mitgenommen hat. Auch internationale Produktionen, etwa „Murphy’s War“ (1971) mit Peter O’ Toole.

Spaß am Spiel

Drei Darsteller und ihr Regisseur: Sie spielen und spielen und inszenieren ohne Unterlass. Sie sind die Rolling Stones des deutschen Boulevardtheaters. Horst Johanning gefällt der Vergleich. „Die Stones waren auch immer aktiv“, sagt er. Doch was treibt die vier Theatermacher an?

„Der Spaß am Spiel“, sagt Horst Janson. „Mit 65 aufzuhören, würde bedeuten, dass einem der Beruf keinen Spaß gemacht hat.“ Letztes Jahr hat er in Bad Hersfeld „Hexenjagd“ gespielt, danach die nächste „Soko“. „Das hält jung, und im Kopf bleibt man klar.“ Janson hat finanziell einige Turbulenzen erlebt, auch das motiviert. Und Christian Wolff deutet an, dass selbst Legenden nicht auf Dauer von der Substanz leben können.

„Wir sind drei alte Säcke und spielen drei alte Säcke“, sagt Hans-Jürgen Bäumler. Die Tournee mit „Kerle im Herbst“ hat ihn beflügelt: „Dieser Erfolg zwingt mich zur Gänsehaut.“ Bäumler mag die Bonner Bühne. „Es ist schön familiär, und man muss als Schauspieler aufpassen, dass man nicht über die Handtasche einer Besucherin fällt.“

Horst Johanning ist gedanklich bereits beim nächsten Stück. Er hat gerade die britische Komödie „Glamour, Gauner und Juwelen“ von Robin Hawdon übersetzt – und denkt über die passende Besetzung nach. Premiere ist am 4. Mai.