Käte Hamburger Kolleg

Die Kunst im Künstlichen

Bonn. Der Künstler Tim Shaw hat als Stipendiat des Käte Hamburger Kollegs in Bonn Robotik und Bildhauerei kombiniert und einen Breakdown Clown geschaffen.

Über seine eigene Existenz macht sich der Breakdown Clown keine Illusionen. Über die der Menschen ebenso wenig. „Wir sind gar nicht so unterschiedlich“, sagt der Roboter, den der Künstler Tim Shaw während eines einjährigen Stipendien-Aufenthalts als Artist in Residence am Käte Hamburger Zentrum geschaffen hat und dessen offizielle „Geburt“ vor einigen Tagen gefeiert werden konnte. „Wir bestehen nur aus Leitungen und weichem Fleisch über einer harten Form. Impulse laufen auf diesen sehnigen Bestandteilen. Und wenn die Lebenskraft die Form verlässt und das Wasser verdampft, sind wir Staub. Du und ich.“

Sein Schöpfer lächelt, während er extra für den GA das Programm ablaufen lässt, das sein Geschöpf in dem Studio am Rheinbogen zum Leben erweckt. Ein bemerkenswertes Gefühl: Natürlich ist klar, dass er seinem Geschöpf diese Worte eingegeben hat (ein Fakt, den auch der Breakdown Clown anspricht), natürlich ist man sich der Künstlichkeit des Sprechers jederzeit bewusst – und doch berühren die Worte, dieses Nachdenkliche, das in sich Versunkene, diese Passagen über den Rhein, den Menschen, die Götter und die Gesetze der Welt. Es regt an – und auf diese Weise wird aus dem Künstlichen Kunst. „Kunst muss etwas aussagen wollen, muss in irgendeiner Art und Weise das Sein reflektieren“, behauptet Shaw.

Der 51-jährige bildende Künstler aus Belfast, dessen Skulpturen unter anderem im Londoner Royal Opera House zu sehen sind, hat mit „The Birth of Breakdown Clown“ Neuland betreten. „Ich hatte noch nie etwas Derartiges gemacht“, gesteht Shaw. „Zunächst wollte ich auch nur Stimmen und Skulpturen miteinander verbinden – aber dann wurde ich mutiger. Jetzt habe ich in eben eine sich bewegende Skulptur geschaffen. Für diese Chance bin ich dem Käte Hamburger Zentrum und vor allem dessen Leiter Professor Gephart sehr dankbar, denn es gibt nicht viele Orte, in denen man als Künstler so ein Projekt realisieren kann.“

 

Und das soll erst der Anfang sein. „Geplant ist, dass der Breakdown Clown auf einen menschlichen Gegenüber reagieren kann“, sagt Shaw. Die entsprechende Programmierung der künstlichen Intelligenz dürfte noch einige Monate in Anspruch nehmen und wird von Kollegen des Briten übernommen. „Ich kenne mich damit nicht aus“, gesteht er. Ihn treibt derweil anderes um: „Würde dem Breakdown Clown vielleicht ein Hut stehen? Oder Lippenstift? Ändert sich etwas, wenn ich seine Sexualität ändere?“

Damit will Shaw in der nächsten Zeit experimentieren und dann, mit etwas Glück, seine Skulptur in Museen auf der ganzen Welt ausstellen. Auch in Bonn? „Es gibt da tatsächlich Gespräche, aber mehr kann ich dazu noch nicht sagen“, erklärt Shaw. Vielleicht wird der Breakdown Clown also bald wieder in der Bundesstadt weilen und nahe seines Geburtsorts über die Welt, das Leben und die dazugehörigen Gesetzmäßigkeiten philosophieren.