560.000 Euro Kosten

Die Klais-Orgel in der Bonner Schlosskirche wird eingeweiht

Blick auf die Klais-Orgel in der Bonner Schlosskirche.

Die Orgel gilt als Königin der Instrumente. Diesem Vergleich wird die neue Orgel der Bonner Schlosskirche, die am Sonntag feierlich eingeweiht wird, in vielerlei Hinsicht gerecht.

Auch wenn sie mit zwei Manualen, 28 Registern und 1595 klingenden Pfeifen bescheidener daherkommt als ihre Schwestern in den großen Kathedralen. Durch vier Fenster einfallendes Tageslicht umspielt ihre nobel filigrane Silhouette, während sie auf der hinteren Empore der Schlosskirche thront.

Gut 560.000 Euro kostet das Instrument der Bonner Orgelbaufirma Klais. Das Geld dazu kam zu einem großen Teil von einer nicht näher benannten Schweizer Stiftung, wie der Kölner Gemeindepfarrer Thomas Hübner ausführte. Hübner, der in Bonn studiert hat, hatte sich wie auch der ehemalige Direktor des Beethoven-Hauses, Andreas Eckhardt, wesentlich um die Einwerbung von Sponsorengeldern gekümmert. Der Zimbelstern wurde vom Rotary-Club RC Bonn finanziert. Einzelne Register steuerten der Verlag für die Deutsche Wirtschaft und der General-Anzeiger bei. Letzterer ein Glockenspiel, das an die Wurzeln Beethovens im heute belgischen Mechelen, die "Hauptstadt des Glockenspiels", erinnert. Der Komponist hat in der Schlosskirche häufig die Orgel gespielt.

"Ich hatte immer die Befürchtung, das Instrument könnte den Raum erschlagen", erinnerte sich Reinhard Schmidt-Rost, Professor an der Evangelischen Fakultät und Universitätsprediger, bei der Vorstellung des Instrumentes an die Anfänge des Projektes vor vier Jahren. Doch heute weiß der Vorsitzende des Ausschusses für den Orgelneubau: "Das Gegenteil ist der Fall. Es erhebt den Raum."

Die ursprünglichen Befürchtungen waren zumindest nachvollziehbar. Die Vorgängerorgel der Firma Ott war bei gleicher Registerzahl kleiner und kompakter gebaut als das neue Instrument der Firma Klais.

Es ist dem Zusammenspiel vieler kreativer Köpfe zu verdanken, dass bei der Orgel eine bauliche Lösung gefunden wurde, deren Idee und Konzept sich dem Betrachter unmittelbar erschließt. Die farbliche Gestaltung wurde ebenso auf den Raum abgestimmt wie die Formensprache der Architektur. Nicht nur, dass die Pedaltürme die Gestaltung der Säulen aufnehmen, deren barocke Kapitelle sich an der Orgel als stilisierte Metallkronen wiederfinden.

Sogar die in kurfürstlichen Zeiten noch vorhandene zweite Empore kehrt zumindest als Idee zurück, indem die Gestaltung des Orgelprospektes eine zweite Empore assoziiert. Dass es aber vor allem ein modernes Instrument des 21. Jahrhunderts ist, wird dabei nie verleugnet. Für die Umsetzung solcher Grundgedanken haben Orgelbauer Philipp Klais, der Bonner Architekt Ralph Schweitzer und der von der Universität beauftragte Denkmalpfleger Gisbert Knopp, der schon die letzte große Sanierung des Sakralbaus 1980 leitete, in allen Planungs- und Bauphasen eng zusammengearbeitet.

Die neue Klais-Orgel ist das sechste Instrument in dem 1779 errichteten Gebäude. "Das Aufgeben der Ott-Orgel ist nicht das Aufgeben einer schlechten Orgel", sagte Philipp Klais. Es seien vor allem technische Gründe wie die schwierige Wartung des Ott-Instrumentes, die den Einbau einer neuen Orgel erforderlich gemacht hätten. Dass sie die Opuszahl 1882 trägt, zeigt den hohen Rang, den es in der Geschichte der Firma Klais zugewiesen bekommt: 1882 ist das Gründungsjahr des weltweit tätigen Familienbetriebes.

Klanglich greift die Orgel die Philosophie der äußerlichen Gestaltung auf, verbindet harmonisch Altes mit Neuem. Miguel Prestia, Organist an der Schlosskirche, hob gestern den warmen, singenden Ton des Instrumentes hervor, bei dem nicht zuletzt auch der italienische Stil der Ott-Orgel Pate gestanden habe. Zugleich aber kann sie mit ihren bis zu fünf Meter großen Pfeifen auch gravitätisch tönen.

Feierliche Einweihung der Orgel: Sonntag, 6. Mai, 11 Uhr; abends um 18 Uhr Konzert mit Johannes Geffert.

Zum Orgelneubau ist eine reich bebilderte Festschrift erschienen: Orgelpunkt: Die Geschichte und die Orgeln der Schlosskirche zu Bonn. Hrsg. von Thomas Hübner und Reinhard Schmidt-Rost, Verlag CMZ, 357 S., 25 Euro