"Highlights des Internationalen Tanzes"

Die Junior-Company des Nederlands Dans Theaters begeistert in der Oper

Virtuose Körperkunst: Szene aus Edward Clugs „Mutual Comfort“ mit dem Nederlands Dans Theater 2.

Virtuose Körperkunst: Szene aus Edward Clugs „Mutual Comfort“ mit dem Nederlands Dans Theater 2.

Bonn. Das NDT 2 zeigt mit dem vierteiligen Jubiläumsprogramm zum 40. Geburtstag eine Quersumme Schaffens.

Die witzigste Choreografie, die das Nederlands Dans Theater 2 (NDT 2) bei ihrem zweitägigen Bonner Gastspiel zeigte, trägt den Titel „Mutual Comfort“ und stammt von Edward Clug. Nach den Rhythmen der Musik von Milko Lazar, die wie ein aus den Fugen geratener Tango klingen, streifen Fay van Baar, Aya Misaki, Miguel Duarte und Surimu Fukushi über die Bühne, ihre pausenlosen Bewegungen sind schnell, mit überraschenden Wendungen, plötzlich ausgeführten Hebefiguren, alles wirkt nervös, gehetzt – und zugleich schwerelos schwebend. Ein getanzter Widerspruch.

Allein schon diese unglaublich virtuosen 13 Minuten aus dem abendfüllenden Programm machten deutlich, dass die jungen Tänzerinnen und Tänzer aus Den Haag eine vollwertige Compagnie sind. Gegründet wurde das NDT 2 vor ziemlich genau 40 Jahren als Kaderschmiede für die damals schon seit zwei Jahrzehnten bestehende und die internationale Tanzwelt prägende Hauptkompanie, die zu jener Zeit von Jirí Kylián geleitet wurde. Drei Jahre lang werden die zwischen 17 und 23 Jahre alten Tänzerinnen im NDT 2 trainiert und künstlerisch ausgebildet. Dass trotz der strukturell bedingten extremen Fluktuation in der Truppe so etwas wie ein eigener Stil entwickelt werden konnte, sollen die vier Stücke des Jubiläumsprogramms „Sum Thoughts“ zeigen. Die „Summe“ besteht in einem Mix aus zwei nagelneuen Stücken, die erst im vergangenen März uraufgeführt wurden, und zwei älteren, wobei Clugs „Mutual Comfort“ auch erst drei Jahre alt ist.

Tanz unter der Plane

Eröffnet wurde der Abend mit „A Hefty Flood“, das die ehemalige NDT-2-Tänzerin Marina Mascarell gemeinsam mit den aktuellen Ensemblemitgliedern entwickelt hat. Ob die Idee zündet, große Teile des Tanzstücks unter einer grauen Plane stattfinden zu lassen, ist eine Frage, die man am Ende mit einem klaren Nein beantworten muss. Wenn die pulsierende Plane die Tänzer einmal frei gibt, wirken sie wie Unwissende, die erst die Welt und sich selbst entdecken müssen. Das Licht der Aufklärung halten sie in Gestalt einer Glühbirne selbst in der Hand. Einzelne schöne Momente enthält „A Hefty Flood“ durchaus, zum Beispiel, wenn der Schatten eines Tänzers auf eine Plane fällt, und dieser Schatten mit dem realen Kopf einer hinter der Plane hervorlugenden Tänzerin zu einer neuen Gestalt verschmilzt.

Das älteste Stück des Abends war Hans van Manens „Short Cut“, das der Choreograf 1999 zu Streichquartett-Musik von Jacob ter Velde schuf. Es ist ein intensives Adagio, das von Fay van Baar, Amanda Mortimore, Tess Voelker und Donnie Duncan jr. wunderbar visualisiert wurde.

Die Choreografie „Subtle Dust“ von Sol León und Paul Lightfoot, die wie „A Hefty Flood“ als Deutschlandpremiere gezeigt wurde, ist eine poetische Reflexion über die Flüchtigkeit, in der die Choreografen auf beeindruckende Weise die Kontrapunktik der Musik Johann Sebastian Bachs in räumlich parallele Aktionen oder auch Pausen übersetzen. Ein bisschen tut das Stück so, als würde eine konkrete Geschichte erzählt, vor allem der mysteriöse Mann im Mantel, der wie der leibhaftige Tod wirkt, erweckt diesen Eindruck. Am Ende aber bleibt die Geschichte ein großes Rätsel, das freilich gar nicht nach einer Auflösung verlangt. Das Publikum nahm den Abend begeistert auf.