Die Bonner Rotation wird zum Rotlichtbezirk

Rita Rohlfing präsentiert sich im Rahmen der "Szene Rheinland"

Bonn. Festlegen auf eine bestimmte Kunstsparte möchte sie sich nicht. Lieber vagabundiert Rita Rohlfing zwischen Malerei, Fotografie und plastischem Entwurf. In letzter Zeit allerdings hat die Braunschweiger Meisterschülerin von Bernd Minnich und Roland Dörfler Fuß gefasst auf dem Terrain der ortsbezogenen und stets begehbaren Installation; während eines Studienaufenthaltes in New York fand sie zu ihren gegenwärtig favorisierten Materialien: Das sind Anti-Reflex-Aluminium und rottonige Folie von diffuser Struktur.

Installationen bedeuten in den Augen der in Köln lebenden Künstlerin (Jahrgang 1964) einerseits Zwiegespräche mit dem räumlichen Umfeld, andererseits das Eingehen auf vorgefundene Raumkontexte und gleichzeitig eine Herausforderung zu mehr oder weniger markanten Eingriffen.

Rohlfings klarsichtige, geradezu puristische Konzepte richten sich intensiv, mitunter provokativ ("Drahtseilakt") an das Wahrnehmungs-Sensorium ("Lufttöne") und auch an die Psyche des Betrachters. In diesem Zeichen steht die bislang monumentalste Installation und wohl rigoroseste Intervention, die Rohlfing entworfen hat.

Schon während der Raumanalyse, dann beim Modellbau, schließlich bei der Materialbestimmung war die "komplette Veränderung" der Alten Rotation besiegelt; gleichzeitig reifte der Gedanke, die "Szene Rheinland" - so heißt die Ausstellungsreihe des Rheinischen Landesmuseums Bonn im General-Anzeiger - um einen "Rotlichtbezirk" zu bereichern.

Beim Betreten des einstigen Rotation wird der Besucher förmlich umfangen von wohlig warmen Rottönen eines dämmrigen, dann wieder sakral schimmernden Ambientes. Verführerische Rotmodulationen huschen wie lautlose Schatten vorbei.

Was der Betrachter konkret sieht, sind einzig zwei rechteckige Quader-Giganten, Riesen-Leuchtkästen. In einen ein Meter hohen Rahmen aus Antireflex-Aluminium wurde eine rote Folie gespannt, die, von unten angestrahlt, wie ein roter Lichtzauber wirkt.

Die monströsen Formkörper bilden den Überbau zu einem geheimnisvollen Innenleben. Denn drunten, in der Versenkung, schlummert das Herzstück des dramaturgischen Konzeptes von "Rotlichtbezirk".

Was Rita Rohlfing bei ihrer ersten Begegnung mit der Rotation reizte, war weniger die historische Vergangenheit des Ortes. Bestechend vielmehr schien das Potenzial einer Raumanlage, die über zwei Spielflächen verfügt: ein höhlenartiges Souterrain und galierieähnliches Parterre.

Beim naheliegenden Streifzug durch Rohlfings "Rotlichtbezirk" (kuratiert von Katharina Chrubasik) fällt der Blick in "unendliche Tiefen" (Rohlfing). Eine dort installierte Lichtkomposition zeigt betörende Farbenspiele eines sowohl erotischen, als auch aggressiven Rot-Tons. "Und der Betrachter steht mitten drin". (Rohlfing)

Rheinisches Landesmuseum Bonn in der Alten Rotation, Justus-von-Liebig-Str. 15; bis 20. April. Täglich außer Montag 11-17 Uhr, Mi 11-20 Uhr. Der Katalog kostet 15,24 Euro