Der genaue Blick aufs Alltagsgeschehen

Zum 100. Geburtstag des Bonner Malers und Karikaturisten André Osterritter

Bonn. (pjg) Seine Hauptschaffenszeit hatte er im Bonn der Nachkriegszeit und des Wiederaufbaus; mit spitzer Feder und scharfem Blick für die Kleinigkeiten hielt er das das Zeitgeschehen auf Papier und Leinwand fest und wurde so zum augenzwinkernden Zeugen des Werdens der Bundeshauptstadt: Vor 100 Jahren wurde der Maler, Karikaturist und Graphiker André Osterritter geboren.

Schon früh erkannte Osterritter sein zeichnerisches Talent und machte eine Ausbildung zum Graphiker in Köln, Düsseldorf und München. Im Mai 1933 fand erstmalig eine Ausstellung unter Beteiligung André Osterritters im damaligen städtischen Museum von Bonn, der Villa Obernier, statt. Zwischen 1934 und 1948 war er freiberuflich als Graphiker tätig, unter anderem bei der Bonner Universität, der Dynamit AG in Troisdorf und der Fischerkösen-Filmproduktion.

Im Zweiten Weltkrieg war er außerdem als Graphiker an den Westwall verpflichtet und Soldat. In diese Zeit fallen auch seine ersten Pressekarikaturen, für die er in den Folgejahren über die Grenzen Bonns hinaus bekannt werden sollte. Seit 1948 arbeitete André Osterritter hauptberuflich als Graphiker für das Bonner Stadtplanungsamt. Darüber hinaus aber fertigte er ungezählte Landschafts- und Städtebildnisse in Tusche, Öl und Aquarell, deren Motive sich hauptsächlich im bayrischen Raum und in seiner rheinischen Heimat fanden.

Darüber hinaus illustrierte er eine Vielzahl von Publikationen wie zum Beispiel das Buch "Die Bonner Rheinbrücke", steuerte Wagen-, Ordens- und Plakatentwürfe für den Karneval bei und schuf großformatige Wandmalereien, etwa in der alten Münsterschule oder der Villa Friede. Mit nur 51 Jahren starb Osterritter völlig unerwartet in Bad Godesberg. Sein Todestag war der 8. August 1957.

Durch die Bemühungen des Enkels André Osterritters, Gerd-Josef Pohl (vielen Bonnern durch sein Piccolo Puppentheater in Erinnerung), gelang es, eine beachtliche Sammlung von Osterritter-Bildern zusammenzutragen, die in den letzten Jahren in zwei viel beachteten Ausstellungen im Haus der Springmaus in Bonn und im Haus an der Redoute in Bad Godesberg in Teilen gezeigt wurde.

Im August 2004 wurde die von Pohl zusammengetragene Sammlung mit den Osterritter-Beständen im Bonner Stadtarchiv vereint. Nach wie vor ist es ein besonderes Anliegen des Osterritter-Enkels, weitere Werke seines Großvaters in die nunmehr im Stadthaus befindliche Sammlung zu integrieren, um so das Oeuvre vor weiteren Verlusten zu bewahren. Wer etwas über den Verbleib von Bildern von André Osterritter weiß, kann sich mit Gerd-Josef Pohl unter der Rufnummer 0172/2 45 67 69 in Verbindung setzen.