Der geigende Eremit und die Zwitschermaschine

<b>Roman Kofman</b>

<b>Roman Kofman</b>

Bilderreicher Abschluss der Freitagsreihe mit dem Bonner Beethoven Orchester unter Roman Kofman

Bonn. Der Titel des Finalstücks hätte eine gutes Motto für das gesamte letzte Freitagkonzert des Beethoven Orchesters in dieser Saison abgegeben: "Bilder einer Ausstellung". Denn neben den von Modest Mussorgsky vertonten Arbeiten des Malers und Architekten Viktor Hartmann, kamen noch etliche weitere Werke aus der Welt der bildenden Kunst zu Gehör: Von Arnold Böcklin vier Gemälde, die Max Reger in tönende Form goss, und Paul Klees "Zwitschermaschine", die von Giselher Klebe aus ihrem stummen Dasein erlöst wurde.

Max Regers "Vier Tondichtungen für großes Orchester nach Arnold Böcklin" op. 128 gehören nicht eben zum Kernrepertoire des Konzertbetriebs. Was ein bisschen schade ist. Reger, der anders als etwa Richard Strauss sein kompositorisches Betätigungsfeld sonst eher nicht in der Programmmusik sah, hat in diesen vier Stücken gleichwohl sehr atmosphärische musikalische Ausdeutungen der zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgesprochen populären romantischen Gemälde abgeliefert.

Im ersten Bild, "Der geigende Eremit", zeigte das Beethoven Orchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Roman Kofman ein gutes Gespür für die Wirkung der Gegenüberstellung der Dämpfer spielenden Streichern auf der einen und der ohne Dämpfer spielenden Streicher auf der anderen Seite. Und Silviu Casleanu spielte dazu mit schönem Ton die stimmungsvolle Sologeige.

Das sehr tonmalerische "Spiel der Wellen" wurde anschließend ebenso schön herausgearbeitet wie die fahle und düstere "Toteninsel", die im Übrigen auch Sergej Rachmaninow zu einer Tondichtung inspirierte. Das Bacchanal hätte vielleicht eine Spur mehr dionysischer Lebensfreude vertragen können. Paul Klees "Zwitschermaschine" bezeichnet seinem Titel nach einen tiefen Gegensatz.

Auf der durchaus ironisch gemeinten kulturkritischen Zeichnung sind vier Vögel abgebildet, die eigentlich Symbol grenzenloser Freiheit sind, hier aber von einer Kurbel dazu angetrieben werden zu tirilieren: Galeeren-Sträflinge der (Gesangs-)Kunst. Klebe, dem mit der Donaueschingener Uraufführung seiner Vertonung vor 55 Jahren der Durchbruch als Komponist gelang, ist dazu eine durchaus wirkungsvolle Musik eingefallen.

In den Metamorphosen über das Bild finden sich eine Fülle von Klangfarben und Ausdrucksnuancen, die das Maschinenhafte nicht allein in den Vordergrund stellen, sondern sogar einige hübsche jazzige Einsprengsel zulassen. Bei Kofman und dem Orchester war die Zwitschermaschine in guten Händen. Eine schöne Reverenz vor dem Komponisten, der am 28. Juni 80 Jahre alt wird.

Mit Mussorgsky ursprünglich für Klavier geschriebenen "Bildern einer Ausstellung", die in der brillanten Orchesterversion von Maurice Ravel zu hören waren, tat sich das Orchester mitunter etwas schwerer. In den "Tuileries" blieb der Schluss unbefriedigend, das Thema des Samuel Goldenberg war zu sehr von der Melodie her gedacht, zu wenig von seinem rezitativischen Sprachcharakter, der die ignorante Überheblichkeit des Reichen unterstreicht.

Sein Gegenüber, Schmuyle, hingegen fand in der Solotrompete ein überzeugenderes Sprachrohr. Auch Kofmans Tempi überzeugten nicht immer, so dass dem Stück einiges an Spannung verloren ging. Zu den stärksten Momenten zählten die langsamen Sätze wie "Das Alte Schloss" mit dem wunderbar geblasenen Saxofonsolo oder auch die "Catacombae". Das Publikum in der bei weitem nicht ausverkauften Beethovenhalle reagierte mit viel Beifall.

Anschließend feierten die Musiker mit vielen Gästen den Abschluss der Saison. Bei der Gelegenheit verlieh Orchestervorstand Christian Brunnert dem Wunsch nach mehr Gastdirigenten und einem in Zukunft etwas abwechslungsreicheren Programm Ausdruck. Eines wie an diesem "Bilder"-Abend wäre da ein gutes Beispiel.