Ausstellung

Der besetzte Freiraum

Konsumfetisch: Skulptur von Titus Reinarz. FOTO: MECKLENBURG

Konsumfetisch: Skulptur von Titus Reinarz. FOTO: MECKLENBURG

Bonn. 13 Mitglieder der Bonner Künstlergruppe „Semikolon“ präsentieren sich im Haus an der Redoute.

Weihevoll ruht ein vergoldetes Gips-Kalb in einem gläsernen Schrein, Metapher für die zeitsymptomatische Vergötterung von materiellen Gütern. In diesem prägnanten Statement verdichtet Bildhauer Titus Reinarz eine Deutungsvariante von „occupy space“, so das Motto des aktuellen Projektes der Bonner Künstlergruppe „Semikolon“. Dreizehn Mitglieder der demnächst fünfzig Jahre bestehenden Formation bescheren unter Regie von Chef Olaf Menke ein prickelndes Panorama von Installationen, die das Ausstellungsmotto mit multiplen Sichtweisen und einem beachtenswerten Repertoire an kompositorischen Gestaltungsmitteln einkreisen.

Zu den ausgeloteten Motiven zählen Außenräume, Stadt-, Naturräume, Innen- und Zwischenräume, außerdem Raumteiler und Barrieren; parallel geht es um die Hinterfragung von Bildräumen, um Raumillusion und Mehrdimensionalität.

Schlussendlich führt die Themenroute in den abstrakten Bereich. Da geht es um Lebens-, Persönlichkeits-, Handlungs-, Bewegungs- und Freiräumen schlechthin. Aufmerksamkeit erregen etwa Gemälde und Wandobjekte, die ihren traditionellen Standort verlassen – so in einer Arbeit von Tanja Schmiechen, ein „Semikolon“-Neuzugang. Jahrgang 1976. Bemerkenswert auch die verschwommenen Porträtstudien von Neuling Natja Jander. Ein weiteres Kuriosum verkörpert die psychedelische, teils surreale Megakon-struktion von Menke, der sich von der Entdeckung eines venezianischen „Zwischenhauses“ inspirieren ließ.

Ebenfalls verblüfft eine bildräumliche Verschränkung, des per Foto und rauschender Designerrobe (Textildruck) präsenten Anblicks der New Yorker Brooklyn Bridge von Barbara L. Mayer. Aber auch die Malerin Jutta Detken (Thema Naturraumfrevel), Erika C. Kömpel (Fotomontage), Carl Körner (Linoldruck, Transparentfolie) und der polnische Bildhauer Jerzy Z. Moryto warten mit alerten Raumeroberungen auf.

Haus an der Redoute, Kurfürstenallee 1a; bis 4. September. Mi-So 14 bis 18 Uhr.