Beethoven-Wettbewerb der Telekom

Der Sieger von 2011 begeistert

Vor dem Start: Die Wettbewerbsteilnehmer mit Telekom-Chef Timotheus Höttges (vorne, Mitte) und Jury-Präsident Pavel Gililov.

BONN. Vor vier Jahren überraschte der junge chinesische Pianist Jingge Yan die Jury der International Telekom Beethoven Competition Bonn mit einer fulminanten Interpretation von Beethovens Diabelli-Variationen. Danach schien manchem in der Runde klar: Hier hatte man soeben den kommenden Sieger gehört.

Zum Welcome-Konzert des diesjährigen Wettbewerbs war der Musiker wieder einmal in die Beethovenstadt gekommen. Doch bevor der mittlerweile 29-jährige Jingge Yan am Donnerstagabend in der sehr gut besuchten Telekom-Zentrale erneut sein Publikum mit den Diabelli-Variationen verzauberte, erfolgte das schon Tradition gewordene Ritual mit Reden, Vorstellung der Teilnehmer und Begrüßung der Gäste - darunter waren auch Bonns neuer Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Beethovenfest-Intendantin Nike Wagner.

Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Telekom, wies in seiner Ansprache auf den runden Geburtstag der Competition hin: "Der erste Wettbewerb fand vor genau zehn Jahren statt, und er hat in dieser Dekade nichts von seiner Attraktivität, nicht von seiner Ausstrahlungskraft verloren", sagte er. Warum ist der Beethoven-Wettbewerb wichtig für die Telekom? "Kultur löst Emotionen aus", sagte Höttges. Und der Wunsch nach emotionalem Erleben werde in der technologisierte Welt eher zunehmen. Er sprach über die neunte Sinfonie Beethovens, über die einende Kraft dieser Musik und begrüßte in diesem Zusammenhang 60 in Bonn lebende Flüchtlinge, die zum Welcome-Konzert eingeladen worden waren.

In diesem Jahr treten 22 Kandidaten zum Wettbewerb um den mit 30.000 Euro dotierten ersten Preis an. Der Radiojournalist Daniel Finkernagel stellte sie der Reihe nach vor, wobei er eloquent und humorvoll zuvor eingesammelte persönliche Zitate der Teilnehmer mit einem Aspekt aus Beethovens Leben und Wirken verwob. Vom Jury-Vorsitzenden Pavel Gililov, der sein Amt seit der Wettbewerbspremiere vor zehn Jahren ausübt, wollte der Moderator wissen, wie Pianisten sich auf den Wettbewerb vorbereiten könnten. Gililovs Antwort lief auf ein quasi Humboldt'sches Bildungsideal hinaus: "Sie müssen auch alle anderen Künste kennen, und sie müssen sich als Mensch kultivieren."

Das ist Jingge Yan offenbar sehr gut gelungen. Er hat die Diabelli-Variationen hörbar bis in die letzte Verästelung hinein durchdrungen, durchlebt sie, Gililovs Ideal folgend, auf dem Podium, gewinnt ihnen viele intensive Momente ab, verleiht ihnen, wo es passt, auch eine feinsinnige Eleganz. Die Fughetta (Variation 24) erklang klanglich subtil und zum Niederknien schön, während zuvor die Derbheit der Mozarts Leporello zitierenden Variation Nr. 22 zeigte, dass Jingge Yan auch diese Ausdruckssphäre trifft. Das Publikum war nach diesen 33 Variationen beeindruckt, und der Sieger von 2011 bedankte sich für den begeisterten Applaus mit zehn weiteren Variationen, die Beethoven sich zu einem Thema aus Antonio Salieris Oper "Falstaff" hatte einfallen lassen. Bernhard Hartmann

Gestern früh um zehn Uhr war der Große Saal in der Telekom-Zentrale bereits gut mit Besuchern gefüllt, als die erste Runde der Beethoven Competition an den Start ging. Die Teilnehmer müssen in dieser Runde ein Präludium und eine Fuge von Bach, eine der letzten drei Sonaten Beethovens sowie ein weiteres Werk von Beethoven darbieten. Jurypräsident Pavel Gililov verkündete dem Publikum bei der Begrüßung ein Novum: Seit diesem Jahr darf nicht nur die Fachjury abstimmen, sondern auch das Publikum. Bis zum Semifinale kann es online für einen Favoriten votieren. Der Teilnehmer, der die meisten Stimmen erhält, kommt unabhängig vom Jury-Urteil eine Runde weiter.

Bruno Mereu aus Italien eröffnete den Wettbewerbstag. Leider merkte man dem 30-Jährigen seine Nervosität an. Jedoch versöhnte Mereu mit seiner innigen und gefühlvollen Interpretation des dritten Satzes der Sonate op. 109.

Dem 25-jährigen Florian Glemser hingegen gelang es von Anfang an, mit seinen Ideen und seiner künstlerischen Qualität zu überzeugen. Der Sohn des international bekannten Pianisten und Klavierprofessors Bernd Glemser beeindruckte das Publikum besonders mit seiner dynamisch variablen und vielseitigen Interpretation der Sonate op. 109.

Mit EunAe Lee startete auch die erste Frau in den Wettbewerb. Die Südkoreanerin spielte mit großen Gesten ihre Wettbewerbsstücke und verzauberte das Publikum in ihrem blauen Abendkleid mit ihrer leidenschaftlichen Darbietung der Sonate op. 110.

Der letzte Teilnehmer des ersten Blocks war Thomas Wypior. Aufmerksamen Besuchern des letzten Beethoven-Wettbewerbs sollte der Name noch bekannt vorkommen. Schaffte es der 30-Jährige doch 2013 bis ins Semifinale, wurde dann aber wegen eines Formfehlers disqualifiziert. Dieses Jahr darf Wypior wieder antreten, und er nutzte diese Gelegenheit mit seiner sehr exakten Interpretation von Präludium und Fuge Nr. 24 h-Moll und der Sonate op.111, die er sehr feinfühlig und dynamisch differenziert darbot. Katharina Breiden

Die Autorin ist Teilnehmerin des Musikjournalismus-Seminars des Musikwissenschaftlichen Instituts der Kölner Universität, das zurzeit in Zusammenarbeit mit der Beethoven Competition stattfindet. Die Seminarteilnehmer berichten für den General-Anzeiger über die erste Wettbewerbsrunde.