Interview mit Jan-Gregor Kremp

Der Schauspieler über seine Kindheit, seinen Beruf und seinen Fußballverein

Jan-Gregor Kremp ist einem Millionenpublikum als Fernseh-Kommissar, unter anderen als "Der Alte" bekannt. Am 28. Januar sitzt er in der Harmonie am Flügel, singt und dichtet.

BONN. Der Schauspieler Jan-Gregor Kremp kommt am Dienstag, 28. Januar, in die Harmonie, mit seinem Bühnenpartner Olaf Weiden und dem Soloprogramm "Kremp - Ist mir so passiert". Bissig komisch, aber auch liebevoll authentisch spricht, singt und dichtet der Tausendsassa über seine Kindheit, seinen Beruf, seinen Fußballverein und seine Wahrnehmung der Welt.

Im Fernsehen jagen Sie Mörder oder sind selbst der Bösewicht. Sie sind für uns ein Mann mit Colt. Und jetzt sitzen Sie in der Harmonie am Flügel?
Jan-Gregor Kremp: Ja richtig. Aber für mich ist das nicht ungewohnt. Ich habe ja sozusagen mit dem Flügel angefangen, bevor ich zur Schauspielerei gekommen bin. Ich habe Musik studiert und mir das jetzt in meiner frei arbeitenden Zeit wieder zurückerobert. Und das macht mir großen Spaß.

Was war damals Ihr Berufswunsch?
Kremp: Ich habe die Aufnahmeprüfung für Schulmusik gemacht, aber relativ schnell gemerkt, dass ich dann doch nicht an die Schule wollte. Dann habe ich Musik für eine Kabarettgruppe geschrieben, bin so auf der Bühne gelandet und wollte das dann von der Pike auf lernen. In Bonn um die Ecke habe ich angefangen: im Haus der Springmaus.

Stichwort Kabarett. Ihr Bühnenprogramm ist ja auch nicht ohne Humor. Wie würden Sie den charakterisieren?
Kremp: Ach, wenn es einen melancholischen Humor gibt, dann ist das meiner. Es schwingt also eher die Tragikomik des Lebens mit als Hau-drauf-Humor.

Und da kann dann auch ruhig mal der Tod, das Sterben vorkommen...
Kremp: Ja, in meinem Programm mache ich wirklich Sachen, die mich angehen. Ich erzähle von mir und den Dingen, die ich tue. Und das Thema Tod begleitet uns ja nun mal immer, auch wenn es eher als Tabu behandelt wird. Aber: Im Leben wie im Theater geht es um zwei Dinge: um Liebe und Tod.

Es geht aber auch um Mutters Wirsing mit Speck.
Kremp: Ja, in der Großfamilie sind sozusagen meine Wurzeln. Wirsing mit Speck kam da natürlich vor. Den habe ich übrigens versucht, nachzukochen. Aber der ist mir noch nie gelungen. Das ist doch ein Wahnsinn, ich mache alles so wie Muttern, und es schmeckt immer anders. Da fehlt was.

Ein Blick zurück: Es ging also gar nicht geradlinig hin zu den Kommissarsrollen? Sie sind eigentlich Theaterschauspieler...
Kremp: Ja, das war auch mein großer Wunsch. Ich konnte mir am Anfang gar nicht vorstellen, fürs Fernsehen zu arbeiten. Ich dachte, ein richtiger Schauspieler muss auf der Bühne die großen Texte sprechen.

Das haben Sie ja auch gemacht: zum Beispiel am Wiener Burgtheater den Franz Moor in Schillers "Die Räuber"...
Kremp: Ja. Aber ich habe in den zehn Jahren auch gemerkt, wie sehr das einen auffressen kann, so dass dann wenig von einem selbst überbleibt, wenn man nur im Theater lebt. Dann habe ich sozusagen die Reißleine gezogen. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass ich eine Familie gegründet habe. Oder auch mit einer künstlerischen Häutung. Ich habe irgendwann schon gemerkt, dass so alle zehn Jahre bei mir immer noch irgendetwas anderes passiert.

Und wann kommt die nächste Häutung?
Kremp: Och, das kann man ja nicht bewusst entscheiden. Aber die feste Kommissarsrolle als "Der Alte" lässt mir eben auch den Freiraum, parallel dieses Soloprogramm zu machen. Davor konnte ich nie planen, wann ich Zeit dafür hatte. Das Programm ist für mich mein Luxus, den ich lange nicht hatte.

Jan-Gregor Kremps Leverkusen ist Herbert Grönemeyers Bochum?
Kremp: Ja, das ist und bleibt meine Heimatstadt. Da lebe ich inzwischen wieder. Aber ich bin nicht nur fixiert auf diese Stadt, ich fühle mich eigentlich mehr als Rheinländer. Und das habe ich sehr gemerkt, als ich in Österreich oder München Theater spielte.

Sie sind Ehrenmitglied bei Bayer 04 Leverkusen. Und bei Heimspielen auf der Tribüne?
Kremp: Immer wenn ich kann, sind mein Sohn und ich dabei. Eigentlich schade, dass beim aktuellen zweiten Platz nicht mehr herausspringt. Die Jungs spielen beständig guten Fußball. In den entscheidenden Momenten versagen sie aber auch gern mal. Aber seine Mannschaft sucht man sich ja auch nicht aus, die kriegt man quasi mit der Geburt geschenkt. Da muss man halt durch, auch durch Tiefen.

Sie ziehen gerne den Mann von heute durch den Kakao...
Kremp: Ne, ich hätte ihn nur lieber anders.

Wie sollte der moderne Mann denn sein?
Kremp: Eigentlich heißt mein Thema: Wo sind die Männer von gestern? Also mir ist das heute alles ein bisschen zu epiliert. Es gibt so gewisse Dinge, die ich toll finde an der Emanzipation...

Ach ja?
Kremp: Ich gehöre ja selbst zu den kochenden, waschenden Männern. Aber ab und zu muss ein Mann auch noch ein Mann sein. Und wenn's schwere Koffer gibt, dann trägt man die eben zum Auto, auch wenn das Kreuz kaputt ist. Ich ziehe die Männer durch den Kakao, die, anstatt sich zu duellieren, lieber ihre Geschichte an die "Bunte" verkaufen.

Info: Karten für das Soloprogramm Jan-Gregor Kremps am Dienstag, 28. Januar, ab 20 Uhr in der Harmonie, Frongasse 28, gibt es für 22,20 Euro in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.