Konzert in der Endenicher Harmonie

Defunkt gibt Vollgas

Joe Bowie ist ein Meister der Posaune.

Joe Bowie ist ein Meister der Posaune.

Bonn. Joe Bowie und seine Musiker preschen bei ihrem Bonner Konzert von der ersten Sekunde an nach vorn.

Eins ist unbestreitbar: Auch nach 40 Jahren verstehen sich Defunkt auf einen herrlich druckvollen Groove, den nur wenige Formationen mit einer derartigen Selbstverständlichkeit aus dem Ärmel schütteln wie die Band von Posaunist und Sänger Joseph Bowie. Das Quintett, das 1978 entstand, um Free Jazz, Disco und eben den im Namen integrierten Funk miteinander zu verschmelzen, vermag unter den gestrengen Augen seines Frontmanns punktgenau zu spielen, energiegeladen, wuchtig – und zugleich relativ eingeschränkt in seiner Tonsprache. Doch für eine gute Party ist letzteres nebensächlich, wie Defunkt jetzt bei einem Auftritt in der Harmonie unter Beweis gestellt hat. Hauptsache, man gibt Vollgas. Und damit haben die New Yorker nun wirklich kein Problem.

Von der ersten Sekunde an preschen Defunkt nach vorne. Garry „Gman“ Sullivan, der unter anderem schon bei Tina Turner und den B-52s als Triebfeder agiert hat, trommelt sich sogleich in Ekstase, während Trompeter John Mulkerin und natürlich Joe Bowie, die beide schon von Anfang an in der Band sind, mit fetten Bläser-Hooks Farbe in die Musik bringen. Bassistin Kim Clarke, ebenfalls Gründungsmitglied und altehrwürdige Königin des Funk, unterfüttert all dies derweil stoisch mit erdig-wuchtigen Läufen – und Gitarrist Kelvyn Bell setzt mit seinem kantig-verzerrten Spiel immer wieder Akzente, die Defunkt aus der Masse an Funk-Formationen herausheben und beim Publikum immer wieder für Jubel sorgen.

"Wir spielen dieselbe Musik wie damals, als wir jung waren"

Nach einiger Zeit fließen allerdings sämtliche Stücke ineinander. Unterschiede gibt es nur wenige, in der Regel herrscht Schema F vor. F wie Funk: Schnell und mit den immer gleichen Versatzstücken, die je nach Bedarf aus dem Baukasten hervorgeholt werden. Veränderungen? Muss ja nicht sein. „Wir spielen dieselbe Musik wie damals, als wir jung waren“, bekennt denn auch Joe Bowie. „Und wenn ich noch einmal die Möglichkeit hätte, von vorne anzufangen, würde ich alles genau so machen.“ Kann er ja, die treue Fan-Gemeinde wird das freuen.

Und doch wäre an der ein oder anderen Stelle eine etwas andere Kolorierung durchaus wünschenswert, und zwar eine, die über den Einsatz von A-cappella-Passagen oder Solo-Variationen hinausgeht. Doch so etwas würde Joe Bowie niemals zulassen. Und sein Wille geschehe, das müssen die anderen Defunkt-Mitglieder ihm schon zugestehen. Wer sich ihm und seinem strikten Dirigat verweigert, wird auch gerne mal auf offener Bühne angefahren, während Bowie zugleich in Richtung Publikum den liebenswerten, charismatischen Sänger präsentiert, der ausgelassen tanzt und das auch von der Zuhörerschaft erwartet. „Ich will euch tanzen sehen, ich brauche diese Energie“, ruft er.

Und weil er eben Joe Bowie ist und seine Musik zwar formelhaft, aber eben auch kraftvoll und zudem meisterhaft umgesetzt ist, bekommt er, was er verlangt. Womit alle zufrieden waren.