Stadtgarten Bonn

Das ist die neue Beethoven-Statue von Markus Lüpertz

Sehnender Blick: Ansturm bei der Enthüllung von Markus Lüpertz' "Hommage an Beethoven".

BONN. Als "Hommage an Beethoven" bezeichnet der Maler und Bildhauer Markus Lüpertz seine Bronze-Skulptur, die am Sonntag im Bonner Stadtgarten feierlich enthüllt wurde. Was halten Sie von dem Kunstwerk - 2,70 Meter hoch und 1100 Kilogram schwer?

Den knackigen Hintern und muskulösen Rücken hat er dem Rhein zugewandt. Erst beim Umrunden des Kolosses bemerkt man, dass dieser Muskelprotz ein leidender Krüppel ist. Beide Arme fehlen, das linke Bein ist in Oberschenkelhöhe amputiert.

Leidend reckt sich der rotgeschwollene Kopf, der leicht wirre Blick geht sehnend in die Ferne. Vertrockneter Lorbeer über den Schläfen ziert den nackten, traurigen Helden, vor dessen amputiertem Bein eine blau leuchtende Büste steht: Beethoven mit wallender Mähne, auch er Inbegriff brütender Melancholie.

Bonn hat einen neuen Beethoven, besser eine "Hommage an Beethoven", wie der Bildhauer und ehemalige Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie, Markus Lüpertz, seine neue Skulptur nennt. Am Sonntag enthüllte die "Stiftung für Kunst und Kultur e.V." die 2,70 Meter hohe und 1.100 Kilogramm schwere Skulptur an ihrem Standort im Stadtgarten. "Ein Geschenk an die Stadt", wie das Vorstandsmitglied des Vereins, der ehemalige Wirtschaftsminister Werner Müller, vor mehreren hundert vom Bläserquintett des Beethoven Orchesters eingestimmten Gästen betonte.

Die Leihgabe ist auf zehn Jahre begrenzt. Die Figur solle das Genie Beethovens visualisieren, sagte Müller, wissend um kontroverse Diskussionen, die die Skulptur auslösen könne. Müller verglich Lüpertz' Beethoven, der sich über bekannte Bildnisse erhebe, mit Beethovens genialen Variationen über einen simplen Walzer des Musikverlegers Anton Diabelli. "Kunst ist die Rache am Banalen", zitierte Müller den Pianisten Alfred Brendel.

Mit feiner Selbstironie bedankte sich OB Jürgen Nimptsch für das bürgerliche Engagement: Die Stadt habe gerne zugeschaut, wie Franz Liszt das Beethoven-Denkmal auf dem Münsterplatz spendiert habe, und schaue auch jetzt gerne zu. Er freue sich, wenn die Bürger durch Lüpertz' Beethoven "ans Denken kommen".

[kein Linktext vorhanden]Jürgen Flimm, Intendant der Deutschen Staatsoper Berlin, baute eine Brücke von den nie so richtig geliebten Söhnen der Städte Salzburg und Bonn, Mozart und Beethoven, zum Engagement der Stiftung und zu Lüpertz, der in Salzburg eine höchst umstrittene "Hommage an Mozart" schuf. "Diskussionen um die Kunst im öffentlichen Raum müssen immer neu geführt werden", sagte Flimm, der auch Parallelen zwischen Beethoven und Lüpertz zog: "Beide verbindet eine unerbittliche Arbeit am Zeitgeist."

Auf die Frage, was ihn mit Beethoven verbinde, antwortete Lüpertz unserer Redaktion: "Das ist nicht unbedingt meine Musikwelt." Ihn beschäftigte vielmehr die Persönlichkeit Beethovens. Im Gegensatz zu Mozart, "dem alles in den Schoß fiel und der jugendlich starb, musste Beethoven über die ganze Distanz gehen", sagte er. Gerade das habe ihn an der Figur Beethoven gereizt.

Und hier kommt für den 72-jährigen Maler und Bildhauer Autobiografisches ins Spiel: "Ich bin zu alt für ein junges Genie und für ein altes Genie zu jung", sagte er. Für ein kleines plastisches Modell, einen Bozzetto, ließ er sich durch die berühmte Beethoven-Skulptur von Max Klinger inspirieren. "Klingers Beethoven ist unverschämt und wild", sagte Lüpertz, "genauso, in dieser Haltung und Nacktheit, habe ich den Bozzetto angelegt".

Bei der Großskulptur sei das anders, "hier fordert die Skulptur selbst ihr Recht". Daher zeige er ein Porträt mit der klassischen Beethoven-Mähne und lasse dahinter eine große Figur aufragen, "die Idee der Vollendung im Unvollendetsein". Beethoven, der am Ende seines Lebens taub war, sei "ein gebrochener Held, eine verletzte Figur". "Das Genie siegt über die Gebrechen", so interpretiert Lüpertz seine Bonner Skulptur.

Gerade im Kampf mit Unzulänglichkeiten beweise sich das Genie. Beethoven ist für Lüpertz auch ein "Gigant", der nach einer "dramatischen Interpretation" verlange. "Ich habe den Versuch gestartet, Beethoven mit einem intensiven Kunstwerk gerecht zu werden." Auf die Proteste angesprochen, die sein Mozart - ein Mann mit feistem Frauenkörper - in Salzburg auslöste, sagte Lüpertz: "Ich rechne in Bonn nicht mit Ablehnung, es ist nicht meine Absicht, zu provozieren."

Lüpertz? Beethoven trifft in Bonn auf Konkurrenz. Als Wahrzeichen der Stadt gilt das von Ernst Hähnel entworfene und von Jacob Daniel Burgschmiet ausgeführte Standbild auf dem Münsterplatz (1845). Zwei Dutzend Beethoven-Skulpturen gibt es in Bonn, die meisten Büsten stehen im Beethoven-Haus. Lüpertz ist im Bonner Stadtbild durch den nicht sehr gelungenen, pummeligen, steifhüftigen Bronze-"Mercurius" vor dem Post-Tower vertreten.

Die "Stiftung für Kunst und Kultur e.V." mit Sitz in Bonn engagiert sich seit 2002 gemeinsam mit der Salzburg Foundation im "Kunstprojekt Salzburg", für das mittlerweile Werke von zwölf Künstlern, neben Lüpertz und Tony Cragg auch Christian Boltanski, Stephan Balkenhol und James Turrell, in Salzburg platziert wurden. Das Salzburger Skulpturenprojekt ist Vorbild für eine ähnliche Initiative in Bonn. Der Verein beabsichtigt, weitere Künstler einzuladen, sich mit Werken im Stadtraum zu präsentieren. Im Mai soll Craggs Skulptur "Mean Average" auf dem Remigiusplatz enthüllt werden.

Was halten Sie von der Beethoven-Statue von Markus Lüpertz?