BTHVN 2020

Das erwartet Besucher beim Beethoven-Jubiläum in Bonn

Bonn. Bei den Feierlichkeiten zu Beethovens 250. Geburtstag im kommenden Jahr sind zahlreiche musikalische Höhepunkte geplant. Dazu zählen Konzerte mit dem London Symphony Orchestra unter Sir Simon Rattle.

In der Loggia des Stadthauses, wo die Beethoven-Jubiläumsgesellschaft ihre Büros hat, hängt eine Uhr, die Tage und Stunden rückwärts zählt. Am Dienstag zeigte sie die Zahl 652 an. So lange dauert es noch, bis zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens im Jahr 2020. In seiner Geburtstadt Bonn beginnen die Feierlichkeiten allerdings schon ein Jahr früher, am 16. Dezember 2019, mit einem Konzert des Beethoven Orchesters unter Leitung von Generalmusikdirektor Dirk Kaftan. Auf dem Programm wird unter anderem eine Collage stehen. Darin soll ergründet werden, welche Relevanz Beethoven und seine Musik heute noch haben können.

Erstellen wird das Pasticcio aus Werken Beethovens der britische Musikkritiker und -schriftsteller Paul Griffith, der schon beim Beethovenfest im vergangenen September mit seiner unter die Haut gehenden Konfrontation von Schauspielmusik zu Goethes „Egmont“ mit einer Geschichte aus den Ereignissen um den Völkermord in Ruanda gezeigt hatte, dass Beethovens Musik selbst heutigem Leiden Ausdruck und Stimme verleihen kann. Man wird also auf eine ebenso ernste, beziehungsreiche wie inspirierende Gegenüberstellung von Werken Beethovens hoffen dürfen.

Aber auch eine „Ikone der Popmusik“, deren Namen noch ein Geheimnis ist, und Beethovens Vertonung von Friedrich Schillers Ode „An die Freude“ aus der neunten Sinfonie werden an diesem Abend auf die folgenden zwölf Monate einstimmen, in denen Bonn das Zentrum der Jubiläumsfeierlichkeiten zu Beethovens 250 Geburtstag werden soll. Startschuss für die weltweite kulturtouristische Vermarktung des Jubiläumsjahres ist am Donnerstag auf der Internationalen Tourismusmesse ITB in Berlin, wo die Anbieter ihre Pakete schnüren können, die sie dann an interessierte Kunden weiterreichen. In Bonn hofft man auf viele, wie Oberbürgermeister Ashok Sridharan in der Loggia sagte.

Einen Überblick über die bereits jetzt kaum zu überschauende Ereignisfülle gab der Geschäftsführer der Jubiläumsgesellschaft, Christian Lorenz. „Beethoven im Ohr, Großes im Sinn“ lautete dabei der Leitfaden, der half, das Angebot zu strukturieren. Den machte er an den fünf Buchstaben des Logos BTHVN fest: „Die fünf Buchstaben sind die Fenster, die die Wahrnehmung auf die Vielfalt der Projekte lenken und sie thematisch bündeln“, sagte Lorenz. „Beethoven im Ohr, Welt im Sinn“ steht für den Bonner Weltbürger, „Beethoven im Ohr, Revolution im Sinn“ für den Tonkünstler, „Beethoven im Ohr, Freiheit im Sinn“ für den Humanisten, „Beethoven im Sinn, „Beethoven im Ohr, Zukunft im Sinn“ für den Visionär und schließlich „Beethoven im Ohr, Harmonie im Sinn“ für den Naturfreund.

Eine weiteres Strukturelement geht auf Kaftan und das Beethoven Orchester zurück, die das Jubiläumsjahr als eine große Sinfonie in vier Sätzen betrachten. Mit einem „Allegro“, das für Neues wagen steht, einem Grenzen sprengenden „Molto vivace“, einem Welten verbindenden „Adagio“ und einem „Presto“ für das furiose Finale.

Die großen Ausstellungen, wie die von der Bundeskunsthalle und dem Beethoven-Haus gemeinsamkonzipierte Ausstellung „Beethoven – Welt.Bürger.Musik“ in der Bundeskunsthalle, die am 16. Dezember 2019 eröffnet wird, wurden bereits im vergangenen Jahr vorgestellt. Am selben Tag wird, wie berichtet, auch das neugestaltete Beethoven-Haus wiedereröffnet. Außerdem kündigte Lorenz ein Lichtkunstprojekt an, das Beethovens Prometheus-Affinität beleuchten wird. Insgesamt würden zehn Arbeiten unterschiedlicher Künstler gezeigt. Viel verspricht man sich auch von dem Beethoven-Rundgang, der 22 authentische Stationen in Bonn und in der Region umfasst.

Die Eröffnungswoche gehe am 21. Dezember mit einem „Beethoven-Marathon“ zu Ende, kündigte Lorenz weiter an: „Als Nukleus die 9. Sinfonie mit dem Beethoven Orchester. Und darum herum eine ganze Fülle von Veranstaltungen in Bonn und in der Region, so ähnlich wie eine lange Theaternacht.“

Aber vor allem wird Bonn ein Mekka für die Musik Beethovens. Dass die Beethovenhalle dabei keine Rolle spielen würde, nimmt man hin. Sridharan: „Es steht ja schon seit längerer Zeit fest, dass die Beethovenhalle für das Jubiläumsjahr nicht zur Verfügung steht. Deswegen haben wir das Programm ohne die Beethovenhalle gestaltet und werden es auch ohne sie durchführen.“

Große Orchester kommen dennoch. Zum Beispiel das London Symphony Orchestra am 22. Februar 2020, das unter der Leitung von Sir Simon Rattle im Opernhaus spielen wird. „Das wird ein Highlight des Beethovenjahres“, verspricht Lorenz. Hinzu kommen zahlreiche Orchesterkonzerte der beiden Beethovenfeste im Frühjahr und im Herbst 2020, wo unter anderem das Bayreuther Festspielorchester mit Beethovens Neunter, das Pittsburgh Symphony Orchestra mit Anne-Sophie Mutter, das Kammerorchester Basel und das Ungarische Nationalorchester oder die Academia di Santa Cecilia unter Sir Antonio Pappano und mit Igor Levit als Solisten auftreten werden.

Die Hoffnung, dass auch die Berliner Philharmoniker den Weg nach Bonn finden würden, hat sich hingegen offenbar zerschlagen. Mit einem knappen „Nein“ beantwortete Lorenz die Frage nach einem Konzert der Philharmoniker. Immerhin werden Mitglieder des Orchesters in verschiedenen Kammermusikformationen am 1. November 2020 einen „Beethoven-Tag“ in der Bad Godesberger Redoute gestalten.

Das Beethovenjahr ist in Bonn vor allem auch ein Zusammenwirken der Institutionen, die ihre Programme in den kommenden Wochen und Monaten noch einmal gesondert vorstellen werden. Darüber hinaus plant die Jubiläumsgesellschaft in weiteren sogenannten „Presse Talks“ einzelne Programmschwerpunkte intensiver vorzustellen. Im Mai etwa wird es um den Musikfrachter gehen, der eine musikalische Flussfahrt auf Beethovens Reiseroute Bonn-Wien plant. Am Ziel wird, so Lorenz, das Beethoven Orchester, ein Konzert im Saal des Musikvereins geben.

Der ursprünglich geplante koordinierte Vorverkaufsstart für alle Veranstaltungen nach der ITB hat sich laut Lorenz wegen der vielen beteiligten Institutionen nicht realisieren lassen. Für die Eigenveranstaltungen der Gesellschaft beginnt der Vorverkauf am 1. Mai.