Arithmeum

Das Wunder der verschobenen Zahlen

Die Größe spielt keine Rolle: Arithmeum-Chefin Ina Prinz kann auch mit einem Riesen-Rechenschieber umgehen.

BONN. Eigentlich ist er unschlagbar; flach und handlich, unabhängig von Batterien, Solarzellen, Kabeln oder LAN. Dass die meisten heute bei seinem Anblick die Stirn runzeln, liegt vielmehr daran, dass die Generation Taschenrechner den Umgang mit dem Rechenschieber schlichtweg nicht mehr gewohnt ist.

Das war bis Mitte der 1980er Jahre noch ganz anders, und das aus heutiger Sicht seltsame, gegeneinander verschiebbare Lineal mit den rätselhaften Zahlenkolonnen durfte in keiner Schultasche fehlen. Auch nicht in der des späteren niederländischen Bauingenieurs Izebrand Schuitema.

Vor fünf Jahren hatte er seine in 40 Jahren zusammengetragene Sammlung mit mehr als 3000 Exponaten dem Arithmeum Bonn angeboten und bis kurz vor seinem Tod am 22. August 2013 noch bei der Vorbereitung der Ausstellung und der Herausgabe des Katalogs mitgewirkt. Durch seine Schenkung beherbergt das Haus nunmehr die größte Sammlung von Rechenschiebern in einem Museum.

Anlass genug, dies heute mit einem Tag der offenen Tür zu feiern. Von 11 bis 18 Uhr erwartet die Besucher dort ein Programm mit Vorträgen über den Sammler und die Geschichte des Rechenschiebers sowie praktischen Anwendungen.

Zur Einführung spielt ein Dudelsackensemble, nicht von ungefähr, denn John Napier - Entdecker der Logarithmen, mit deren Hilfe sich die Punktrechnung, (Multiplikation und Division) auf Strichrechnung (Addition und Subtraktion) reduzieren lässt - war Schotte. 1614 veröffentlichte der Mathematiker und Naturgelehrte die "Mirifici logarithmorum canonis descriptio" (Beschreibung des wunderbaren Kanons der Logarithmen).

Angewendet wurde das Verfahren von dem englischen Theologen und Mathematiker Edmund Gunter. Mit der nach ihm benannten Skala sowie einem Stechzirkel ließen sich Anfang des 17. Jahrhunderts die logarithmischen Strecken abgreifen, bevor sein Landsmann William Oughtred 1632 auf die Idee kam, zwei kongruente logarithmische Skalen gerade oder auch kreisförmig zu verwenden, womit Letzterer als der eigentliche Erfinder des Rechenschiebers gilt.

Seit seiner Erfindung hat der Rechenschieber Karriere gemacht. Er wurde im Laufe der Jahrhunderte mehr und mehr spezialisiert und auf diese Weise zum unentbehrlichen Begleiter beim Brückenbau, im Finanzamt und beim Zoll, im Cockpit und auf hoher See, in der Landwirtschaft und in der Tulpenzucht.

Das eindrucksvollste Modell - vor allem für längere Zahlenreihen und aufwendige Berechnungen - ist die Walze, das kleinste Stück unter Schuitemas Objekten die Rechenschieber-Krawattennadel. Um damit rechnen zu können, bräuchte es aber schon wieder ein anderes Instrument: und zwar eine Lupe!

Bis 30. April 2014. Öffentliche Führungen jeden Sonntag, 16.30 Uhr