Kammerspiele Bad Godesberg

Das Stück "Bonnopoly" hat am Samstag Premiere

Es wird lustig, verspricht Schauspielchefin Nicola Bramkamp: Das dokumentarische Stück „Bonnopoly“ hat am Samstag Premiere in den Kammerspielen Bad Godesberg.

Nicola Bramkamp will sich einmischen. Die Chefin des Bonner Schauspiels hatte schon vor ihrem Amtsantritt in der Spielzeit 2013/14 angekündigt, ihr Theater werde in die Stadt hineinwirken: „Stadttheater macht man für die Stadt.“ Bramkamp hat geliefert.

Bestes Beispiel: die Produktion „Nathan der Weise“ aus dem Jahr 2016. Sie verband auf produktive Weise Lessings Theatertext aus dem 18. Jahrhundert mit der Gegenwart. Es war eine herausfordernde theatrale Reflexion über fanatischen Islamismus, ausländerfeindliche Ressentiments und Antisemitismus in Bad Godesberg.

Regisseur des Abends war Volker Lösch, der zuvor schon die „Waffenschweine“ in den Kammerspielen losgelassen hatte. Jetzt tritt er an, einen der größten kommunalpolitischen Skandale der Republik auf der Bühne zu spiegeln. „Bonnopoly“ heißt das Stück über das World Conference Center Bonn (WCCB). Am Samstag ist Premiere in den Kammerspielen. Der Stadtrat wird prominent im Publikum vertreten sein, verriet die Schauspielchefin.

Gemeinsam mit dem Autor Ulf Schmidt sowie den Dramaturgen Elisa Hempel und Leonard Merkes untersucht Bramkamp in „Bonnopoly“ einen Trend in der Kommunalpolitik, für den das WCCB exemplarisch stehe: den „Ausverkauf der Städte“. Das zeigten auch Projekte wie Elbphilharmonie, Stuttgart 21 und der Flughafen Berlin Brandenburg (BER).

Themen: Wohnungsbau und kommunale Strukturen

Das Spannungsverhältnis zwischen Demokratie und Ökonomie liegt den Theatermachern am Herzen. Was hat Priorität – die am Gemeinwohl orientierte Stadt oder die Stadt als Unternehmer? Aus diesem Grund kommen auch die Themen Wohnungsbau und kommunale Strukturen auf die Bühne. Ein Chor auf der Bühne wird sozusagen als Volkes Stimme die Frage aufwerfen: Wie wollen wir leben?

Textautor Ulf Schmidt hat sich durch ein paar Tausend Seiten gearbeitet, die zum „bestdokumentierten Skandal“ des Landes öffentlich zugänglich sind. Schmidt ist WCCB-Experte geworden. Der General-Anzeiger, der die Vorgänge in seiner Serie „Millionenfalle“ dokumentiert hat, war für ihn eine wichtige Quelle. Daneben hat das „Bonnopoly“-Team weitere Quellen ausgewertet – zum Beispiel den Bericht des Rechnungsprüfungsamtes – und eine Reihe von vertraulichen Gesprächen mit politischen und juristischen Akteuren sowie direkt Beteiligten geführt.

Das klingt jetzt alles sehr ernst. Im Kern soll „Bonnopoly“ aber eine Komödie sein. „Es gibt viel zu lachen“, kündigte Nicola Bramkamp im Gespräch an. „Die Fakten sind komödiantisch“, fügte sie hinzu, man denke nur an den Namen Hyundai. Die mit dem Investor Man-Ki Kim verbundene Firma SMI Hyundai Corporation verwechselten viele in Bonn mit dem finanzstarken südkoreanischen Konzern Hyundai Motor Company.

Die Inszenierung will niemanden vorführen

Bei aller Komik wird der rund dreistündige Abend in den Kammerspielen kein königlich-bönnsches Amtsgericht, versprach Ulf Schmidt. Und auch keine Variation von Kleists „Zerbrochnem Krug“ , wo am Ende der (oder die) Schuldige wie Dorfrichter Adam entlarvt und schuldig gesprochen wird. Von politischer Verantwortung wird aber sehr wohl die Rede sein.

Die Inszenierung will niemanden vorführen, an einer Skandalisierung ist dem Theater nicht gelegen. Man sei in der Recherche seriös vorgegangen, bekräftigten Bramkamp und Schmidt. Das Theater werde sich als Ort behaupten, „wo eine Stadt sich selbst reflektiert“ (Bramkamp) und Aufklärungsarbeit leistet. Dazu passt eine Zusammenarbeit mit dem General-Anzeiger. Die Zeitung hat eine Informationsbroschüre zum WCCB-Komplex erarbeitet, die als Ergänzung zum Programmheft im Theater zu erwerben ist.

Ulf Schmidt ist sich der Komplexität des Themas sehr wohl bewusst. Man könnte das Ganze wie den Ring des Nibelungen als Mehrteiler ausbreiten – oder gleich als Fernsehserie in zwölf Episoden einrichten, gab er zu bedenken. Doch Theater funktioniert nun einmal anders. „Bonnopoly“ wird keine wagneropernhaften Dimensionen annehmen. Das ist eine gute Nachricht fürs Publikum, auch wenn Ulf Schmidt mit selbstironischem Ton ein Bühnenbonmot aufrief: „Alles, was unter drei Stunden ist, ist ein Sketch.“

Premiere am Samstag, 9. September, 19.30 Uhr, in den Kammerspielen Bad Godesberg. Die Vorstellung ist ausverkauft.