Das Haus der Geschichte ist in Bewegung

Präsident des Hauses spricht über Umbau, Berlin und den Sport

Bonn. Das Jahr 2009 war für das Haus der Geschichte schon rekordverdächtig - mit den unzähligen Terminen vom Tag der Demokratie bis zum Mauerfalljubiläum, vom Run auf den Kanzlerbungalow bis zu einer Reihe publikumsträchtiger Ausstellungen wie "Bilder im Kopf" oder "Loriot".

"Ein tolles, ein verrücktes Jahr", sagt Hans Walter Hütter, der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte. Und 2010 geht es sportlich weiter, zumindest, was die Themen angeht. So wird sich eine der beiden großen Ausstellungen des Jahres dem Sport in West und Ost (ab Mitte Mai) widmen.

Derzeit ist "Wir gegen uns - Sport im geteilten Deutschland" im Leipziger Zeitgeschichtlichen Forum der Stiftung Haus der Geschichte zu sehen .

Zur Person Der Historiker Hans Walter Hütter, 1954 in Rheydt geboren, ist seit 2007 Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Nach einem Lehramtsstudium der Geschichte, klassischen Philologie und Pädagogik in Düsseldorf wurde er 1984 promoviert. Seit 1986 ist er dem Haus der Geschichte eng verbunden. (t.k.)

Doch auch in anderer Hinsicht bleibt das Haus in Bewegung. In diesem Jahr wird die bereits seit geraumer Zeit vorbereitete Neuordnung der Dauerausstellung umgesetzt, "das ist unsere Hauptaufgabe".

Nach dem 3. Oktober und den Veranstaltungen zum Jubiläum der Deutschen Einheit soll zunächst der letzte Teil der Ausstellung, die oberste Ebene, geschlossen und überarbeitet werden. Dem Publikum werden in dieser Zeit Sonderführungen etwa "hinter die Kulissen" angeboten.

Ab Mitte Januar 2011 schließen die Abteilungen der 50er, 60er Jahre. Ziel ist eine Eröffnung der neugeordneten Sammlung am Verfassungstag, 23. Mai 2011. "Wir werden rund 60 Prozent der Ausstellung komplett erneuern", sagt Hütter.

Insbesondere die Spanne 1949 bis 1963, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis kurz nach dem Mauerbau, wird völlig überarbeitet. Bislang besetzt diese Zeit etwa doppelt so viel Platz wie die Zeit nach dem Mauerfall bis in die unmittelbare Gegenwart.

An diesem Verhältnis wird sich allerdings erst nach 2011, wenn das Haus der Geschichte in einem weiteren Schritt mit einem Vorlauf von rund fünf Jahren den Totalumbau angeht, etwas ändern.

Vorerst soll insbesondere die Zeit nach dem Mauerfall im neuen Licht erscheinen. Das gilt auch für einzelne Themen der 60er Jahre, etwa Jugendkultur und Musik. Neu wird ebenfalls eine "biografische Perspektive" (Hütter) mit Zeitzeugeninterviews zu Schlüsselereignissen der deutschen Geschichte sein, die sich durch die gesamte Ausstellung zieht, "außerdem wollen wir stärkere visuelle Eindrücke bieten."

Die "biografische Perspektive" mittels Flachbildschirmen in der Ausstellung wird bereits in der laufenden Schau "Hauptsache Arbeit" ausprobiert.

"Die Internationale Einbindung Deutschlands soll deutlicher werden", sagt Hütter zur inhaltlichen Ausrichtung, "Stichwort Kalter Krieg, Berlin als Nahtstelle zwischen den politischen Blöcken." Auch der Bereich der U-Bahngalerie wird sich verändern.

Dort und im Umfeld des Kanzlerwaggons im Untergeschoss soll eine eigene Ausstellung mit starkem Bonn-Bezug entstehen, Thema: "Bonn-Bundeshauptstadt-Bundesstadt als Spiegel der deutschen Geschichte", gewissermaßen eine Achse von Haus der Geschichte zum WCCB.

Die Geschichte der Stadt Bonn und ihre Rolle im Bund wurde im Haus der Geschichte bislang nur knapp angedeutet, das soll sich nun ändern. Überarbeitet wird auch die archäologische Zone im Untergeschoss des Hauses: Funde aus der Baugrube des WCCB aus dem ehemals römischen Zentrum Bonns, sollen dort mit neuen Forschungen präsentiert werden.

Nach der großen Sportschau, die von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet wird, soll es im November mit "Spaß beiseite - Humor und Politik in Deutschland" und Schlaglichtern auf Karikatur, Witz und Kabarett weitergehen.

Der politische Witz ist ein Gradmesser der jeweils herrschenden Freiheit und ein Indiz für den Wertewandel. So gesehen verspricht die Gegenüberstellung der unterschiedlichen Polit- und Humorlandschaften in West und Ost sehr aufschlussreich zu werden. "Es wird eine ernste Ausstellung, in der aber auch gelacht werden darf", sagt Hütter.

Gefolgt wird diese Ausstellung Mitte 2011 mit einer Übersicht über die Jugendkultur in Deutschland seit dem zweiten Weltkrieg, eine Untersuchung unter anderem über den Wandel von Mentalität, Sprache und Lebensstil.

Im Foyer des Hauses der Geschichte wird auf die sehr beliebte Loriot-Hommage zunächst die traditionelle "Rückblende" mit prämierten Pressefotos und Karikaturen folgen, bevor es Ende des Jahres unter dem Titel "Mord und Totschlag" spannend wird.

Hütter verspricht eine Kriminalgeschichte von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Und blickt entspannt auf 2011 - ein Jahr fast ohne Gedenktagsrummel.

Starkes Engagement in Berlin:

Tränenpalast und Kulturbrauerei

Spannend wird es für die Stiftung Haus der Geschichte auch auf dem Berliner Parkett. "Gerade haben wir den Schlüssel für den Tränenpalast übernommen und haben einen Mietvertrag für 20 Jahre", sagt Hans Walter Hütter, "jetzt läuft die Zeit". Damit öffnet sich für das Haus der Geschichte ein neues Kapitel: Im Tränenpalast, der ehemaligen Ausreisehalle der Grenzübergangsstelle im Bahnhof Friedrichstraße, will die Stiftung im Spätsommer 2011 eine Dokumentationsstätte über die Teilung im Alltag der Deutschen und das Jahr der Wiedervereinigung vom 9. November 1989 bis zum 3. Oktober 1990 eröffnen. Im Herbst 2012 folgt die Dauerausstellung über Alltag und Kultur in der DDR in der Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg . "Wir erwarten ein ganz anderes Zielpublikum, es ist ein ganz anderer Ort", sagt Hütter, der das Projekt auch als kreative Herausforderung sieht. "Und 2013 werden wir ein komplettes Betriebsjahr an allen drei Standorten haben - Bonn, Leipzig und Berlin." (t.k.)