Im Kleinen Theater

"Das Bildnis des Dorian Gray" - Zu schön, um gut zu sein

Dorian Gray und sein pointenreicher Freund Lord Henry: Luka Dimic (links) und Matthias Kiel.

BONN. In einer der schönsten Szenen des Abends parodiert das Theater das Theaterpublikum. Luka Dimic (Dorian Gray), Leo Braune (Basil Hallward) und Matthias Kiel (Henry Wotton) tun so, als säßen sie in einem kleinen, schäbigen Theater und erlebten als Zuschauer Shakespeares "Romeo und Julia".

Der eine schaut schon gleich zu Beginn auf die Uhr, der andere wickelt einen Bonbon aus seiner knisternden Hülle, Langeweile zeichnet die Gesichter. Vertraute Bilder. Ganz anders im Parkett des Kleinen Theaters in Bad Godesberg. Dort wurde Stephanie Jänschs Inszenierung von John von Düffels Oscar-Wilde-Adaption "Das Bildnis des Dorian Gray" mit gespannter Aufmerksamkeit und Entzücken aufgenommen.

Auf Thomas Hoffmanns Bühne entfaltet sich das Drama Dorian Grays. Die Eitelkeit gibt ihm den Wunsch ein, für immer jung und schön zu bleiben. Altern solle stattdessen das Porträt, das der Maler Basil Hallward von ihm geschaffen hat. Gray, beeinflusst vom geist- und pointenreichen, Hedonismus predigenden Lord Henry Wotton, kostet seine Existenz aus, genießt jede Sünde, jede Sensation.

Auf diesem Weg korrumpiert und vernichtet er Menschen und nimmt irreparablen Schaden an seiner Seele. Der Sünder muss am Ende für seine Ausschweifungen büßen, Wildes Roman besitzt einen zutiefst moralischen Kern. Regisseurin Stephanie Jänsch bietet dem Publikum Pointen und Tiefgang, funkelnde Dialoge und ein Gleichnis. Luka Dimic als Dorian hat die Schönheit, um zu verführen, und die Grausamkeit, um zu zerstören: ein gefährlicher Narziss.

Matthias Kiel gibt den Henry als selbstverliebten Poseur: Seine Bonmots lässt er nicht beiläufig fallen wie wertvolle kleine Münzen, er spricht sie meist mit Ausrufezeichen. Henrys Worte wirken auf Dorian Gray wie eine verführerische Droge. Leo Braune als Basil ist leidende und liebende Menschlichkeit, Nicola Thomas als Henrys Frau ein Vamp mit Esprit.

Anna Tarkhanova (Sibyl) veranschaulicht, wie unbedingtes Gefühl blind und verletzlich macht; Sibyl verkennt, dass Dorian sie nur als idealisierte Kunstfigur - Shakespeares Julia - liebt. Nikolas Knauf als Sibyls hochemotionaler Bruder Jim entwickelt einen furiosen Rachedurst.

Das Publikum war aktiver Partner der Bühnenfiguren. Das mit dem alternden Bildnis sei keine gute Idee gewesen, sagte Luka Dimic an die Zuschauer gewandt. Allerdings, fügte er hinzu, wer könne schon der Verheißung ewiger Jugend und Schönheit widerstehen: "Freiwillige vor."

Bis 25. Oktober im Kleinen Theater. Karten gibt es telefonisch unter der Rufnummer 0228/362839.