Beethoven Orchester in Bonn

Christof Prick: Chefdirigent für eine Saison

Alte Bekannte: Christof Prick im Januar 2012 als Gastdirigent des Beethoven Orchesters in der Beethovenhalle. FOTO: THILO BEU

Alte Bekannte: Christof Prick im Januar 2012 als Gastdirigent des Beethoven Orchesters in der Beethovenhalle.

BONN. Nach dem missglückten ersten Anlauf, die Nachfolge für Bonns scheidenden Generalmusikdirektor Stefan Blunier zu regeln, hat die Stadt Bonn nun wie angekündigt für die Saison 2016/2017 einen Chefdirigenten als Interim verpflichtet.

Am Mittwoch unterschrieb Christof Prick einen Einjahresvertrag, wie der Sprecher des Beethoven Orchesters Markus Reifenberg mitteilte. Prick habe bereits mit der Planung der Saison begonnen, hieß es. Blunier hatte aus Protest gegen geplante Sparmaßnahmen seinen Vertrag nicht verlängert. Er verlässt das Orchester zum Ende der Saison 2015/2016.

Laut Kulturdezernent Martin Schumacher war eine Interimslösung notwendig geworden, um die Planung für die nächste Saison sicherzustellen. Das hatte er Anfang Juni in einer Sondersitzung des Kulturausschusses gesagt. Nach der Sommerpause solle danach die Suche nach einem Blunier-Nachfolger wieder aufgenommen werden.

Der 1946 in Hamburg geborene Christof Prick ist in der Beethovenstadt kein Unbekannter. Zuletzt dirigierte er beim Karfreitagskonzert des Beethoven Orchesters Arthur Honeggers Sinfonie Nr. 3 sowie das Deutsche Requiem von Johannes Brahms.

1974 wurde er als Deutschlands damals jüngster Generalmusikdirektor an das Saarländische Staatstheater Saarbrücken berufen. Danach folgte eine lange und für ihn prägende Zeit in Karlsruhe, wo er 1977 bis 1986 am Badischen Staatstheater engagiert war. Weitere wichtige Karrierestationen waren die Staatsoper Hannover in den 90er Jahren und das Staatstheater und die Bayrische Staatsphilharmonie in Nürnberg, die er bis 2011 leitete.

Als großes Glück habe er es immer empfunden, dass er über 15 Jahre lang die Möglichkeit gehabt habe, jährlich eine Oper an der Dresdner Semperoper neu einstudieren, sagte Prick einmal. Auch die Zeit als Music Director des Los Angeles Chamber Orchestra war prägend für ihn.

Mit dem in Bonn ansässigen Bundesjugendorchester verbindet den Dirigenten eine enge Beziehung: Für einen langen Zeitraum leitete Christof Prick Arbeitsphasen, Konzerte und Reisen des deutschen jungen Spitzenorchesters.

Prick, der an der Hamburger Musikhochschule Dirigieren lehrt, übernimmt keine leichte Aufgabe. In der Ära Blunier erzielt das Beethoven Orchester seit Jahren Auslastungszahlen von über 90 Prozent. Prick muss starke eigene künstlerische Akzente setzen und eine kluge Programmgestaltung vornehmen, um diese Nachfrage auch in der Interimssaison konstant zu halten.

Problematisch wird die Saison mit Blick auf die bevorstehende Sanierung der Beethovenhalle ab Herbst 2016. Bereits beschlossene Sache ist, dass die Proben des Orchesters für die Dauer der Maßnahmen im Beueler Brückenforum stattfinden sollen.