"Waffenschweine" in den Kammerspielen

Burschenschaftler bevölkern die Bühne

Nassforsch: "Waffenschweine" in den Kammerspielen. FOTO: THILO BEU

Nassforsch: "Waffenschweine" in den Kammerspielen.

Bad Godesberg. Die Produktion "Waffenschweine" ist am 21. November wieder in den Kammerspielen Bad Godesberg zu sehen.

Verbindungen zwischen Burschenschaften und rechtsradikaler Szene? Immer wieder sorgen entsprechende Berichte für Aufsehen. Erst vor kurzem wurden im NSU-Abschlussbericht zehn Unterstützer der Terrorgruppe namentlich genannt, drei von ihnen sind oder waren in einer rechten studentischen Verbindung. "Das zeigt einmal mehr, wie sehr Neonazis seit den 90er Jahren versuchen, sich zu akademisieren", sagt Adrian Jager.

Der 30-Jährige ist seit September vergangenen Jahres als Dramaturgieassistent am Theater Bonn tätig und hat sich im Rahmen des Stücks "Waffenschweine", das im Mai seine Premiere feierte, intensiv mit Burschenschaften auseinandergesetzt. Die Diskussion um den NSU-Intimus Mario Brehme nimmt er nun zum Anlass, erneut auf die Aktualität des Stücks hinzuweisen. Gerade in der Bundesstadt. "Hier in Bonn gibt es um die 50 schlagende Verbindungen", erklärt er. Darunter die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks, die 2011 in die Schlagzeilen geriet.

Allerdings muss Jager schnell seine Aussage revidieren. Denn schließlich wäre es verfehlt, aufgrund des Vorgehens einzelner alle Burschenschaften unter Generalverdacht zu stellen. "Das politische Spektrum innerhalb der Verbindungsszene ist groß", gesteht er ein. Und natürlich sind Burschenschaften nur eine Art von studentischen Verbindungen, zwar eher im konservativen Lager verortet, aber deswegen nicht direkt rechts.

Dennoch geht Jager davon aus, dass die Behörden die Gefahr unterschätzen, die von manchen schwarzen Schafen ausgeht. Auf der anderen Seite bemüht sich nicht zuletzt die Produktion "Waffenschweine", ein differenziertes Bild zu zeichnen, und auch den liberal eingestellten Burschenschaften Rechnung zu tragen.

"Bislang waren bei jeder Vorstellung einige farbentragende Studenten anwesend, die uns hinterher dafür gelobt haben", sagt Jager. Mit Pauschalisierungen kommt man schließlich nicht weiter. Weder im Theater noch im richtigen Leben.

Infos

Die nächsten Vorstellungen von "Waffenschweine" in den Kammerspielen Bad Godesberg: 21. November und 12. Dezember. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.