Kunstmuseum

Bundestagspräsident Lammert sprach beim kulturpolitischen Aschermittwoch

Kulturkreis-Gruppenbild mit Bundestagspräsident: (von links) Ulrich Schlottmann, Marlies Schmidtmann, Norbert Lammert, Stephan Berg, Erika Coché, Elisabeth Einecke-Klövekorn, Marcus Schinkel und Stephan Eisel.

05.03.2014 BONN. Norbert Lammert kommt gern nach Bonn. Der Bundestagspräsident hat viele Jahre seiner Politikerkarriere in der Stadt verbracht. Er konnte der Einladung des Kulturkreises Bonn nicht widerstehen, als Festredner beim kulturpolitischen Aschermittwoch aufzutreten.

Lammert gab der "unwiderstehlichen Versuchung" gern nach. Das war ein großes Glück für die Veranstalter, die mehr als 50 Kulturfördervereine mit rund 25.000 Mitgliedern vertreten - von der Alexander-Koenig-Gesellschaft bis zum Verein Schumannhaus.

Lammert, der zum Thema "Kunst und Kultur - zwischen Konsens und Konflikt" sprach, brachte rhetorischen Glanz und politisches Temperament ins Kunstmuseum. Und einen dringlichen Hinweis ans Bonner Publikum. Der Bund betrachte Beethoven als "nationale Herausforderung" und unterstütze nach wie vor den Bau eines Festspielhauses.

Aber an der nationalen Herausforderung müsse auch die Stadt Bonn sich substanziell beteiligen. Eigeninitiative ist gefragt, die Stadt ist gefordert, signalisierte der Gast aus Berlin. Damit sprach er seinem Vorredner aus dem Herzen. Stephan Eisel, Vorsitzender der Bürger für Beethoven, belegte mit herbeizitierter Unterstützung von Mark Twain, Immanuel Kant und Karl Kraus die Bedeutung von Kultur.

Er beklagte die kulturpolitische Debatte in Bonn, ein "Klima emotionaler Polarisierung" und das "einseitige Kultur-Bashing". Manchmal, so Eisel, entstehe der Eindruck, als sei nur in der Kultur Sparpotenzial in der hoch verschuldeten Stadt. Eisel zieht eine Festspielhaus-Stadt Bonn einer Fahrrad-Hauptstadt vor. Norbert Lammert nahm die Bedeutung der Kultur in seinem Vortrag auf und spitzte das Thema mit Witz, Geist, Biss, Pathos und Pointen zu.

Die Kultur - nicht die Wirtschaft und noch nicht einmal die Politik - sei, was die Gesellschaft "im Innersten zusammenhält". Der Bundestagspräsident betrachtete Kulturförderung aus historischer, ökonomischer und politischer Perspektive. Er unterstützt das Prinzip öffentlicher Zuwendungen.

Es gelte, dieses über die Jahrhunderte gewachsene System "mit Klauen und Zähnen zu verteidigen". Aber: "Öffentliche Ausgaben müssen sich immer rechtfertigen." Kultur sei auch ein Wirtschaftsfaktor, könne aber andererseits nicht dazu beitragen, kommunale Haushalte zu sanieren; das sei eine Illusion.

Auseinandersetzungen erscheinen Lammert in diesem Zusammenhang als erwünscht. Konflikte, zum Beispiel zwischen Kultur und Politik, betrachtet er als nötig und produktiv: Treibmittel des demokratischen Prozesses. Einer wie er spielt in diesem spannungsvollen Dialog gewiss eine herausragende Rolle. "Unser Bonner Pianist Marcus Schinkel" (Eisel) war der Musiker des Abends. Auch er stellte sich mit eigenen Beethoven-Bearbeitungen in den Dienst des großen Klangkünstlers. Der wäre heute "vielleicht ein Jazz-Improvisator", mutmaßte Schinkel. (Dietmar Kanthak)