Bundeskunsthalle zeigt die besten Kunststudenten der Republik

BONN. Alle zwei Jahre verwandelt sich die Bundeskunsthalle in ein pulsierendes, blubberndes Kunstlabor, wird das Experiment nicht nur im Keller im Echoraum, sondern auf dem Präsentierteller riskiert. Napoleon ist Geschichte, die grandiose Schau abgeräumt, dafür ist ganz junge Kunst eingezogen.

Die große Halle verwandelt sich in ein wildes, wucherndes und lärmendes Provisorium, die Stimmung erinnert an einen Abenteuerspielplatz, treffender: Man fühlt sich wie auf einem Akademierundgang.

Die Kunsthochschulen und Akademien der Bundesrepublik haben ihre besten Studenten an den Start und nach Bonn geschickt, zumindest sind es laut der Jury des Wettbewerbs "Kunststudenten stellen aus" - Yilmaz Dziewior (Kunsthaus Bregenz), Barbara Engelbach (Museum Ludwig Köln) und Julia Voss (FAZ) - Deutschlands beste.

Der Besucher trifft auf ein facettenreiches, schillerndes, bisweilen chaotisch anmutendes Feld von 50 Künstlern aus Hochschulen von Berlin und Bremen bis Stuttgart und Weimar. Ein glänzender Überblick. Ganz stark präsentiert sich die Malerei: Wolfgang Zandt glänzt mit überbordenden, sehr bunten Fantasywelten wie "Heavy Metal" und "Rauschendes Glimmen", Jaime Gajardo zeigt, wie Landschaftsmalerei im 21. Jahrhundert aussehen kann.

Opulenz und Pathos, Perfektion und Tüftelei, minimalistische Aktion und große Geste, feine Ironie und abgeklärter Ernst: Die Bandbreite ist enorm. Lena Hankes Stehtisch-Kreationen, die kostbaren Tierchen von Nadja Buttendorf und Christine Mehls Kreaturen zeigen ungeahnte Spielarten der Bildhauerei. Video und Installation sind exzellent vertreten. Neue Aspekte auch in der Fotografie: Francisca Gómez verblüfft mit ungewöhnlichen Perspektiven und Bildausschnitten sowie einem Gespür für Oberflächenstrukturen.

Fünf Künstler wurden von der Jury ausgezeichnet. Den ersten Preis (10 000 Euro) bekam Annika Kahrs (HBK Hamburg) für ihr witzig-hintergründiges Video "Strings", bei dem Beethovens Quartett für Streicher, Opus 18, Nr. 4, virtuos verwirbelt wird. Michele Di Menna von der Frankfurter Städelschule erhielt für eine Videoarbeit und eine Collage einen der beiden mit 5 000 Euro dotierten Förderpreise.

Der andere ging an Konrad Mühe von der Universität der Künste Berlin. "Fragen an meinen Vater" hat er seine berührende Filmcollage über den 2007 gestorbenen Filmstar Ulrich Mühe überschrieben. Förderstipendien für einen Aufenthalt im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf in Brandenburg gehen an Michael Roggon (Kunstakademie Nürnberg) für seine skurrilen Installationen und Versuchsanordnungen sowie an Arne Schmitt (HGB Leipzig) für seine Fotoserie "Das Gedächtnis der Stadt".

Einen Sonderpreis hätte Klaus Beckmann (HBK Dresden) für sein Bestiarium verdient, das durch hydraulische Hilfe anscheinend unvermittelt zum Leben erwacht. Insgesamt eine sehr lebendige Schau von jungen Talenten, von denen man viele sicherlich wiedersehen wird.

Bundeskunsthalle, Friedrich-Ebert-Allee 4; bis 19. Juni. Katalog acht Euro