Bundeskunsthalle räumt auf

Neu strukturiert, einladend, mit einem eleganten, zeitgemäßen, funktionalen Erscheinungsbild - so soll das Foyer ab 2011 die Kunstfreunde empfangen. Die Bundeskunsthalle hat einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, der eine erstaunliche Resonanz hervorrief.

Bonn. Er war sichtlich gerührt, als er im vergangenen Herbst 20 Jahre nach der Grundsteinlegung "seiner" Bundeskunsthalle durch die Räume schlenderte: "Ist doch alles in einem wunderbaren Zustand", freute sich der österreichische Architekt Gustav Peichl. Im GA-Interview räumte der 82-Jährige gleichwohl ein: "Es gibt einige funktionelle und gestalterische Details, die ich heute anders machen würde."

Das Foyer der Bundeskunsthaller gehörte in seinen Augen nicht dazu. Er hat es ja auch nicht zu verantworten, dass es so wirkt, wie es heute wirkt: wie ein ungeschickt möbliertes Wohnzimmer, in dem sich im Laufe der Jahre allerlei angesammelt hat.

"Da passte stilistisch nichts zusammen", sagt Bernhard Spies, der kaufmännische Geschäftsführer der Bundeskunsthalle, mit Blick auf Café, Kassen-Komplex und Art-Shop. Keine Schließfächer für Handtaschen, eine durch den Art-Shop blockierte Tür zur großen Halle, ein japanischer Paravent für dreckiges Geschirr am Rande des Foyers: Die Mängelliste ist lang. Und wird jetzt abgearbeitet.

Neu strukturiert, einladend, mit einem eleganten, zeitgemäßen, funktionalen Erscheinungsbild - so soll das Foyer ab 2011 die Kunstfreunde empfangen. Die Bundeskunsthalle hat einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, der eine erstaunliche Resonanz hervorrief: 20 Architekturbüros aus ganz Deutschland reichten Vorschläge ein, Spies wertet dieses breite Echo als "positives Zeichen" für das Renommee des Hauses.

Die ganze Bandbreite der Möglichkeiten, vom Boutique-artigen Ambiente bis zum kühl durchkomponierten, streng funktionalen Empfangssaal, von der Erlebnis- bis zur reinen Zweckarchitektur kann derzeit in der Bundeskunsthalle bewundert werden.

Sämtliche Entwürfe sind dort zu sehen, eine Ausstellung der besonderen Art: Mitarbeiter des Hauses und Besucher werden gebeten, ihre Meinung zu den Entwürfen zu äußern. Diese Beteiligung ist Spies sehr wichtig.

In der engeren Diskussion stehen insgesamt vier Entwürfe, die eine Jury aus Vertretern der Architektenkammer, der Bundeskunsthalle und des Amtes des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien überzeugten. Der erste Preis ging an die Berliner "AFF architekten": Alles konzentriert sich bei ihnen auf einen riegelartigen Einbau an der Stirnseite, der sämtliche Funktionen bündelt.

Der Einbau verfügt über eine Art Empore, auf der die Garderobe untergebracht ist. Die Bündelung würde eine große Fläche für Veranstaltungen freimachen, der Art-Shop hätte seinen Platz in der heutigen Garderobe.

Der zweite Preis ging an das Düsseldorfer Büro "HPP Hentrich-Petschnigg & Partner" für eine radikale, sehr interessante Lösung, die Peichls Halle nahezu unberührt lässt, alle Zutaten entrümpelt. Der Besucher trifft im Foyer allein auf Kasse und Info-Schalter, Garderoben und Café sind erst auf den zweiten Blick sichtbar.

Auch der von "Msm meyer schmitz-morkramer" aus Köln (4. Rang) präsentierte Plan respektiert Peichls Raum, siedelt die Funktionen gegenüber des geschwungenen Eingangs an. Die Jury bemängelte Probleme bei Gestaltung und Funktionalität. "Wetzel Architektur" aus Stuttgart (3. Platz) bringen schließlich eine bandartige, zweigeschossig eingebaute Raumzone in die Diskussion.

Keiner der Entwürfe sei hundertprozentig umsetzbar, sagt Spies, "es muss noch geredet werden". Auch über die Kosten. Im Dezember soll das Kuratorium des Bundeskunsthalle Grünes Licht geben, 2011 wird dann gebaut, hofft Spies. Peichl hat übrigens zu den Entwürfen seinen Segen gegeben: Intendant Robert Fleck besuchte ihn in Wien, zeigte die Pläne. Damit könne er leben, zitiert Spies Peichl. Die Ausstellung ist bis zum 3. Oktober geöffnet.