Buchautor Siegfried Pater erhält José-Lutzenberger-Preis

Recherchereisen zu Themen wie Organhandel führen Journalisten kreuz und quer über den Globus - Engagement hat dem Kessenicher Lokalverbot bei McDonald's beschert

Bonn. Mitten in der Nacht brennt kein Licht mehr in den Häusern des Bonner Talwegs, bis auf Nummer 317. In seinem hell erleuchteten Arbeitszimmer schiebt Buchautor Siegfried Pater handbeschriebene Papierbögen, irgendein neues Kapitel, über seinen Schreibtisch und den blauen Teppichboden.

Telefonklingeln unterbricht seine Arbeitswut. Am anderen Ende der Leitung ergießt sein brasilianischer Freund José Lutzenberger einen Wortschwall in den Hörer: Der Präsident wolle ihn - den unbequemen Ökologen - als Umweltminister ins Kabinett berufen.

Der Anruf ist 17 Jahre her, Lutzenberger längst tot. Nun wurde sein alter Weggefährte Siegfried Pater (heute 62) mit dem José-Lutzenberger-Preis ausgezeichnet, der Menschen mit Zivilcourage honoriert.

Der Kessenicher Autor beschäftigt sich seit vielen Jahren mit sozialen und ökonomischen Themen, eigentlich seitdem er als Entwicklungshelfer im brasilianischen Regenwald gelebt hat.

Paters Bücherregale, wo Einmachgläser als Buchstützen dienen, bergen Souvenirs aus dieser Zeit wie die in Formaldehydlösung eingeringelte, eingeweckte Korallenschlange.

Während die schwarz-rot-gelben Farbbänder des fingerdicken Reptils in der Chemikalie ausgebleicht sind, sind Paters Erinnerungen umso lebendiger. Zum Schreiben kam er Anfang der 70er Jahre durch Günter Grass.

Als der bekannte Schriftsteller für ein Dritte-Welt-Lesebuch nach Co-Autoren suchte, meldete er sich sofort. Seitdem hat der Kessenicher mit der Prinz-Eisenherz-Frisur als freier Journalist für Magazine und Fernsehsender gearbeitet, 40 Bücher beispielsweise über Fairen Handel und Menschen ohne Papiere verfasst.

Eine Leprastation in Nepal steht im Zentrum seines aktuellen Kinderbuchs. Reisen kreuz und quer über den Globus gehören zu seinem Arbeitsalltag: Für Recherchen zum Organhandel fliegt er in den 90ern nach Rio de Janeiro. Gibt in lokalen Zeitungen Inserate auf, sucht nach Nieren für angeblich erkrankte Verwandte und muss nicht lange auf Antworten warten.

Unter dem Zuckerhut, im Schatten der an die Hügelhänge geklatschten Steinkuben und durcheinandergewürfelten Papphütten der Favelas trifft er sich mit 13 möglichen Spenderinnen: Allesamt von ihren Männern verlassene, bettelarme Frauen, "die in ihrer Not eher ihre Nieren oder die Hornhaut des Auges verkaufen wollen als ihren Körper in der Prostitution. Wir dürfen diese Armut nicht ausnutzen", sagt Pater.

In Talkrunden wettert der Kessenicher gegen den weltweiten Organhandel, bevor der Bundestag im Sommer 1997 das Transplantationsgesetz verabschiedet, das die Praxis von Organspenden zumindest in Deutschland regeln soll.

"Nach Brasilien darf ich seit diesen Berichten nicht mehr. Bei meinem letzten Besuch in Salvador haben mich vier Jungs im Hotelzimmer mit einer Spritze bedroht, in der angeblich HIV-verseuchtes Blut war - als kleine Warnung der Drogenmafia", so der Kessenicher.

Lokalverbot beim Burger-Multi McDonald's hat er nach Fernsehbeiträgen über die Abholzung von Regenwald zugunsten von Rinderfarmen inzwischen auch. Pater nimmt's mit Humor.

Und sammelt Hamburgermodelle aus Plüsch, als Spieluhr oder Ventilator in seinem Büro. Und von der Fensterbank aus schenkt eine zwischen Brötchenhälften aufs Fleischpatty gefläzte Gummimaus dem Platz am Schreibtisch ein Dauergrinsen.