Heimspiel mit der Mondscheinsonate

Brings begeistert mehr als 7000 Besucher auf dem Kunst!Rasen

Bonn. Das Bonner Festival Kunst!Rasen hatte beim Start in die neue Saison bislang verhaltene Zuschauerzahlen. Das hat sich am Freitag mit dem Auftritt von Brings geändert. Mehr als 7000 Zuschauer wollten die Kölner Band sehen.

Der Start in die Saison geriet fulminant: Der australische Liedermacher Stu Larsen, die holländische Rockband Kensington und der britische Sänger Passenger eröffneten die sechste Ausgabe des Bonner Festivals Kunst!Rasen am Donnerstagabend mit drei musikalisch hochwertigen Einzelkonzerten. Nur die Besucherzahl ließ mit nur 2000 Zuschauern noch etwas Luft nach oben. Das sollte sich schnell ändern: Mehr als 7000 Musikfans fanden am zweiten Tag den Weg in die Gronau, auf dem Programm stand nur eine einzige Band, und die hieß: Brings. Davon jedenfalls ging das Publikum aus – und wurde erst mal überrascht.

Versprechen für Beethoven-Jahr

Brings-Gitarrist Harry Alfter betritt die Bühne, zeigt weit nach links auf Beuel, wo er aufgewachsen ist, und begrüßt ein Streichquartett, das hinter ihm Platz genommen hat. Sonja Wiedebusch (Violine), Melania Torres-Meissner (Violine), Thomas Plümacher (Viola) und Benjamin Hönle-Marttunen (Violoncello) intonieren Ludwig van Beethoven, die Mondscheinsonate. Ein unbeschreiblicher Moment. Alfter setzt an zu einem gefühlvollen Solo auf seiner E-Gitarre. Das Publikum lauscht dem exklusiven Ereignis. „Hört sich an wie Queen“, sagt Konzertbesucher Norbert Siefel.

Und ein anderer Gast reagiert sichtlich erleichtert, dass die unverhoffte Liaison zwischen U- und E-Musik funktioniert hat: Michael Horn, Orchesterdirektor des Beethoven Orchesters. Horn organisiert am 2. Juli das Klassik!Picknick auf dem Kunst!Rasen, man hatte dem Quartett des Orchesters angeboten, auch bei Brings eine klassische Duftmarke zu setzen. Das alles beruht auf Gegenseitigkeit. „Wir werden im Beethoven-Jahr 2020 noch deutlicher in Erscheinung treten“, verriet Sänger Peter Brings im GA-Gespräch.

Brings bleibt sich treu

Die Kölschrockband ist auch eine Bonner Formation. Schlagzeuger Christian Blüm hatte an diesem lauen Sommerabend die kürzeste Anreise, die man sich als Künstler nur wünschen kann: Er wohnt in der Südstadt. Blüm zählt das erste Stück an – und dann beginnt die große Party. „Arsch hu – Zäng Ussenander!“. Das Rockquintett nimmt Kurs auf die Überholspur, sendet ein euphorisches „Halleluja“ in den Abendhimmel, demonstriert regionale Verbundenheit: „Wir sind ohne Zweifel – mitten in der Eifel“. Brings bleibt sich optisch treu. Im Schottenkaro der Marke „Royal Stewart“ wirbelt die Band über die Bühne. Bassist Stephan Brings bevorzugt einen Kilt. „Das ist beste Qualität von den Highlands“, sagt er beim Small Talk hinter der Bühne.

Die Band agiert mit konzentriertem Blick aufs Publikum. Sänger Peter Brings nimmt die Fans mit bei seinen charmanten Anmoderationen. Auch geizt man nicht mit kleinen Inszenierungen: Videos werden eingespielt, auch Fotos und Aufnahmen von der Live-Kamera. „Superjeile Zick“, „Su lang mer noch am Lääve sin“ mit großem Publikumschor und natürlich der „Kölsche Jung“ mit reichlich Adrenalin: Die Band spendiert ihren Fans insgesamt 25 Songs in einer Endlosschleife aus kölschem Hochgefühl. Es könnte so weitergehen bis morgen früh.

Also bis heute morgen. An diesem Samstag aber spielt eine ganz andere Band auf dem Kunst!Rasen. Ab 19 Uhr gehört die Bühne dem Essener Rap-Duo 257ers.