Brennpunkt Beethovenhalle: Erhalt oder Abriss?

In der Bonner Universität wurde bei einem Kolloquium und einer Diskussion um die Zukunft der "städtebaulichen Ikone" gestritten

Bonn.Die Stimmungslage im rappelvollen Hörsaal neun der Universität ist schnell beschrieben: bei der Abschlussdiskussion eines ganztägigen Kolloquiums zum Thema "Brennpunkt Beethovenhalle" waren im Publikum die Gegner eines Abrisses in der Mehrheit.

Die soll nach den zur Zeit vorliegenden Architektenentwürfen Platz machen für das neue Festspielhaus. Immer dann brandete großer Beifall auf, wenn von der Halle als städtebaulicher "Ikone" die Rede war, sie in ihrer "integrativen Funktion" für das Zusammenleben der Bonner Bürger gewürdigt wurde, oder als Ort, an dem Kultur in Gestalt des früheren "Orchesters der Beethovenhalle", heute Beethovenorchester Bonn, gewachsen sei, wie es der ehemalige Generalmusikdirektor Volker Wangenheim formulierte.

Und ein Abriss bedeute, "Kultur zu zerstören". Wangenheims Plädoyer für den Erhalt mündete schließlich in einen zwar leise vorgetragenen, aber leidenschaftlichen Appell an die Bürger: "Ich rufe alle auf, zur Beethovenhalle zu stehen."

Als Fürsprecherin der Halle, die der Architekt Siegfried Wolske vor fünfzig Jahren errichten ließ, trat vor Beginn der Diskussion auch Hiltrud Kier vom Kunsthistorischen Institut, dem Veranstalter des Kolloquiums, ans Pult. Sie fasste vor Beginn der eigentlichen Diskussion die vorausgegangenen Vorträge zusammen.

Von der Beethovenhalle als einem "wichtigen freiplastischen Bauwerk organischen Bauens" war da die Rede, vom "Akzeptanzverlust" bei einem Teil der Öffentlichkeit als Folge der "unterlassenen Pflege" durch die Stadt, von einer angeblich schlechten Akustik, an der jahrzehntelang niemand gezweifelt habe.

Und Weltklassemusiker seien doch auch in die alte Beethovenhalle gekommen, fragte Kier provokativ: "Oder sind Andreas Schiff und die Dresdner Staatskapelle nicht Weltklasse?" Zugleich hegte sie Zweifel am angestrebten "Bilbao-Effekt" des neuen Festspielhauses.

Tiefschürfende Einsichten förderte die anschließende Diskussion zwar nicht zu Tage, aber doch manch Anregendes. Ex-Oberbürgermeister Hans Daniels etwa hielt eine neue Mehrzweckhalle als Ersatz für die Beethovenhalle für eine "Illusion" und plädierte dafür, nach Ausweichflächen für das Festspielhaus zu suchen, die im Besitz von Land oder dem Bund seien.

Für einen anderen Standort ("die Gronau ist angemessen") machte sich auch Joachim Klose stark, Vorsitzender des Bundes Deutscher Architekten Bonn-Rhein-Sieg. Das Festspielhausprojekt der drei Bonner Dax-Unternehmen würdigte er zugleich als "Geschenk".

Die nahe liegende Frage von Moderator Jürgen Keimer, ob deren Geld auch in diesem Fall fließe, beantwortete Heinrich Küpper, bei der Deutschen Post Projektleiter für das Festspielhaus, ausweichend: "Die Frage des Standorts muss die Stadt entscheiden." Zudem erinnerte er daran, dass die Idee eines Festspielhauses nicht bei den Dax-Unternehmen, sondern in der Bürgerschaft entstanden sei.

Die Stadt war in Gestalt des neuen Oberbürgermeisters Jürgen Nimptsch vertreten, der aber die Aufgabe des Entscheiders an die Bürger weitergab ("Die Halle gehört den Bonnern") und auf die von ihm für nächstes Jahr geplante Bürgerbefragung verwies: "Damit bekommt der Stadtrat eine Entscheidungsgrundlage".

Landeskonservator Udo Mainzer unterstrich, die Denkmalpflege "verhindert nicht die Optimierung der Akustik" und stellte die Frage: "Wieso ist Beethoven eigentlich nur mit einem Neubau angemessen zu ehren? Man stelle sich vor, in Bayreuth würde das Festspielhaus abgerissen." Ob er einen Groll gegen die Abrissgegner empfinde, wurde Küpper gefragt. Der zeigte sich gelassen: "Ich bin ins Gelingen verliebt."