Trinitatiskirche in Bonn

Brahmstage - Ein Abend wie aus einem Guss

BONN. Von Werktreue und Aufführungspraxis ist heutzutage viel die Rede. Hält man sich bedingungslos an das eine oder an das andere? Wie viel zählt der Wille des Komponisten oder ist man als Musiker doch eher geneigt, als Pragmatiker zu agieren?

Fragen, die sich zum Beispiel bei einer Aufführung des Liederzyklus "Die schöne Magelone" von Johannes Brahms stellen, denn Entstehungsgeschichte und Aufführungspraxis sind mindestens ebenso inkohärent wie des Komponisten eigene Äußerungen über den Zyklus.

Der schreit geradezu nach einem pragmatischen Ansatz, denn ginge es nach dem Komponisten, wäre etwa eine Aufführung als Einheit mit der den Liedern zu Grunde liegenden Dichtung von Ludwig Tieck durchaus fraglich - und das Publikum um ein Gesamtkunstwerk ärmer.

So war es sehr lobenswert, dass im Rahmen der Endenicher Brahmsstage Liederzyklus samt Dichtung präsentiert wurden. Gelesen wurde die Tiecks Text von Karsten Gaul, am Flügel saß mit James Maddox der künstlerische Kopf der Brahmstage höchstselbst, und der Bariton Konrad Jarnot übernahm den Part des Sängers.

Heraus kam ein beglückendes Gesamtkunstwerk, ein Abend wie aus einem Guss. Nicht nur, dass die Verbindung von Text und Musik den roten Faden schon selbst lieferte, auch Maddox lief als Begleiter zu Höchstform auf. Als Solist war auch Jarnot eine gute Wahl, wenngleich er gelegentlich in höheren Lagen die ansonsten mustergültige stimmliche Contenance zu verlieren drohte.

Doch war die preziöse Gedankenwelt Brahms' hier in den besten Händen, war Jarnots ausnehmend kultivierter, von vornehmer Zurückhaltung und seltenen vokalen Extravaganzen geprägter Bariton doch ein ideales Medium.