Nachwuchssänger kommen aus aller Welt

Bonnerin Jurorin in Plácido Domingos Wettbewerb

Carolin Wielpütz mit Plácido Domingo am Jury-Tisch.

Carolin Wielpütz mit Plácido Domingo am Jury-Tisch.

Bonn. Carolin Wielpütz, künstlerische Betriebsdirektorin der Bonner Oper, saß zum zweiten Mal als einzige Deutsche in der Jury des international renommierten Operalia-Wettbewerbs, der in Lissabon zu Ende ging.

Kurz, bevor die Saison in der Bonner Oper wieder losgeht, hat Carolin Wielpütz noch einen kleinen Abstecher nach Lissabon gemacht, wo gerade Plácido Domingos Operalia-Wettbewerb zu Ende ging. Als künstlerische Betriebsdirektorin des Hauses ist die 34-Jährige natürlich immer auf der Suche nach jungen Stimmen und bei diesem Wettbewerb, den Domingo vor 25 Jahren gründete und bis heute leitet, kommen regelmäßig einige der besten Talente weltweit zusammen. Wielpütz' Platz in diesem Wettbewerb ist seit dem vergangenen Jahr einer der Jurysessel. Als einzige Vertreterin eines deutschen Hauses neben Abgesandten der ganz Großen aus Wien, Chicago oder London.

Domingo und sie seien schon vor ihrer Jurytätigkeit länger in „regem Kontakt“ gewesen, erzählt die gebürtige Bonnerin nach ihrer Rückkehr aus Lissabon. Irgendwann habe sie ihm eine Frage gestellt: „Warum sind eigentlich nur die großen Opernhäuser der Welt in der Jury vertreten, wo doch vor allem mittelgroße Häuser wie Bonn mit den jungen Sängern arbeiten und in einem ganzjährigen Ensemble aufnehmen und entsprechend fördern können?“ Domingos Antwort war die Einladung in die Jury, so dass sie im vergangenen Jahr ihre Premiere als Mitglied der zehnköpfigen Jury im damaligen Austragungsort in Kasachstan feiern konnte.

Starke Mezzosopranistinnen

Aus der Fülle der 700 bis 800 Bewerbungen aus aller Welt wählte eine Vorjury die 40 Besten aus, die dann zum Austragungsort, dem Teatro Nacional de São Carlos in Lissabon, reisten. Mit der Vorauswahl von Domingos Team war Wielpütz hochzufrieden. „In diesem Jahr war es sehr speziell“, sagt sie. „Üblicherweise werden wir ja von den Sopranistinnen regelrecht überrannt. Diesmal waren aber die Mezzosopranistinnen stärker. Das habe ich so noch nirgendwo erlebt.“ Insgesamt aber fand sie, es sei eine „gute Mischung“ gewesen. „Bei den Herren waren erfreulich viele Tenöre dabei. Es haben dann ja auch drei Tenöre die Plätze eins bis drei bei den Männern gewonnen.“ Die Bonnerin liebt am Operalia-Wettbewerb die Atmosphäre. Schön findet sie, dass alle Teilnehmer unabhängig von ihrem Weiterkommen bis zum Finale bleiben dürfen. Auch dass Jury und Nachwuchs-Opernstars in einem Hotel wohnen. „Da trifft man sich zum Frühstück, tauscht sich aus, kann Tipps geben“, sagt sie. Domingo selbst biete sogar ein Coaching für die Sänger an, erzählt die Opernenthusiastin.

Natürlich stellt sich die Frage, ob die in Lissabon erfolgreichen Sängerinnen und Sänger irgendwann auch in Bonn zu hören sein werden. „Das ist meine große Hoffnung“, sagt Wielpütz. Allerdings: „Wenn sich jemand wie die Mezzosopranistin Emily D’Angelo, die herausragend und mit Abstand die Beste war, als Siegerin durchsetzt, da haben wir es gegen die Konkurrenz aus New York, München und London schwer. Sie hat schon jetzt Verträge bis 2020, zumal sie auch schon den Wettbewerb 'Neue Stimmen' gewonnen hatte. Für uns sind die Plätze drei bis zehn interessant. Darüber werden wir in Bonn jetzt sprechen. Mit einigen Sängern bin ich in Kontakt für eine längerfristige Planung“, sagt sie. Schließlich wird in Bonn immer mal wieder ein Platz frei, wenn die jungen Talente den Sprung an die großen Häuser schaffen. Wielpütz: „Solche Entwicklungen unterstützen wir gerne. Darauf sind wir dann auch stolz.“