Bonner Stadttheater feiert Jubiläum

Ein Haus der Bürger - Geburtstagsfeier zum 150-jährigen Bestehen am Mittwochabend in der Oper

Bonn. (ga/ib) Joachim Kaiser ist der letzte Mohikaner. So sieht sich der führende Vertreter der deutschen Großkritik. Sein jüngstes Buch trägt den bewusst unbescheidenen Titel: "Ich bin der letzte Mohikaner".

Neben ihm existiert gerade noch Marcel Reich-Ranicki, nach ihm wird keiner mehr kommen, der so weise, gebildet und geistreich über Musik, Literatur und Theater schreibt und plaudert. Das Bonner Theater wird in diesem November 150, das heißt: Es ist seit 150 Jahren in städtischer Verantwortung.

Den Festvortrag bei der Jubiläums-Soiree am Mittwochabend in der Bonner Oper hat der Münchner Journalist Kaiser übernommen. Das verspricht ein intellektuelles Vergnügen fürs Publikum, keiner spielt die Rolle des allwissenden Kultur-Gurus so gekonnt wie Joachim Kaiser. Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und Generalintendant Klaus Weise werden in der Oper Grußworte sprechen.

Das Theater der Stadt Bonn blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück: 1859 musste der "Bonner Theaterverein" Insolvenz anmelden. Zuvor hatte es unterschiedliche Formen von Jesuiten-, Hof- und Privattheater gegeben. Das Schauspiel, das zu diesem Zeitpunkt existierte, wechselte in den Besitz der Stadt Bonn.

Damit ging ein langjähriger Wunsch der Bonner in Erfüllung, denn endlich konnte man ein eigenes Stadttheater vorweisen. Seit 1639 ist die Theatergeschichte Bonns weitgehend lückenlos dokumentiert. In diesem Jahr richteten die Minoriten (Franziskaner-Mönche) das erste Gymnasium in Bonn ein - und in dessen Aula ein Theater.

Parallel hatte sich ein Hoftheater etabliert, dessen Gründungsdatum und dessen Standort allerdings nicht genau dokumentiert sind. Unter Kurfürst Joseph Clemens erblühte eine höfische Kultur. Im eigens im Schloss erbauten Theater spielte man italienische Oper und französische Komödie mit eingebauten Truppen aus Italien und Frankreich.

Im Zuge der Aufklärung setzten sich Bonner Bürger und der amtierende Theaterdirektor für ein "Bonner Nationaltheater" am Hoftheater ein - dieser Initiative war es zu verdanken, dass man in Bonn nun auch Stücke von Shakespeare, Lessing und Schiller sehen konnte, Schillers "Fiesco" erlebte 1783 hier sogar seine Uraufführung.

Es herrschte eine große Theatervielfalt, verschiedenste Spielweisen und Theatertraditionen wechselten sich ab oder existierten nebeneinander. Dieser lebendigen Tradition wurde erst mit der Zensur Anfang des 19. Jahrhunderts ein Riegel vorgeschoben, das kurfürstliche Theater kam zum Erliegen.

1826 ergriffen erstmals Bonner Bürger die Initiative und ließen auf ihre Kosten für 7 000 Taler das Theater am Vierecksplatz bauen. Bei diesem Bau scheint es sich allerdings eher um ein Provisorium gehandelt zu haben. So war dem Haus nur eine kurze Periode beschieden, 1844 beschloss der Rat den Abriss des Theatergebäudes.

Schon während des Abrisses gründeten sieben Bürger einen Theaterverein und riefen zur Errichtung eines neuen Hauses auf. Sie entschieden sich für einen relativ großen Bauplatz am Kölntor, ihr Theater wurde am 29. Oktober 1848 mit Beethovens Ouvertüre "Zur Weihe des Hauses" festlich eröffnet. Die nächsten 95 Jahre wurde dort Theater gespielt.

Doch 1859 ging die Aktiengesellschaft "Bonner Theaterverein" bankrott: Es mangelt an Publikumszuspruch. Das Theatergebäude wurde zur Versteigerung ausgeschrieben - und ersteigert von der Stadt Bonn. Seit dieser Zeit ist die Stadt Bonn im Besitz eines Stadttheaters. Zunächst wurden Gastspiele gezeigt, ab 1902 schließlich gab es ein eigenes Ensemble.

Mit der Gründung des Städtischen Orchesters fand 1907 auch das Musiktheater einen festen Platz im Haus. Die folgenden 100 Jahre des Stadttheaters wurden geprägt von Zerstörung, Neuorientierung und -strukturierung - eine Entwicklung, die meist den Wandel der Stadt widerspiegelte. Doch ohne das bürgerliche Engagement wäre diese Geschichte um einige Kapitel ärmer.

Jubiläums-Soiree: Mittwochabend, 19.30 Uhr, in der Bonner Oper. Der Eintritt ist frei, das Platzangebot begrenzt.