Post Tower Lounge in Bonn

Bonner Pianistin Jamina Gerl mit beeindruckendem Klavierabend

BONN. Perfekt abgestimmt auf das diesjährige Beethovenfest-Motto "Veränderungen" hatte Jamina Gerl das Programm ihres Klavierabends in der Post Tower Lounge.

Dabei war nur eines der Werke mit dem Titel "Variationen" versehen: die Variations sérieuses op. 54 von Felix Mendelssohn Bartholdy, die dieser 1841 für ein Benefizalbum zugunsten des Bonner Beethovendenkmals komponierte. Der Variationszyklus schien Jamina Gerl wie auf den Leib geschnitten: brillant und doch tiefsinnig (schon mit dem Titel wollte sich der Komponist von den gängigen Bravourstücken seiner Zeit absetzen).

Nach dem schlicht gestalteten Thema spielte die gebürtige Bonnerin das Stück auf geschmeidige Weise, setzte die verschiedenen Charaktere der Variationen voneinander ab und wanderte vom Klaren ins Nebulöse, vom Kraftvollen ins Schmeichelnde.

Mit der Chaconne aus der Partita für Violine in d-Moll von Johann Sebastian Bach hatte der Abend begonnen - einem Werk, das selbst zahlreiche Verwandlungen erleben durfte, etwa durch Johannes Brahms. Nun jedoch erklang die Chaconne in der Bearbeitung von Busoni - nicht pompös, sondern straff, sorgsam pedalisiert und mit hoher Konzentration auf orchestrale Klangfarben.

Auf den Dualismus der zweisätzigen letzten Beethovensonate op. 111 kam Gerl in ihrer kurzen Einführung zu sprechen - den kämpferischen Aspekt des ersten Satzes jedoch dämpfte sie ab, und den zweiten Satz durchwehte eine Brise aus Unruhe und pianistischem Kalkül, so dass ihm ein leichter, aber wesentlicher Hauch von transzendentaler Aura abging. Nichtsdestotrotz versetzte die junge Pianistin das Publikum ins Staunen angesichts ihrer Kraft und ihrer pianistischen Souveränität.

Gegen Ende erklang das Schu-bertlied "Der Wanderer" zunächst in Liszt'scher Veränderung. Gerl ließ das Tal dampfen, das Meer brausen und den suchenden Wanderer seufzen und verzagen, um das Lied anschließend einer weiteren Verwandlung zu unterziehen: Einen gewaltigen, geradezu diabolischen Kraftakt bot sie mit der Wanderer-Fantasie.

Schubert übrigens soll an den pianistischen Herausforderungen seines eigenen Werks gescheitert sein und geäußert haben: "Soll doch der Teufel dieses Zeugs spielen!" Das Publikum war begeistert und lockte als Zugabe das zart und intim gespielte Gondellied in fis-Moll op. 30 Nr. 6 von Mendelssohn hervor.