Bonner Konzerte: Chansons, Lieder und Kammermusik

Préludes mit Begleitung - Swingend, romantisch, lautmalerisch, dramatisch

Pantheon. Gute Liebe, schlechte Liebe, hoffnungslose Liebe: "Alle Chansons handeln immer nur von dem Einen." Diese augenzwinkernd überspitzte Chanson-Definition kam von einem, der sich auskennt: Der gebürtige Franzose und langjährige Wahl-Bonner Jean Faure stellte im ausverkauften Pantheon sein neues Programm "Les grand succès" vor - Chanson-Klassiker der fünfziger bis siebziger Jahre.

Zusammen mit seiner fünfköpfigen Band unter der Leitung des Multi-Instrumentalisten Matthias Höhn interpretierte das Gründungsmitglied von "Pink Punk Pantheon" zum einen Chansons, die auch jenseits französischer Grenzen bekannt geworden sind: Barbaras "Göttingen" oder Bécauds "Natalie" beispielsweise. Zum anderen brachte er Lieder zu Gehör, die ausschließlich in frankophonen Ländern Erfolge gefeiert haben - wie das schlüpfrig-erotische "Les filles du bord de mer" von Salvatore Adamo aus dem Jahr 1964.

Äußerst kurzweilig geriet der Abend nicht nur durch Faures humorvolle, bisweilen ironische Interpretationen und Ansagen, sondern auch durch seine nebenbei gehaltene Lehrstunde in Sachen französische Geschichte - etwa, wenn er die Entstehung des Chansons "Le déserteur" von Pierre Delano und Gilbert Bécaud erklärte: Dieser Protestsong gegen den Indochina-Krieg, im letzten Kriegsjahr 1954 komponiert, wurde stante pede von der französischen Regierung verboten.

Swingend, romantisch, lautmalerisch, dramatisch - durchweg abwechslungsreich - unterstützte die Band ihren Chansonisten. Besonders kreativ: der junge Pianist Hedayet Djeddikar. Nach knapp drei Stunden wurden die sechs Männer vom Publikum nach minutenlangem Applaus von der Bühne entlassen.

Rheinisches Landesmuseum.

Zum zehnten Mal fand nun die Klassiklounge im Rheinischen Landesmuseum statt. Die Reihe hat sich etabliert - trotz aller immer wieder geäußerten Kritik an dem Konzept, live gespielte, anspruchsvolle klassische Musik mit Kulinarischem und einer "entspannten Atmosphäre" zu verbinden. Ungefähr ein Viertel der Zuhörer seien "Stammkunden", so Organisator Bernd Theelen.

"NaturKunstLieder" lautete das Motto des Abends. Im Zentrum standen Kompositionen des 1973 in den USA geborenen Mark Moebius, der mit kurzen Worten persönlich in seine Kompositionen einführte. Extreme Lagen sind ein Charakteristikum der "14 Haiku nach den Jahreszeiten". Aus den Naturdichtungen in extrem konzentrierter Form entsteht in Moebius' Vertonung ein patchworkartiges Gefüge, das in seinen einzelnen Bestandteilen aber kontrastierende Farben vermeidet.

Mit Soojin Moon, Sopran, und Stefan Veselka, Klavier, hatten sich gestandene Interpreten gefunden. Die Sopranistin verfügt über eine klare, farbenreiche Stimme und dazu noch, als Koreanerin, über eine versierte deutsche Aussprache. Nur "eingeschränkt solistisch" interpretierte Veselka vier Préludes von Claude Debussy, "begleitet" vom Tellergeklapper im Hintergrund. Dann, nach drei temperamentvoll vorgetragenen japanischen Liedern schließlich eine Uraufführung: Drei Lieder nach Gedichten des Malers und Dichters Bernard Schultze. Eigens für die Klassiklounge habe er die erste Fassung durch eine Neukomposition ersetzt, sagte Moebius. Also: verhalten modern, der Romantik vordergründig verschrieben.

Trinitatiskirche.

Einmal mehr bewahrheitet sich die rheinische Redensart, dass einmal keinmal, zweimal aber schon Tradition sei. So auch im Falle der Brahms-Tage in der Endenicher Trinitatiskirche, die im letzten Jahr zum ersten Mal an den Start gegangen waren. Spiritus rector der Reihe ist der in Bonn gut bekannte australische Pianist James Maddox. Mit den Brahms-Tagen hat er ganz offensichtlich den Nerv des Konzertpublikums getroffen.

Der ausgesprochen gute Besuch des Auftaktkonzertes sprach jedenfalls für sich. James Maddox hatte in bewährt verlässlicher Manier den Klavierpart übernommen, mit Stephanie Himstedt, Violine, und Bruno Klepper, Violoncello, ergab sich eine stimmige Klaviertriobesetzung. Mozarts Klaviertrio E-Dur (KV 542) wirkte anfangs zwar noch etwas gebremst, doch hatte sich diese Blockade spätestens im Finalsatz gelöst.

Auch Brahms' Sonate für Violoncello und Klavier op. 38 wurde mit viel Schwung musiziert, vor allem das Allegretto war von einer mitreißenden Beschwingtheit. Zum Abschluss gab es dann mit Brahms' H-Dur Trio op. 8 ein später überarbeitetes Frühwerk, das trotz aller Retuschen noch jugendlichen Geist atmet. Das war auch der Interpretation durch das Trio anzumerken, die von großer Akkuratesse, aber auch von einem frischen und schneidigen Duktus geprägt war.

ServiceWeitere Konzerte der Brahms-Tage: 6., 8. und 10. Mai. Weitere Informationen im Internet unter www.trinitatiskirche-bonn.de.