Norbert Alich im Porträt

Bonner Kabarettist hat die Karikatur des Karnevalisten zum Kult erhoben

Steht seit seinem zehnten Lebensjahr und damit seit 47 Jahren auf der Bühne: Norbert Alich.

BONN. Nein, er hat wirklich keinen leichten Stand. Nicht nur, dass der von einem Knopf mit letzter Kraft zusammengehaltene Cut rundum spannt und auch die weiße Blume am Revers von diesem Anblick kaum mehr abzulenken vermag. Nein, bei dem ständigen Gekicher seines Nebenmanns wird Hermann Schwaderlappen wohl kaum jemanden davon überzeugen können, dass Karneval eine ernste Angelegenheit ist.

Oder um es auf den Punkt zu bringen: "Humor muss verwaltet werden." Sagt Norbert Alich und lächelt verschmitzt. Jawohl, das kann er nämlich sehr gut; der Mann, der dem auf der Bühne recht bärbeißig auftretenden Schwaderlappen eine Stimme gibt. Der ihn - mehr als das - erfunden hat und sich dabei von einem Sitzungspräsidenten im Gürzenich inspirieren ließ. "Eine dicke, schwarz umrandete Brille und dazu ein böser Blick - herrlich."

Derzeit live zu erleben in der 30, Session von Pink Punk Pantheon (PPP), der kabarettistischen Karnevalsrevue, die Alich seinerzeit mit Rainer Pause sowie Gabi Busch, Axel Cruse und Gernot Voltz aus der Taufe gehoben hat. Zum Gründungsensemble gehörte auch Ruth Helm - seine vor vier Jahre verstorbenen Frau und Mutter seiner heute 25 Jahre alten Tochter Therese.

"Wir haben den Karneval allesamt gehasst", erinnert sich Alich mit Augenzwinkern. "Was wir wollten, war die Karikatur des Vereinslebens im 1. FKKVB Heimatverein Rhenania n.v. 1983." Daraus muss irgendwann im Laufe der Jahre dann so etwas wie Hassliebe geworden sein. "Der Reiz liegt darin, etwas Bierernstem wieder seinen Humor zurückzugeben.", beschreibt es Alich. Eine Grundvoraussetzung bringt er schon von Hause aus mit. Der am 13. März 1955 in Weißenthurm geborene Kabarettist ist "rheinisch-katholisch, was noch älter ist als das Christentum selbst", wie er lächelnd hinzufügt.

Auch wenn Norbert Alich sich als Junge nicht hätte vorstellen können, einmal Bäcker zu werden wie sein Vater, hätte er wohl ebenso wenig geglaubt, später als Kabarettist seine Brötchen zu verdienen. Dann schon eher Schauspieler oder Opernsänger. "Ich habe seit meinem zehnten Lebensjahr auf der Bühne gestanden. Das war das Einzige, was ich wirklich ernst genommen habe." Sagt Alich, der sich selbst im Großen und Ganzen eher als melancholischen und nachdenklichen Menschen bezeichnet. Der Thomas Mann und Fontane liest, skandinavische Krimis schätzt und die amerikanische Serie "Big Bang Theory" einfach genial nennt.

"Mein Onkel war Opernsänger. Und in den Ferien durfte ich ihn oft zu Proben begleiten." Rollen wie Don Giovanni und Hans Sachs lassen Alich schwelgen. "Ich mag aber auch sehr das romantische Lied von Schubert und Schumann sowie Brahms und Strauss." Und er mag es vor allem, zuweilen kräftig gegen den Strom zu schwingen. "Auf Feten, auf denen die Stones liefen, haben ich Fischer-Dieskau aufgelegt". Die Reaktionen darauf amüsieren ihn bis heute."

An der Bonner Uni studierte er Germanistik und Geschichte, war von 1975 bis 1982 Mitbegründer, Schauspieler, Regisseur und später Leiter der Studentenbühne Bonn. Er inszenierte die "Maria Stuart" und präsentierte 1984 den "Jahrmarkt der Eitelkeiten". Im selben Jahr spielte die PPP-Gründungsmannschaft bereits im "Fettnäpfchen" in Kessenich.

Nach dem ersten Staatsexamen 1981 begann Alich eine private Gesangs- und Schauspielausbildung, führte 1984 bis 1989 Regie am Sprungbrett Theater in Köln. Er spielte Fernsehrollen, hospitierte an den Opernhäusern in Bonn und Berlin. Zu seinem Repertoire gehören vier Soloprogramme wie "Ein Sängerleben" und kabarettistische Liederabende - so zum Beispiel "Der Rhein und die Folgen (Rheinlieder anders gesehen)". Zusammen mit Wolfgang Nitschke präsentierte er das "Bestsellerfressen" und mit Lioba Albus das Programm "Was Gott getrennt, kann nicht der Mensch verbinden" über Rheinländer und Westfalen.

Und so ist schließlich ein Hauptberuf daraus geworden. Der ihn seit 1990 im Duo mit Rainer Pause alias Fritz Litzmann quer durch die Republik führt; mit 50 bis 60 Vorstellungen allein von Hamburg bis München, zuzüglich derer in Bonn und dem übrigen Rheinland. Neun Programme gehen inzwischen auf das Konto von Fritz und Hermann, dem Alterspräsidenten und dem Vereinsvorsitzenden des FKK Rhenania. Und die beiden Kultfiguren - die wie alle wirklichen Berühmtheiten nur einen Vornamen brauchen - haben "Oberwasser."

In einer Stadt, "in der sich der Rhein auch schon mal neben Dich an den Tresen stellt", wie Alich scherzt. Zumindest bereitet er somit einen ausgesprochen fruchtbaren Boden für Kabarettisten und Comedians, die von hier aus durchstarten. Was, mit Alichs Augen betrachtet, vor allem der Verdienst von Pantheon und Springmaus ist. "Man sieht viel, und das motiviert, es selbst einmal zu versuchen."