Hellmuth Eichner

Bonner Künstler ist im Alter von 66 Jahren gestorben

Hellmuth Eichner mit Tochter Antonia an einem umgebauten Glockenspiel. Die Aufnahme entstand im Dezember 2009.

Bonn. Es gibt niemanden, der Hellmuth Eichner, den alle als Der Eichner kennen, gleichgültig gegenüberstand. Dieser Mann polarisierte. Seine hoch erotischen Akte und die veristischen Porträts, besonders die harte, satirisch bis blasphemisch aufgeladene Auseinandersetzung mit Religion und Kirche hatte dem Eichner nicht nur Freunde gebracht.

Der Maler traute sich was, ging gerne an die Schmerzgrenze - und überschritt sie offensichtlich mit Genuss. Wie gestern bekannt wurde, ist Der Eichner am Freitag nach langer Krankheit im Alter von 66 Jahren gestorben.

Sein umfangreiches Oeuvre hatte Der Eichner vorbildlich auf seiner Homepage dokumentiert. Viele seiner Werke hängen in Sammlungen (Norbert Blüm gehörte zu seinen Kunden) und öffentlichen Gebäuden. Besonders in Bonn hat der 1946 in Schönenberg geborene Maler und Bildhauer, der seit 2000 in Swisttal-Buschhoven lebte, Spuren hinterlassen.

In seinem Wohnort Buschhoven unterstützte Eichner besonders die Musiktage. Für die Veranstaltungsreihe kreierte er ein Logo, das er seinem großformatigen Bild "1000 Rosen" entnahm. Erst vor wenigen Monaten hatte Eichner das Bild der Katholischen Kirchengemeinde Sankt Katharina vermacht.

Der Eichner studierte an den Kölner Werkschulen und an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo er Meisterschüler bei Rolf Sackenheim und zeitweise Schüler bei Joseph Beuys war. Das Mitglied der Künstlergruppe Bonn und der Gruppe Art7 war bislang in weit über hundert Ausstellungen zu sehen. Ein Solitär mit Hang zum Bizarren, unkorrumpierbar, bisweilen allerdings auch nicht immer ganz leicht zu ertragen.

1985 berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel in einer Personalie über den Künstler und dessen Werk "Die Saubermänner". Darauf waren nackte Männerfiguren zu sehen, an einer Wand lehnten Gewehre. Der Spiegel schrieb: "Hellmuth Eichner, 39, Maler aus Bonn, bekam Ärger mit rheinischen Saubermännern.

Die Bonner Buchhandlung Röhrscheid, eine der größten Buchhandelsgruppen Deutschlands, hatte ein Werk des Künstlers in einem ihrer Schaufenster ausgestellt, um für einen Eichner-Kunstband (erschienen im angeschlossenen Verlag Bouvier) zu werben. Schon am ersten Tag bewirkte das Werk ,Die Saubermänner' massiven Telephon-Protest jener, die es darstellt.

Die Anrufer erkannten in dem Ölgemälde (Format 2,60 mal 1,80 Meter) nichts als ,Schweinerei' und ,Pornographie', drohten mit Polizei, Ordnungsamt und Kaufboykott. Nach einer Woche hatten die real existierenden Saubermänner sich durchgesetzt. Das Werk mußte dem Eichner-Bild ,Kuh in den Rheinauen' weichen.

Mit großen Lettern auf der Schaufensterscheibe wurde die verehrte Kundschaft gefragt: ,Besser so?'" Natürlich ist auch die Spiegel-Notiz auf der Homepage des Eichners dokumentiert. Es gefiel ihm, Anstoß zu erregen.