Karl Garbe wird 85

Bonner Journalist und Publizist feiert am Sonntag seinen Geburtstag

Karl Garbe ist sprachgewandt und politikerfahren.

Der Bonner Journalist und Publizist Karl Garbe feiert an diesem Sonntag seinen 85. Geburtstag. Seit 1970 publiziert er Zeitschriften. Auch Wahlkämpfe hat er organisiert. Von Garbe stammt der berühmte Spruch vom "Genosse Trend".

Karl Garbe sitzt an seinem Schreibtisch mit Blick aufs Bonner Rheinufer und sortiert neue Texte. "Da", sagt er und zitiert einen tagesfrischen Vierzeiler: "Völker hört die Signale / auf zum letzten Gefecht / die Internetionale / erkämpft das Menschenrecht".

Die Internetionale: Was der Bonner Publizist von den Piraten, auf die er anspielt, hält? Nächstes Zitat: "Die Wählerschaft ist ein Bimsstein / der von Vulkanen träumt / Sind die Piraten etwa schon die Lava?" Gleich zwei neue Bücher hat Karl Garbe in Arbeit. Gut, an diesem Sonntag wird er 85 Jahre alt, die Feierlichkeiten mögen den literarischen Aktionismus kurz unterbrechen. Sie dienen aber gleichsam dazu, verdientes Lob zu ernten. "Früher war ich eitel, heute bin ich nur noch gefallsüchtig", sagt Garbe.

Geboren ist er am 22. April 1927 in Bochum - als Sohn eines gestandenen SPD-Funktionärs. Kindheit und Jugend: 1942 Kinderlandverschickung, 1944 Reichsarbeitsdienst, 1945 Panzergrenadier an der Ostfront und US-Gefangenschaft. Nach dem Krieg arbeitet er als Verwaltungsangestellter - und macht schnell Karriere in der SPD, erst bei den Jungsozialisten, ab 1950 dann im SPD-Vorstand. 1951 bezieht er mit Parteichef Kurt Schumacher die Zentrale in Bonn, die berühmte "Baracke". Sein Zuständigkeitsbereich: die Öffentlichkeitsarbeit.

Nach 1959 soll er "die Kerngedanken des Godesberger Programms verständlich rüberbringen". Es gelingt ihm. Die SPD ist in der Mitte angekommen. "Selbst der Trend ist Genosse geworden", sagt er damals. Daraus entsteht der "Genosse Trend". Später, als Oskar Lafontaine SPD-Chef wird, wandelt Garbe seinen berühmten Spruch ab: "Der Genosse trennt".

Garbe organisiert Wahlkämpfe, auch den von Willy Brandt. Und er korrigiert das Image seines Fraktionschefs: Aus dem grimmigen Wehner wird "Onkel Herbert". Garbe ist auch jenseits der Partei aktiv. In seinem "Soldbuch" (1965) arbeitet er romanhaft die Kriegserlebnisse auf. Rund 300 Rezensionen aus dem deutschen Blätterwald hat er im Archiv.

Seit 1970 publiziert er Zeitschriften: Esprit, mdb (Magazin der Bundeshauptstadt), Kabinett. Und immer wieder Bücher voller Aphorismen: "Die Macht ist nicht zum Schlafen da", "Schindluder und anderes Treiben".

Eines der neuen Bücher heißt "Parteibuch". Der Untertitel klingt eher bescheiden: "Aus dem Nähkästchen einer Randfigur der deutschen Politik". Wieso "Randfigur"?