Ausstellung

Bonner Galerie zeigt Arbeiten von Sieverding

Katharina Sieverding vor ihrer Arbeit „Die Sonne um Mitternacht schauen“ von 1988.

Katharina Sieverding vor ihrer Arbeit „Die Sonne um Mitternacht schauen“ von 1988.

Bonn. Die Bonner Galerie Bernd Bentler zeigt Auflagenarbeiten von Katharina Sieverding. Der Nerv der Zeit werde damit getroffen.

Katharina Sieverding hat nachgerechnet. Die Ausstellung mit einer Auswahl ihrer Auflagenarbeiten in der Galerie von Bernd Bentler sei ihr 41. Auftritt in Bonn, sagt die Künstlerin bei der Vernissage.

Seit den früher 1970er-Jahren, als sie vom DAAD in Bonn ein Stipendium erhielt, sei sie mit der Stadt verbunden. Sieverding, die von Joseph Beuys 1967 in seine Klasse an der Düsseldorfer Akademie geholt worden war, hat in der Galerie von Erhard Klein ausgestellt, bei Philomene Magers, im Städtischen Kunstmuseum, im Rheinischen Landesmuseum und im Kunstverein. 2017 erinnerte eine umfassende Schau in der Bundeskunsthalle an all das, was die 1944 in Prag geborene Sieverding künstlerisch auf den Weg gebracht hat und für das sie immer noch steht.

In bescheidenerem, aber dennoch beeindruckendem Rahmen ist das auch Bernd Bentler in seinen Galerieräumen gelungen. Hier sind unter anderem ihre fotografischen Selbstporträts zu sehen, hinter deren offensichtlichem Statement einer selbstbewussten Künstlerin weitaus mehr Bedeutungsebenen liegen.

Gesicht wird zur Projektionsfläche

Das Gesicht von Katharina Sieverding im Großformat wird zur Projektionsfläche und regt Diskussionen über Genderfragen ebenso an wie ein Nachdenken über Objektivität im Bild und generell über die Abbildfunktion von Fotografie. Sieverding setzt sich mit Film und Kino auseinander, spielt mit unserem Bildgedächtnis und scheut sich nicht davor, den aktuellen politischen Diskurs zu kommentieren.

Wie in der Arbeit „Deutschland wird deutscher“, die wenige Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung entstand und sich einer Zeitungsschlagzeile bediente. Im veränderten Kontext einer Plakatierungsaktion wurde daraus buchstäblich ein Menetekel, das den Nerv der Zeit traf und heute – 25 Jahre später – immer noch Relevanz hat.

Galerie Bernd Bentler, Friedrichstraße 55; Di-Fr 11-19, Sa 11-18 Uhr. Internet: www.berndbentler.de