Bonner Filmregisseur Wolf Vollmar gestorben

357 Minuten Leidenschaft - "Ein rheinischer Querkopf"

Bonn. "Er ist ein rheinischer Querkopf", schrieb der Spiegel 1991 über Wolf Vollmar. Der Bonner Regisseur, Drehbuchautor und Produzent fühlte sich geehrt - und verstanden. Denn das Hamburger Nachrichtenmagazin würdigte nicht nur Vollmars Film "Fabrik der Offiziere", sondern auch den unermüdlichen Einsatz des Filmemachers für sein Werk.

Vollmar hatte gekämpft wie ein Wolf, als es darum ging, die Verfilmung von Hans Hellmut Kirsts 1960 erschienenem Antikriegsroman zu finanzieren. Der Film wurde schließlich frei produziert - mit zehn Millionen Mark von privaten Geldgebern. Vollmar drehte 1988 in den Prager Barrandov-Studios - mit namhaften Schauspieler wie Rosel Zech, Manfred Zapatka, Karl Walter Diess, Thomas Holtzmann, Harald Dietl und Sigmar Solbach. Es entstand ein Opus von 357 Minuten Länge.

357 Minuten, die zunächst kein deutscher Fernsehsender haben wollte, weil das Thema nicht dem Zeitgeist entsprach. Der Österreichische Rundfunk indes strahlte das Werk als Serie in vier Teilen mit großer Resonanz aus. Vollmar kämpfte weiter, wollte ARD und ZDF gewinnen. Schließlich wurde die "Fabrik" von Vox und Spiegel-TV gesendet. Vollmars zentrales Thema war die Zivilcourage. Entsprechend wählte er seine Stoffe aus.

In "Fabrik der Offiziere" geht es um den Oberleunant Karl Krafft, der 1944 in einer bayerischen Kaderschmiede einen ominösen Todesfall aufklären soll. Wolf Vollmar kam am 26. Februar 1929 in Bonn zur Welt. Nach dem Abitur am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium arbeitete er bei der Bavaria in München als Regieassistent. 1968 entstanden erste TV-Filme in eigener Regie. Vollmar spezialisierte sich auf Literaturstoffe von Kleist, Brecht und Böll. Er lebte in München und Bonn. Seinen 75. Geburtstag feierte er in einem Kessenicher Restaurant mit Familie, Freunden und Kollegen. Wolf Vollmar starb in der vergangenen Woche vier Monate nach seinem 80. Geburtstag in Bonn.