Malerin und Lyrikerin feiert 90. Geburtstag

Bonner Ausstellungen feiern Hilla Jablonsky

Hilla Jablonsky mit Rechnungshof-Präsident Dieter Engels im April dieses Jahres.

Bonn. Unter den Bonner Künstlern besetzt Hilla Jablonsky seit vielen Jahren die Pole-Position in der Szene: Keiner ist präsenter, unter etlichen Ausstellungen und Lesungen tut es das Multitalent nicht. Hilla Jablonsky ist mit ihrer Kunst allgegenwärtig.

Und das Faszinierende daran: Ihre starkfarbigen abstrakten Gemälde, die präzise gesetzten filigranen Gesten, die analog dazu fein gewichteten Worte in Lyrik und Prosa nehmen keinen Schaden an der üppigen Präsenz.

Gerade tanzt die Malerin und Dichterin, die am kommenden Montag ihren 90. Geburtstag feiert, in Bonn künstlerisch auf vier Hochzeiten: Gerade wurde eine Werkschau im Haus an der Redoute mit Gemälden eröffnet; im Künstlerforum ist sie im Rahmen der Gedok-Jubiläumsausstellung mit Lyrik ("Bildveränderung" aus dem Band "Mein Wagnis jeden Tag", 2011) vertreten; der Bundesrechnungshof präsentiert noch bis zum 18. September Jablonsky-Werke aus fünf Jahrzehnten. Und in der kommenden Woche wird ihr Bild "Aufbruch" (1966) im Foyer des Kunstmuseums zu sehen sein. Es gehört zu vier Werken, die sie dem Kunstmuseum geschenkt hat.

Hilla Jablonsky wurde im Saaland geboren, wuchs in Schleswig-Holstein auf und zog nach Sankt Augustin, wo sie noch immer wohnt und arbeitet. 1999 wurde sie mit der August-Macke-Medaille der Stadt Bonn ausgezeichnet. Sie hat den Theobald-Simon-Preis der Gedok bekommen, zählt zu den Mitgründerinnen des Bonner Frauenmuseums. Für das laufende Jahr hat sie sich viel vorgenommen: Drei Retrospektiven, eine Installation, einen neuen Lyrikband und Lesungen.

Haus an der Redoute

Die umfassende Retrospektive im Bonner Frauenmuseum zum Werk von Hilla Jablonsky liegt fast vier Jahre zurück. Nun, da ihr 90. Geburtstag ansteht, widmet sich eine Einzelausstellung im Godesberger Haus an der Redoute der vielseitig aktiven Malerin, Dichterin und Performancekünstlerin. Die Schau fasst unter dem lyrischen Titel "Lichtträume - Mondschatten" unterschiedliche malerische und grafische Techniken zusammen, die von Hilla Jablonskys künstlerischen Ausdrucksmitteln, ihrer speziellen Zeichensprache, Collagetechnik und expressiven Farbigkeit miteinander verbunden werden.

Wie komplexe Landkarten des Geistes fordern die Arbeiten ihr Gegenüber heraus, Strukturen zu entdecken, Verbindungen herzustellen und Assoziationen nachzuspüren. Die Kontraste starker Farbigkeiten, raue und glatte Oberflächen oder collagierte Stoffe, die unvermittelt aus dem Bild in die dingliche Realität hinausgreifen, laden sich gegenseitig auf. Die Arbeiten sprühen vor Energie, sie sind reich an Spannung und dennoch harmonisch und in sich stabil.

Auch die grafischen Arbeiten mit ihren schwarz-weißen Chiffren oder zarten grafischen Akzenten behaupten sich zwischen den farbigen Anziehungspunkten, die in ihrer Dominanz die Aufmerksamkeit zunächst für sich beanspruchen.

Haus an der Redoute, Kurfürstenallee 1, bis 30. September. Mi-Fr 14-18 Uhr, Sa, So 10-14 Uhr.