Kunstverein in Bonn

Bonner Artothek feiert 30-jähriges Bestehen

Im Angebot der Bonner Artothek: Niki de Saint-Phalles Plakat „Montreux Jazz“ aus dem Jahr 1984. FOTO: MAREIKE TOCHA

Im Angebot der Bonner Artothek: Niki de Saint-Phalles Plakat „Montreux Jazz“ aus dem Jahr 1984. FOTO: MAREIKE TOCHA

Bonn. 1700 Werke im Angebot: Die Bonner Artothek im Kunstverein feiert 30-jähriges Bestehen. Die Künstlerliste reicht von Joseph Beuys bis Niki de Saint-Phalle, Cy Twombly und Lawrence Weiner.

Katharina Sieverding erfreut sich spätestens seit der gerade in der Bundeskunsthalle eröffneten Retrospektive „Kunst und Kapital“ wachsenden Interesses. Vielleicht will der eine oder andere tiefer in das Werk eintauchen und sich zu Hause mit Sieverding-Kunst umgeben. Wer dabei nicht auf den – eher hochpreisigen – Kunstmarkt zurückreifen will und vor drei Jahren so schlau war, für 1700 Euro eine Jahresgabe des Bonner Kunstvereins zu erwerben, hätte jetzt ein Sieverding-Werk an der Wand, um wunderbar entspannt Arbeitsweise und politisches Denken der Künstlerin nachzuvollziehen, nicht zuletzt auch deren intensive Art, mit vorgefundenem Bildmaterial zu arbeiten, zu spüren.

Es gibt einen dritten Weg. Die seit 1987 an den Kunstverein angegliederte Artothek erwarb 2014 das Sieverding-Blatt – und bietet es zur Ausleihe an. Mit 1700 weiteren Arbeiten (Zeichnungen, Fotos, Druckgrafik und Videos) von 600 Künstlern, die sich von Bernd und Hilla Becher und Joseph Beuys bis Niki de Saint-Phalle (deren Montreux-Plakat wir rechts abbilden) Cy Twombly und Lawrence Weiner buchstabieren. Die Artothek hat unter anderem Sieverdings 2014 erworbenen Druck „Weltlinie 1968-2013 # 9 A“ im Angebot, das an eine frühe politische Phase der Foto- und Performancekünstlerin und an ihre große Ausstellung „Weltlinie 1968-2013“ im Museum Schloss Moyland erinnert.

Das aus vier Motiven bestehende Blatt kombiniert Nasa-Fotografien von der Sonne aus Sieverdings Projektion „Die Sonne um Mitternacht schauen“ mit dem „Enola Gay“-Bomber aus ihrer Serie „Kontinentalkern“. „Enola Gay“ hieß der B-29-Bomber, der die erste Atombombe mit dem zynisch verniedlichenden Namen „Little Boy“ am 6. August 1945 auf Hiroshima abwarf. Zwischen diesem Blatt und der n Retrospektive „Kunst und Kapital“ gibt es etliche Parallelen. Wer will, kann etwa dieses Blatt – soweit verfügbar – für zwölf Euro zwei Monate lang ausleihen. Wer sich sein ganzes Wohnzimmer vollhängen will, zahlt für den Zeitraum und fünf Werke 55 Euro. Wer mehr vor und mehr Platz hat, ist mit hundert Euro für zehn Artothekswerke dabei (gewerbliche Ausleiher zahlen 18 Euro pro Bild, Kunstvereinsmitglieder haben Sonderkonditionen).

Rundumpaket mit Werkauswahl, Anlieferung und Aufhängung

Wahre Schätze hängen in den Schieberegalen im Kunstverein, das Artothekspersonal hilft bei der Auswahl und bietet auch ein Rundumpaket mit Werkauswahl, Anlieferung und Aufhängung an. Eine Suchfunktion auf der Kunstvereins-Homepage wäre von Vorteil. Da könnte man schon im Vorfeld recherchieren. Seit 1987 haben mehr als 2000 Privatpersonen und Organisationen rund 30 000 Werke ausgeliehen. Eine beachtliche Bilanz für 30 Jahre und eine der größten Artotheken Deutschlands. Am Dienstag, 21. März, wird ab 18 Uhr gefeiert. Gastrednerin ist Astrid Bardenheuer von der Artothek Köln. Weitere Gäste kommen von den Artotheken in Dortmund (Johannes Borbach-Jeane) und Bergisch Gladbach (Klaus Altmann von der Villa Zanders).

In der Diskussion geht es unter anderem um die teilweise gefährdete Zukunft des Modells Artothek, das in den 1980er Jahren mit dem Impuls angetreten war, qualitative Kunst für jedermann bezahlbar anzubieten und so einen niederschwelligen Zugang zur Gegenwartskunst zu ermöglichen. Der Bedarf an solchen Angeboten ist zwar nach wie vor hoch. Doch die Finanzierung, insbesondere für Neuerwerbungen ist schwierig. Die Bonner Artothek hat daher ein Programm ins Leben gerufen: „Spenden Sie ein Bild!“ richtet sich an potenzielle Sponsoren. Eine Auswahl solcher Bilderspenden ist am Dienstag zu sehen.

Bonner Kunstverein, Dienstag, 21. März, 18 Uhr