„Persischer Garten“ vor der Bundeskunsthalle

Blüten, Blätter, Düfte

In den Gräbern von Schahdad wurden diese Figuren aus dem dritten Jahrtausend v. Chr. gefunden.

In den Gräbern von Schahdad wurden diese Figuren aus dem dritten Jahrtausend v. Chr. gefunden.

Bonn.  Ein persisches Sprichwort besagt: „Man muss nicht erst sterben, um ins Paradies zu gelangen, solange man einen Garten hat.“ Dieser Devise ist die Bundeskunsthalle gefolgt und hat einen 400 Quadratmeter großen terrakottafarbenen Block auf dem Museumsplatz aufgestellt.

Hinter den Mauern verbirgt sich eine wahre Oase: Ein duftender, blühender Garten mit einem Spazierweg, einem Wasserlauf, Springbrunnen und einer lauschigen Loggia, in der man auf orientalische Art seine Tee einnehmen kann. Von der Seite strömen feine Gerüche aus dem eigens angelegten Duftgarten herbei. Die Ausstellung „Iran – Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste“ böte viel Input für den Kopf, erklärt die Projektleiterin Susanne Annen, hier im Garten aber sei Entspannung pur angesagt. Weswegen der Audio-Guide hier keine Informationen ausspucke, sondern persische Lyrik und Musik des Landes.

Nach den Gärten für Max Liebermann (2011), Kleopatra (2013) und den Fürsten Pückler (2016) – alle auf dem Dach der Bundeskunsthalle – lockt nun mitten auf dem Museumsplatz ein botanisches Ensemble mit Zitronen-, Orangen-, Granatapfel- und Erdbeerbäumen. Zypressen und der Judasbaum runden das Bild ab. Auf den Beeten gibt es Rosen, Iris, Wildtulpen in ornamentalen Mustern zu bewundern. Der Gewürzgarten wartet mit Jasmin, Gewürzlorbeer, Rosmarin, Steppensalbai und Zitronenthymian auf.

Allein fünf Iris-Arten tummeln sich auf der sogenannten Irisfläche, von der orientalischen „Frigia“ bis zu „Moldovan“ und „Moon bay Day“. Die Tulpe, die, so hört man hier, nicht aus Holland, sondern aus Persien kommt und dem Wort nach ursprünglich „Turban“ bedeutete, ist mit der „Clusiana“, „Persian Pears“, „Fosteriana Purissima“, „Fosteriana Flaming Purissima“ und „Flair“ vertreten. Etliche majestätische Rosen warten noch auf das geeignete Licht, auch die Taglilien lassen sich noch bitten. Die meisten Bäumchen im persischen Garten geizen noch mit Blättern und Blüten. Wie bei den vorangegangenen Gärten soll die Bepflanzung je nach Saison wechseln – der Garten kann bis in Mitte Oktober hinein besucht werden. Und immer soll etwas blühen. Das verführt den Besucher natürlich dazu, wiederholt zu kommen.

Abgerundet wird das Gartenerlebnis durch eine Dokumentation am Eingang. Dort wird nicht nur das Phänomen Garten in einem durch riesige Wüsten und den heißesten Punkt der Erde charakterisierten Landes erläutert – zusammen mit raffinierten Wassersystemen, die diese Oasen erst möglich machen. In der Informationsabteilung am Eingang des Gartenpavillons geht es auch um das Unesco-Welterbe. Insgesamt 21 Welterbestätten gibt es im Iran, die kleine Ausstellungen stellt sie vor, insbesondere auch die neun im Jahr 2011 zum Welterbe ernannten Gartenanlagen. Fotos und Filme dokumentieren diese Stätten.

Persischer Garten auf dem Museumsplatz vor der Bundeskunsthalle; bis 15. Oktober. Di, Mi 10-21, Do-So 10-19 Uhr.