Bildern ein akustisches Zuhause geben

<b>Mitbegründer
</b>der Stummfilm-Renaissance: Günter A. Buchwald ist regelmäßiger Gast bei Filmfestivals von Italien bis Tokio.

<b>Mitbegründer </b>der Stummfilm-Renaissance: Günter A. Buchwald ist regelmäßiger Gast bei Filmfestivals von Italien bis Tokio.

Der Geiger und Pianist Günter A. Buchwald aus Freiburg hat seit 1978 schon mehr als 1 700 Stummfilme begleitet - Jetzt ist der Musiker zu Gast beim Bonner Sommerkino im Innenhof der Universität

Bonn. Angefangen hat alles mit Quasimodo, dem Glöckner von Notre-Dame. Und mit einer vagen Frage an den damaligen Freiburger Musikstudenten Günter A. Buchwald. Ob er vielleicht jemanden kenne, der den Stummfilm nach Victor Hugos Roman musikalisch begleiten könne. Buchwald sagte ja und gilt heute als einer der Mitbegründer der Stummfilm-Renaissance.

Mehr als 1 700 Filme hat er seither "vertont" - teils im Stil von Komponisten wie Schubert und Strawinksy, Bartók und Weill und teils mit eigenen Stücken. Am Donnerstag und am Freitag ist er zu Gast beim 21. Bonner Sommerkino, den Internationalen Stummfilmtagen im Innenhof der Universität, wo er den "Mandarin" und "Die Großfürstin und ihr Kellner" begleiten wird.

Den richtigen Ton eines Films zu treffen - das heißt für Buchwald vor allem die Stimmung, die ihn trägt, und seine unverwechselbare Dramaturgie in Musik umzusetzen. "Das ist mehr als eine Begleitung - es ist ein Teil des Ganzen, wenn man den Film als Gesamtkunstwerk sieht." So formuliert es der Violinist und Pianist, der mit fünf Jahren auf der Flöte die ersten musikalischen Schritte unternahm. Im Alter von sieben Jahren kam die Geige dazu, das Klavier dann etwas später, erinnert sich der heute 53-Jährige.

Hatte er bereits in seiner Kindheit alles an Musik kennengelernt, was das elterliche Radio hergab - vom Sinfoniekonzert bis zu Jazz und Schlager -, so legte er später auch beim Studium der Schulmusik Wert auf eine breite Basis.

Dazu kam sein Interesse für Geschichte, die er parallel als Studienfach wählte: "Das hat mir später oft dabei geholfen, die Filme richtig einzuordnen." Die Leidenschaft für den Film hatte ihn beim ersten Kinobesuch im Alter von sechs Jahren gepackt. "Und bei der Stummfilmmusik fließt das alles zusammen", fügt Buchwald hinzu.

Wenn seine Finger über die Tasten gleiten, während vor ihm die Bilder über die Leinwand flimmern, dann geschieht das meist ohne Vorlage. "So habe ich es schon gemacht, lange bevor ich Noten lesen konnte: Einfach gespielt, was ich im Ohr hatte", sagt Buchwald, der seine größte Stärke in der Improvisation sieht. Eine gute Stummfilmmusik ist für Buchwald eine, "die man wahrnimmt und die sich nicht aufdrängt. Es geht darum, den Bildern ein akustisches Zuhause zu geben."

Zu seinen persönlichen Favoriten gehören japanische Filme wie "Die eine Seite des Wahnsinns" oder auch "Express 300 Meilen", der jetzt auch in Bonn zu sehen war. Aber auch an "City Lights" von Charlie Chaplin, den er 2002 zusammen mit dem Philharmonischen Orchester Freiburg begleitete, erinnert er sich gern. Ebenso wie an "Der müde Tod" von Fritz Lang, der mit italienischen, arabischen und chinesischen Elementen zu den reizvollsten Werken zählt.

Seit 1981 spielt Buchwald einmal pro Monat im "Kommunalen Kino Freiburg" und ist regelmäßiger Gast bei Filmfestivals von Italien bis Tokio. Einen Wunsch hat er allerdings: "Den Tag, an dem alle Stummfilme vertont sind, möchte ich nicht erleben."

"Der Mandarin" beginnt am Freitag um 23.15 Uhr und "Die Großfürstin und ihr Kellner" am Samstag um 21.45 Uhr. Weitere Informationen zum Genre und zu Günter Buchwald gibt es unter www.stummfilmmusiker.de