Ausstellung im Künstlerforum

Begegnungen der besonderen Art

Joanna Opalska-Brzecka: "Innenleben".

Bonn. Das starke Freundschaftsspiel zwischen Frankreich, Polen und Rheinland startet mit einer bizarren Choreografie: Aus weißem Tafelporzellan geformt ist ein Zirkel von nackten, ihrer Kopfpartien beraubter Menschengestalten, in tief gebeugter Haltung, die Oberkörper flach auf die Knie gepresst, kauert das meditative Ensemble dicht über dem Boden.

"Innenleben" nennt 1981 geborene Breslauerin Joanna Opalska-Brzecka eine Installation, die den Betrachter aus der Reserve locken will. Reflexionen über aktuelle Positionen und Kunst als lebendiges Kommunikationsmodell transparent zu machen, darum geht es im Gemeinschaftsprojekt: "Amicalement - In aller Freundschaft - Wsrod Przyjaciol".

Die vorzügliche Realisierung des Herzstücks der Veranstaltungsreihe "Kulturdreieck Rheinland, Frankreich und Polen" ist der vom Kulturamt Bonn eingeschalteten Lokalformation "ArtDialog" zu verdanken. Die Stadt Bonn, der Rhein-Sieg-Kreis und der LVR erinnern in diesem Rahmen an die Solidaritätsbündnisse Elysee-Vertrag (1963) und "Weimarer Dreieck" (1991).

Das straffe Ausstellungskonzept (Uta Miksche, Marianne Horling) verbindet Alleingänge einer aufgeweckten, polnischen Nachwuchsszene aus Breslau, Bunzlau (Partnerstadt Rhein-Sieg-Kreis) mit Pioniergeist aus der Bonner Partnerstadt Nancy und souveränen, überwiegend poetischen Beiträgen von meist bekannten Rheinländern wie Theo Stammer (Bleistiftzeichnung) oder Holzbildhauer Samo Skoberne. Sinnliche Akzente setzt die kosmische Bildwelt von Sabine Fernkorn.

Insgesamt zeichnet sich auf transkultureller Ebene eine Debatte ab mit Themenschwerpunkten wie Natur, Ökologie, Krieg (Farbfotografien von Guillaume Greff), Müllgesellschaft (Stilllebenähnliche Fotoprotokolle von Morgane Britscher), die Scheinwelt der Medien (übermalte Fotoporträts von Piotr Kmita) und manipulierte Gen-Welten (Computerfiktionen von Volker Leyendecker).

Zu den Glanzleistungen zählen überdies: innovative Auslotungen von etwa Stillleben (Elise Frank) und faszinierende Landschaftsstudien des "romantischen Rockers" Emilien Sarot (Jahrgang 1985). Mit poetischer Zauberkraft entfesselt Videokünstlerin Cornelia Genschow das Frühlingstreiben einer Grasnarbe, deren heimatlicher Standort nicht nur Polen, Frankreich oder Deutschland sein könnte.

Künstlerforum Bonn, Hochstadenring 22-24; bis 4. August. Di-Fr 15 bis 18 Uhr, Sa 14 bis 18 Uhr, So 11 bis 17 Uhr. Katalog (Sponsor Stiftung Sparkasse) 10 Euro