International Telekom Beethoven Competition

Beethovens Humor

BONN. Nach dem ersten Durchgang der International Telekom Beethoven Competition hat sich die ursprüngliche Teilnehmerzahl naturgemäß auf zwölf halbiert. Erfreulich, dass bislang alle deutschen Aspiranten im Wettbewerb verblieben sind. Dem Zufall ist es zu danken, dass der erste Vormittag der zweiten Runde von drei der insgesamt vier deutschen Teilnehmern bestritten wurde.

Wobei sich ein interessanter Vergleich ergab: Sowohl Florian Glemser als auch Thomas Wypior hatten sich auf Ludwig van Beethovens C-Dur-Sonate aus op. 2, seine "erste große Konzert-Sonate", festgelegt. Und die verlangt von ihrem Interpreten "kammermusikalische Differenziertheit, klassizistisch helle Schärfe, C-Dur-Glanz und dunkel schweifende Seelenerkundung".

Diesen von Joachim Kaiser unterstellten Charakteristika kommt Florian Glemser mit ausgefeilter Technik in sensibler Musikalität sehr nahe. Und setzt technisch wie interpretatorisch, als wäre es ein Kinderspiel - mit Liszts h-Moll-Sonaten-Boliden noch einmal nach.

Bei Thomas Wypior kling Beethoven wesentlich kompakter. Seine Dynamik ist schmaler, dafür wirken seine Akzente forciert. Spannungsbögen drohen bisweilen abzubrechen. Hinzu kommt manche Ungenauigkeit.

Eher zu Hause scheint er sich bei Schumanns "Geistervariationen" zu fühlen. "Vallée d'Obermann" aus Liszts "Années de pèlerinage" droht gelegentlich im Pedalnebel zu versinken. Gestenreich widmete sich Moritz Winkelmann Beethovens D-Dur-Sonate aus op. 10. In flüssigem Duktus realisiert er die Ecksätze ohne jedes Federlesen, hat indes aber einiges übrig für Beethovens Humor im Finale.

Variationen und Fuge über ein Händel-Thema op. 24 von Johannes Brahms ist Winkelmann ein wirkungsvoll gestaltender Interpret.