KunstRasen in Bonn

Beethoven-Orchester begeistert beim Klassik-Picknick

Einen stimmungsvollen Abend erlebten die Besucher beim Klassik-Picknick auf dem KunstRasen in Bonn.

Einen stimmungsvollen Abend erlebten die Besucher beim Klassik-Picknick auf dem KunstRasen in Bonn.

Bonn. Trotz durchwachsenen Wetters war das Klassik-Picknick mit dem Beethoven-Orchester auf dem Bonner KunstRasen ein voller Erfolg. Nicht fehlen durfte ein Seitenhieb Dirk Kaftans in Richtung der scheidenden Beethovenfest-Intendantin Nike Wagner.

Wetter: bescheiden, Stimmung: bestens. Auf diesen Nenner ließ sich das Klassik-Picknick des Beethoven Orchesters Bonn bringen. Wie zum Ende jeder Spielzeit hieß es auch dieses Mal „Open Air“ zum Saisonfinale und das ließ sich das Bonner Publikum nicht zweimal sagen: bereits zwei Stunden vor Anfang strömten die ersten Konzertbesucher in Scharen auf den Kunst!Rasen in der Rheinaue. Gute Voraussetzungen für einen stimmungsvollen Abend also.

Den boten das Beethoven Orchester unter Dirk Kaftans Leitung allemal, zumal auch Bonns Generalmusikdirektor bester Laune zu sein schien. „Willkommen in Bonns schönstem Konzertsaal“ begrüßte er das Publikum zu Beginn, ein kleiner Seitenhieb in Richtung der desaströsen Sanierung der Beethovenhalle musste einfach sein. Immerhin, Kaftan und die Musiker machen immer noch das Beste draus und die Publikumsresonanz beim Klassik! Picknick zeigte einmal mehr, wie sehr das Publikum „sein“ Beethoven Orchester schätzt.

Seitenhieb auf Nike Wagner blieb nicht aus

So manch anderen Seitenhieb gönnte sich Kaftan in seiner launigen Moderation auch. „Wollt ihr Beethoven?“ fragte er etwa in Anspielung auf Nike Wagners Behauptung, der Bonner liebe es kuschelig und wolle seinen Beethoven. „Spielen wir aber nicht“. Die Enttäuschung hielt sich freilich in Grenzen, das Programm war schließlich eine gelungene Mischung und ein farbenreiches Potpourri, das von Johann Strauß bis zu John Williams reichte. Mit einer schmissigen Ouvertüre zu Candide von Leonard Bernstein eröffnete man den Abend, legte mit anschließend mit dem Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Strauß Sohn nach. Luciana Mancini sang die Arie “Una voce poco fa” aus Gioacchino Rossinis “Barbier von Sevilla” und zum Abschluss der ersten Konzerthälfte gab es George Gershwins Rhapsodie in Blue” mit einem fabelhaft aufgelegten und ebenso brillant wie virtuos spielenden Fabian Müller am Klavier.

Kaftan nutze die Gelegenheit, um auch mal den dienstbaren Geistern zu danken, die auch das Orchester nicht nur derzeit sehr zu schätzen weiß: den Orchesterwarten. Die zweite Konzerthälfte stand eher im Zeichen der sogenannten leichten Muse, wiewohl der Auftakt mit Igor Strawinskis Danse infernale aus der Feuervogel-Suite ein echter, fulminant gespielter sinfonischer Paukenschlag war. Aber auch bei Henry Mancinis Pink Panther, John Philip Sousas inoffizieller amerikanischer Nationalhymne „Stars and Stripes forever“ oder “Yo soy Maria” aus Astor Piazzollas “María de Buenos Aires” zeigte sich das Beethoven Orchester bestens aufgelegt und stilistisch absolut trittfest. Vor allem Luciana Mancini hauchte nicht nur Piazollas Musik mit ihrer großartigen und unglaublich versatilen Stimme musikalisches Leben ein. Am Ende des Klassik-Picknicks war das Publikum restlos begeistert und auch Kaftans eindringlicher Appell, dass man das Beethoven-Jahr nur gemeinsam zu einem Erfolg machen könne, verhallte nicht ungehört.