Bechtolds Ausstellung "Ventana" in der Kunstgaleriebonn

Er will Kunst, die das Gleichgewicht ins Wanken bringt: Erwin Bechtold.

25.11.2011 BONN. Die hervorragende Ausstellung, die die Kunstgaleriebonn Erwin Bechtold ausrichtet, gewährt tiefe Einblicke in eine Künstlerpersönlichkeit, die mit 86 Jahren nicht minder vital und kraftvoll malt wie in jungen Jahren.

Dabei hat Bechtold zu einer Leichtigkeit gefunden, wie sie nur aus größter Erfahrung entstehen kann. Vor den Bildern Bechtolds fallen die Erklärungen seltsam schwer. Im Zusammenwirken der Formen, Farben, Strukturen und Linien spürt man eine Komplexität, die Intellekt und Emotion gleichermaßen anspricht.

Bechtold hat ein Oeuvre geschaffen, das die Störung im Bild zum Thema erhebt. Glatte Flächen treffen auf sandige, kantige Formen auf gezeichnete Linien und glänzende Farben auf matte Erdtöne. Er sei nicht an der Verschmelzung von Gegensätzen interessiert, sondern am Störfaktor, der das Gleichgewicht ins Wanken bringt, sagt Bechtold. Der in Köln geborene Künstler hat nach seiner Ausbildung zum Drucker und dem Besuch der Kölner Werkschulen kontinuierlich den Kontakt zu anderen Künstlern und Künstlergruppen in Europa gesucht.

1950 führte ihn sein Weg über Paris nach Barcelona und 1958 nach Ibiza, wo er sich dauerhaft niederließ und zum Mitbegründer der "Grupo Ibiza 59" wurde. Nach Einflüssen von Fernand Léger, bei dem er kurz studierte, Paul Klee, Willi Baumeister und dem Informel fand Bechtold schnell zu einer eigenen stilistischen Position. Dass er den Kontakt nach Deutschland immer gehalten hat, darf man jetzt als Glücksfall für das Bonner Galeriepublikum sehen.

Kunstgaleriebonn, Lotharstraße 106; bis 21. Dezember, Di-Fr 13-18, Sa 11-15 Uhr und nach Vereinbarung. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. (Gudrun von Schoenebeck)