Klima, Kunst und Natur

Ausstellungstipps in Bonn während der Cop23

Bonn. Rasenstücke und Holzobjekte locken in den Raum für Kunst und Natur, ein Beitrag des Frauenmuseums zur Cop23 wird mit der Ausstellung „Ikonen der Nachhaltigkeit – Sustainable Icons" geleistet.

Während auf dem Plateau die nunmehr dahingilbende Wildwiese dem Winter entgegenschlummert, erhebt sich derzeit im Innenhof des Bonner Frauenmuseums ein aus Bauschrott zusammengezimmerter „Eisberg“. „Grassierendes Gletscherschmelzen und wachsende Müllgebirge. Was lösen diese alarmierenden Nachrichten eigentlich bei uns aus?“, fragt sich Erika Beyhl im Rahmen des Projektes „Ikonen der Nachhaltigkeit – Sustainable Icons. Eine Ausstellung zum Weltklimagipfel in Bonn Cop23“.

Der Eingang gibt den Blick frei auf Petra Gensters suggestives Mahnmal „Die ausgediente Kraft des Wassers“. Am ökologischen Gewissen rüttelt dann weiter im Parterre ein starkes Künstlerinnenteam mit unter die Haut gehenden Diskursen zu Brennpunkten wie Wasserverseuchung, Wasserknappheit, Insektenschwund (Sandra Ney), Vegetationsumbrüche, Braunkohlewirtschaft (Langzeitstudie von Inge Broska, Otzenrath), Waldsterben und naturverdrängende Betonwüsten. Eine einzig rühmliche, scheinbar paradiesische Ausnahme steuert ein In-stallationsbiotop von Dagmar von Beschwitz bei. Hier dokumentiert ein aktuelles Video die idyllische Genese von gleich drei im privaten Balkonkasten nistenden Amselgenerationen. Auch der augenscheinlich romantische Streifzug durch Bonner Wildkräutergefilde (Gemäldediptychon von Deva Wolfram) macht auf zwanghaft unnatürliche Überlebensstrategien aufmerksam.

Bravouröse Menetekel zur kleinen Ursache und großen Wirkung entwickelt Corinna Heumann. Himmel und Erde vertauschen in der Gemäldeinstallation von Ulrike Reutlinger ihre Stammplätze, derweil Malerin Ursula Groten den „Lebensspender Baum“ in den Bereich von Traum, Tanz und Utopie verlagert. „Lebenselixier Wasser“ versickert in Charlotte Eschs symbolisch formatiertem Malexperiment in Gestalt eines Bluttropfens in düsteren Erdenpfründen. Um die unerforschten Auswirkungen nanopartikelgeschwängerter Kosmetik sorgt sich Nachwuchskünstlerin Luise Lauvenberg (Fotografie). Mit „Wolken, Wasser, Raum“ titelt Karin Meinel eine im Zeichen von unberechenbaren Bedrohlichkeiten stehende Videoinstallation.

Frauenmuseum, Im Krausfeld 10, bis 21. Januar 2018. Di-Sa 14 bis 18 Uhr, So 11 bis 18 Uhr.

Raum für Kunst und Natur. Auf herrschaftlichen Leinwandformaten schwingen, wiegen und fließen Farbbahnen, wo die Leitfarbe Grün prismatische Qualitäten und saisonale Naturassoziationen entfaltet. Mit der schlichten Überschrift „Rasenstück“ versieht die Malerin Cornelia Genschow ihre aus bis zu zehn Lasuren-Überlagerungen hervorgehenden Bildräume. Auch in kleinformatigen Pendants der Rasenstücksuite begegnen, überlappen und überkreuzen sich straff gefasste und frei dahintreibende, mitunter im Farbenbereich von Rostbraun, Kobaltblau beheimatete Vertikalbahnen. Zwischendurch verlockt die grazile Eleganz eines in Blattgoldvariationen getauchten Grasgiganten (Rollbild) zum Verweilen.

Die auf hohem Niveau angesiedelte „Werkschau“ des Künstlerpaares Cornelia Genschow und Samo Skoberne glänzt durch subtile Verschränkungen zwischen Ölmalerei und Holzbildhauerei. Skoberne fasziniert mit einer 3-D-Landschaftsskizze (Weidenhölzer) und mit dem differenziert ausgereizten Gegensatz zwischen naturbelassenen, „archetypischen“ und veredelten, „kultivierten“ (Skoberne) Holzmaterialien. Wachstum, Treib- und Schwungkraft, Strukturen-Vielfalt zählen zu den Zentralmotiven einer spielerisch grundierten Formsprache. Integriert in das Duett ist eine Kollektivinstallation von Künstlerinnen und Künstlern des Jahres 2017.

Raum für Kunst und Natur, Eifelstr. 22, Finissage mit Künstlergespräch: Sa, 16. Dezember, 14 bis 15 Uhr. Do, Fr 11 bis 18 Uhr, Sa 11 bis 17 Uhr.