Akademisches Kunstmuseum Bonn

Ausstellung zeigt kleine Kunstwerke des 15. Jahrhunderts

Bonn. Um es vorweg zu sagen: Die Pfeifentonfiguren aus Köln sind zwar überraschend zierlich, mit ihren rund zwölf Zentimetern Höhe kaum mehr als ein Däumling. Aber sie waren es sehr wohl wert, lokalisiert, ikonografisch bestimmt, lokalisiert, datiert und inventarisiert zu werden. Diese Forschungsaufgaben haben Bonner Studenten unter der Leitung der jungen Wissenschaftler Gerard Volker Grimm und Tünde Kaszab-Olschewski am Kunsthistorischen Institut der Bonner Universität erfüllt.

Die Ergebnisse werden jetzt in einem Katalog und in der kleinen Ausstellung "Heilige, Spielzeug, Glücksbringer" vorgeführt. Sie hat innerhalb der exklusiven Terrakotta-Sammlung des Akademischen Kunstmuseums ein würdiges Asyl gefunden, teilen doch die antiken Artefakte des Museums und die spätmittelalterlichen Tonfigürchen vielfach ihre Funktion als Kultobjekte. Die Bezeichnung Pfeifentonfiguren leitet sich ganz schlicht vom Werkstoff, dem weißen Ton, ab, aus dem sie zumeist in zweischaligen Modeln (Hohlformen) von "Bilderbäckern" rundplastisch hergestellt wurden.

Offenbar waren diese Pfeifentonfiguren weit verbreitet. Die Ausstellung aber konzentriert sich im Wesentlichen auf Objekte aus Worms, wo sich ein von etwa 1420 bis 1460/65 tätiger Meister nachweisen lässt, und auf Kölner Stücke, die vorwiegend aus einem Massenfund vom Breslauer Platz stammen und heute in Privatbesitz bewahrt werden. In Köln und auch in Utrecht, wie ein "Heiliger Bischof" belegt, haben seit 1440/45 Schüler des Wormser Meisters gewirkt.

Allerdings unterscheidet sich nicht nur der weiße Kölner vom gelblichen Wormser Ton; es zeigt sich auch ein Qualitätsgefälle zwischen dem künstlerisch vorbildlichen Wormser Meister und seinem Kölner Schüler, der auf Serienproduktion setzte. Modelle - etwa für die Madonnen, Heiligen, Jesuskindchen und Engel oder die kleinen Spielzeugreiter - lassen sich nicht nachweisen, eher kann man formale Verwandtschaften zwischen den Werkgruppen erkennen. Die Käufer dieser Kleinkunst stammten aus allen Schichten: von den einfachen Leuten bis hin zum Adel. Heil suchend und ein bisschen abergläubisch waren sie gleichermaßen.

Akademisches Kunstmuseum Bonn, bis 26. August; Di bis Fr 15 bis 17, So 11 bis 17 Uhr