"Europa trifft China" in der Bonner Bundeskunsthalle

Ausstellung zeigt Wissenstransfer mit dem Reich der Mitte

Mit dem aus Europa importierten Sextanten schlagen die Chinesen ein neues Kapitel in der Geschichte ihrer Astronomie auf.

bonn. Eine neue Ausstellung mit dem Titel "Europa trifft China - China trifft Europa" in der Bundeskunsthalle in Bonn zeigt die Anfänge des deutschen Technologie- und Wissenstransfers mit dem Reich der Mitte.

Die "Gelbe Gefahr"? Das ist ein ziemlich hässlicher Ausdruck aus der Kolonialzeit, mit dem die USA und die europäischen Kolonialmächte damals Ressentiments gegen die asiatischen Völker zu schüren versuchten. Seit die Chinesen Japan im Jahr 2010 als Volkswirtschaft Nummer zwei in der Welt abgelöst haben, mag sich bei manchen Ökonomen hierzulande ein gewisses Misstrauen breitmachen. Wohingegen und dessen ungeachtet der deutsche Technologie- und Wissenschaftstransfer mit dem Reich der Mitte vorangeht.

Neu ist der allerdings nicht, wie jetzt eine Ausstellung im Pavillon der Bundeskunsthalle zeigt. Unter dem Titel "Europa trifft China - China trifft Europa" stehen dort die Anfänge dieses Wissensaustauschs im Mittelpunkt; initiiert von Jesuitenmissionaren in China des 16. bis 18. Jahrhunderts. Auf sieben Schautafeln sowie anhand von vier Original-Manuskripten aus den Jahren 1615 bis 1667 lässt sich nachvollziehen, was ebenso wissbegierige wie abenteuerlustige Gelehrte der frühen Neuzeit inspirierte, nach China zu reisen, wie sie dort aufgenommen wurden, was sie dorthin mitgebracht und von dort nach Hause geschickt haben.

Geschichten, die sich festmachen lassen an Männern wie Matteo Ricci, der die seinerzeit heftig umstrittene These vertrat, die Missionare sollten sich chinesischen Gepflogenheiten anpassen.

Die Kutte der Bettelmönche fand in der repräsentierfreudigen Hochkultur wenig Anklang. Astronomische Forschung und Kalenderberechnungen dagegen um so mehr, wie Nicolas Trigault feststellte. Ausgerüstet mit einer sehr gut ausgestatteten Bibliothek und einer Vielzahl modernster mathematischen Instrumente - wie beispielsweise dem in China bis dato noch gänzlich unbekannten Sextanten - brach er gemeinsam mit seinem Team Mitte April 1618 von Lissabon nach China auf. Ohne die Kenntnisse, die Weitsicht und auch den Wagemut eines gewissen Beamten namens Xu Guangqi (1562-1633) wäre der Transfer vielleicht an der Grenze gestoppt worden. Für Bonner Besucher besonders interessant ist Johann Adam Schall von Bell aus Lüftelberg (1592-1666), der später sogar zum Staatsbeamten Erster Klasse aufstieg und in Peking dem Astronomischen Amt vorstand.

 

Zu der Ausstellung, die bis zum 3. Juni zu den gewohnten Öffnungszeiten der Bundeskunsthalle zu sehen ist, gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm unter www.europatrifftchina.de