"Muslime in Deutschland"

Ausstellung in der U-Bahn-Galerie des Hauses der Geschichte

Es sind Bilder aus diesem Land. Bilder, die Menschen in diesem Land zeigen. Der Titel der Foto-Ausstellung, die gestern Mittag in der U-Bahn-Galerie des Hauses der Geschichte eröffnet wurde (täglich 24 Stunden zu sehen bis Juni 2013) lautet "Muslime in Deutschland". Und damit wird der Fokus auf eine inzwischen große Gemeinschaft gerichtet.

Gemeinschaft? Ein ziemlich schwammiger Begriff. Die Menschen muslimischen Glaubens sind ähnlich vielfältig und heterogen wie die christliche Gesellschaft in Deutschland. Gesellschaft? Auch ein ziemlich schwammiger Begriff. "Die Gesellschaft" hat viel zu viele Gesichter für einen derartigen Oberbegriff, der in der Wirklichkeit anwendbar wäre. Es gibt natürlich Konsensfelder. Zum Beispiel Gewaltlosigkeit und Respekt.

In diese Richtung ging auch Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, in seiner Begrüßungsrede. "Wir sollten nicht vergessen zu unterscheiden zwischen Muslimen in Deutschland und dem politischen Islam", sagte Hütter. "Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime steht nicht hinter den radikalen und verbrämten Positionen."

Hidir Celik, Vorsitzender des Bonner Instituts für Migrationsforschung und interkulturelles Lernen, sagte in Bezug auf den gerade begonnenen Prozess gegen einen hessischen Salafisten, der bei den Ausschreitungen in Bonn-Lannesdorf am 5. Mai zwei Polizeibeamte schwer verletzt haben soll: "Die Mehrheit der Muslime distanziert sich von solchen Gewalttaten."

Als Veranstalter des Wettbewerbs hatten die Fotozeitschrift zenith, die Zeitschrift für den Orient und die Mercator-Stiftung im Vorjahr Profi- wie Amateurfotografen dazu aufgerufen, das facettenreiche Leben der Muslime in Deutschland abzubilden. In der U-Bahn-Galerie des Hauses der Geschichte sind 66 Aufnahmen zu sehen: inszenierte und dokumentarische Fotos, fragende Blicke von außen oder Erklärungsversuche von innen.

[kein Linktext vorhanden]Den ersten Platz holte Kai Löffelbein mit seiner Bildergalerie "Fremde Heimat". Den dritten Preis bekam die Berliner Foto- und Videokünstlerin Feriel Bendjama, die eigens zur Ausstellungseröffnung nach Bonn gereist war. Es ist unverständlich, warum Bendjama von der Jury nicht auf den ersten Platz gewählt wurde. Ihr Kopftuch-Triptychon aus jeweils vier Selbstporträts ist eine ebenso scharfsinnige wie humorvolle Auseinandersetzung mit dem Islam-Symbol schlechthin. Die Künstlerin hat sich mit Infrarot-Selbstauslöser abgelichtet: mit weißem Kopftuch in Posen, wie die "gute Muslimin" sein soll.

Ihre Augen hat die 32-jährige Künstlerin geschlossen: "Das steht für die Sichtweise der anderen; sie, die Frau, hat damit nichts zu tun." Das zweite Motiv-Quartett zeigt sie unter schwarzem Kopftuch und symbolisiert die Perspektive von Nicht-Muslimen: Das Gitter vor dem Gesichtsausschnitt spricht für sich. Schließlich ein rotes Kopftuch, und nur auf diesen Fotos hat Bendjama die Augen geöffnet.

Das soll die Wunschvorstellungen und auch das Selbstbild der Frauen widerspiegeln: Etwa rauchend, verwegen mit Augenklappe und aufgeklebtem Schnauzbart. "Ich gebe meine Beobachtungen wieder und stelle mich auf keine Seite", sagte Bendjama. Anfeindungen erfahre sie nicht. "Vielen jungen Muslima gefällt das, und sie verbreiten die Bilder weiter."