"Der letzte Ort"

Ausstellung in Bonn dreht sich um die Bestattungskultur

Gerit Yonny Godlewsky plant für die Kremierung einen zeremoniellen Weg im Kölner Königsforst.

Gerit Yonny Godlewsky plant für die Kremierung einen zeremoniellen Weg im Kölner Königsforst.

Bonn. Die Ausstellung „Der letzte Ort“ in der Gesellschaft für Kunst und Gestaltung in Bonn behandelt ein wichtiges Thema. Die Bestattungskultur ist aktuell so vielfältig wie noch nie.

Die Bestattungskultur in Deutschland ist aktuell so vielfältig wie noch nie. Man kann sich im Eichensarg auf den Friedhof legen lassen, eine Seebestattung wählen, für die Urne mit der eigenen Asche einen Baum im Friedwald wählen oder sich anonym in einem Gräberfeld zur letzten Ruhe begeben. Auch für die Trauerfeier mag man selbst entscheiden, ob kirchlicher Beistand gefragt ist oder lieber doch die privat gestaltete Feier, eventuell mit professionellem Trauerredner.

In unserer zunehmend säkularisierten Gesellschaft wird auch der Umgang mit Tod und Bestattung stärker individualisiert und ist nicht mehr fest in der Hand der christlichen Kirchen. Das heißt aber auch, dass dort, wo früher feste Abläufe und Rituale das Abschiednehmen und den Trauerprozess begleiteten und unterstützten, nicht selten ein Leerraum entstanden ist, der gefüllt werden muss.

Deutlich mehr als 60 Prozent der Deutschen lassen sich inzwischen kremieren, aber einen Ritus für diese immer beliebter werdende Form der Bestattung gibt es nicht. Die eigene Würde und die des Toten müssen die Trauernden selbst finden. In der Gesellschaft für Kunst und Gestaltung (gkg) gibt es derzeit eine Ausstellung, die dieses Thema von der architektonischen Seite beleuchtet. Drei Architekturstudenten der TH Köln haben sich unabhängig voneinander in ihren Masterarbeiten gestalterische Gedanken darüber gemacht, wie Trauer und Gedenken in das tägliche Leben der Menschen (zurück)geholt werden könnten.

Gerit Yonny Godlewskys Pläne für die letzte Ruhe spielen sich im Königsforst bei Köln ab. Die Bestattung ist als zeremonieller Weg gestaltet, in dem die Hinterbliebenen sich in einer Lichthalle versammeln, ins Krematorium hinabsteigen, der Kremierung beiwohnen, um dann durch einen Gang wieder nach draußen zu gelangen. Die minimalistisch geprägte Architektur besteht aus geschwärztem Beton und steht zeichenhaft in der Landschaft. Die Asche des Toten würde später im Wald verstreut.

Die beiden anderen Entwürfe, die in der Ausstellung zu sehen sind, holen die Bestattungszeremonie direkt in die urbane Umgebung. Lauren Cannon ging der Frage nach, ob es Bereiche in Köln gibt, wo man Veedel-Friedhöfe anlegen könnte. Als Beispiel schlägt sie eine Friedhofsanlage im Kölner Agnes-Viertel vor mit Trauerhalle und Urnenwand, mit Andachtssälen und einem Café.

Der Begräbnisort würde zum Ort des Lebens und der Kommunikation, ähnlich wie im frühmittelalterlichen Rheinland, als man sich auf dem Kirchhof traf, um Geschäfte zu machen. Auch der Entwurf von Janina Müllers spielt sich mitten in Köln ab. Ausgehend vom Glockenturm einer bestehenden, aber leer gefallenen Kirche baut die Architektin einen Innenhof mit Umgang und an beiden Seiten je sechs Kolumbarien in der Art von Kölner Bürgerhäusern.

Auch hier ist ein zeremonieller Weg vorgesehen, in dem die Trauergemeinschaft den Toten von der Aufbahrung über das Krematorium bis zu seiner letzten Ruhestätte in einer Nische des Kolumbariums begleitet.

Gesellschaft für Kunst und Gestaltung, Hochstadenring 22, Mi-Fr 15-18, Sa 14-17, So 11-17 Uhr, bis 16. September. Diskussionsrunde am 15. September um 16 Uhr zum Thema „Was ist eigentlich ein Ort?“.