Panorama des Glaubens

Ausstellung "Evo - Frauen in den Weltreligionen" im Bonner Frauenmuseum

Die Künstlerin Cornelia Enax und ihre Vision einer Päpstin.

Bonn. Anschaulich, lehrreich, horizonterweiternd, anregend und hinterfragend präsentiert sich das komplexe Megaprojekt "Evo - Frauen in den Weltreligionen" im Bonner Frauenmuseum.

Die Kuratorin und Museumschefin Marianne Pitzen erfundene Bezeichnung "Evo" steht für eine bei Eva beginnende Evolution weiblicher Rollen, Einflüsse und Erfahrungen innerhalb religiöser Kontexte. Die imposante Breite von Motiven und Perspektiven liefern an die hundert Künstlerinnen. Spürbar werden vielfach Vertrautheit oder gar Verhaftung mit und in christlichen, jüdischen, islamischen, buddhistischen sowie hinduistischen Religionskulturen.

Das mehrere Rundgänge lohnende Panorama ist durchsetzt mit aufschlussreichen Unterrichtslektionen, begleitet von einem ausgezeichneten Katalog sowie themenvertiefendem Rahmenprogramm. Im Parterre erfährt der Besucher anhand der weitgreifenden Recherchen von Marie-Luise Kreiss Wissenswertes über regionale Gotteshäuser, Klöster und anderweitige konfessionelle Niederlassungen.

Ein von Marianne Pitzen inszeniertes "Matronen- Symposium" sowie die aus Terrakotta modellierten Frühzeitgöttinnen einer Julitta Franke liefern das Fundament des durch Spinnengöttin Arachne (Karin Flörsheim) symbolisch vernetzten Installationskosmos.

Das durch Binnenszenen aufgelockerte Panorama der Belleetage vermittelt eine straff gegliederte Pilgerreise. Die im obersten Stockwerk befindliche Kabinettschau beschert vornehmlich motivisch extravagante Ergänzungsliteratur, so wie etwa der poppige, gleichwohl im Zeichen von Gefangenschaft und Repressalien stehende Sarkophag einer Chris Bleicher oder die pompöse "Starverehrung" einer Renate Hochscheid.

Zwischen Altären (Ellen Sinzig), sakralen oder sakrosankten Requisiten und Reliquien, malerischen Exegesen von Madonnenverehrung (Rockversion von Margit Goeltzer), Heiligenlegenden, Maria Magdalena Variationen, Monika Ortmanns ambivalenten "EngelFallen" ragt die nicht nur kompositorisch differenzierte Reflexion ("Die Ästhetisierung des Leidens") der Chilenin Lilian Moreno Sanchez heraus.

Aktuelle Klerus-Dramatik, Geborgenheit und Ungewissheit flackern auf in einer malerischen Trilogie von Christine Theile. Von imaginärer Intensität und Suggestionskraft bestimmt ist die 1977 entstandene Soloperformance "Maifrau", in deren einstündigem Verlauf Pionierkünstlerin Ulrike Rosenbach nonstop das in zeitloser Universalität aufscheinende Schlüsselwort "Frau" artikuliert.

Neben zwei tiefgründigen Versenkungen in "Das hohe Lied" von Salomon (Gamma Thesa Terheyden, Zipora Rafaelov) anzutreffen ist die subtile, dem verstörenden Ritual der Steinigung gewidmete Ergründung der Iranerin Homa Emani. Destruktive, die buddhistische Philosophie des Leidens verkörpernde Elemente entfesseln die aus schierem Ruß komponierten Stadtausschnitte der Koreanerin Jinran Kim.

Mit aussagekräftigen Fotomontagen polarisiert oder parallelisiert die Deutschinderin Lavanya Boesten christliche und hinduistische Ikonographie. Religiöse Zeichensprachen (Karin Flörsheim), kultische Gewänder, biblische sowie dämonische, mystische Pfründe (Rune Mields), Zeitthemen wie Frauenmisshandlung kommen keineswegs zu kurz.

Frauenmuseum Bonn, Im Krausfeld 10, Finissage, Sonntag 10. November, 13 Uhr. Di - Sa 14 bis 18 Uhr, So 11 bis 18 Uhr. Katalog 20 Euro.